Festausschuss Alsdorfer Karneval wird 6 x 11 Jahre alt

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Vor dem Karnevalsbrunnen am Denkmalplatz, einem der vielen Marken, die der Festausschuss Alsdorfer Karneval mit breiter Unterstützung der Bürger und hier angesiedelten Unternehmer in Alsdorf gesetzt hat: Der Vorstand, Karl-Heinz Heinen, Heinz-Wilhelm Plum und Dieter Dujardin (v.l.), freut sich auf die Jubiläumsfeier in der Stadthalle an diesem Samstag. Foto: Photodesign Horst Schädlich

Alsdorf. Der wichtigste Förderer des karnevalistischen Brauchtums in Alsdorf feiert Geburtstag. Er wird 6 x 11 Jahre alt und schmeißt am Samstag, 8. Oktober, für 444 Gäste eine Riesenparty in der Stadthalle. Die Rede ist vom Festausschuss Alsdorfer Karneval.

Teil des Programms werden Marc Metzger, Sarah Schiffer, Jürgen B. Hausmann und viele andere sein. Die Vorbereitungen sind in den letzten Zügen, es läuft wie geschmiert, wie am Dienstag zu vernehmen war. Das überrascht nicht, denn der Verein steht für Qualität und solide, gut durchdachte Arbeit.

Im Vorfeld sprach Verena Müller mit den beiden Vorstandsmitgliedern Heinz-Wilhelm Plum und Karl-Heinz Heinen. Der Dritte im Bunde, Dieter Dujardin, war verhindert.

 

Herr Heinen, Herr Plum, ich will ganz ehrlich sein. Ich hatte vor, ein lustiges Interview mit Ihnen zu führen, aber ich fürchte, daraus wird nichts. Organisierter Karneval ist einfach nicht witzig. Ich glaube, er besteht aus viel Arbeit für ein paar Wenige, damit viele Andere feiern können.

Heinen: Da haben Sie recht. Es ist viel Arbeit. Aber ich kann Ihnen versichern: Uns macht das unheimlich viel Spaß und wir lachen oft und viel.

Da bin ich aber beruhigt. Aus meiner Sicht gibt es nämlich nichts Ernsteres als die Vereinsstrukturen hinter dem Sitzungskarneval, in denen Sie als Festausschuss allerdings eine Sonderrolle einnehmen.

Heinen: Ja. Wir sind ein Förderverein, der sich dem Brauchtum Alsdorfer Karneval verschrieben hat. Wir sind der Hauptsponsor, auch wenn wir das nicht gerne an die große Glocke hängen.

Wie groß ist der Kreis der Gönner inzwischen?

Heinen: Inzwischen haben wir 192 Mitglieder.

Das sind keine Vereine, sondern Privatpersonen.

Heinen: Unternehmer überwiegend, ja, aber auch viele normale Bürger. Die zahlen bestimmte Beträge ein, über deren Verwendung wir einmal im Jahr bei unserer Jahreshauptversammlung entscheiden. Das Geld geht dann an das Festkomitee Alsdorfer Karneval, unter dessen Dach die Vereine versammelt sind.

In Ihrer Chronik habe ich gelesen, dass Sie zum Beispiel einen Schellenbaum für den Fanfarenzug der KG Prinzengarde finanziert haben. So was ist nicht ganz billig.

Plum: Das stimmt. Unsere Unterstützung kann ganz unterschiedliche Formen haben, das ist aber ein gut sichtbares Beispiel. Ein anderes ist die neue Prinzenkette, die wir gestiftet haben.

Das, was Sie „nebenbei“ an Programm stemmen, ist beachtlich – vom Jubiläumsfest mal ganz zu schweigen.

Plum: An der Stelle will ich einmal ausdrücklich betonen, dass wir die Veranstaltung am 8. Oktober rein aus Sponsoren- und Werbemitteln finanzieren. Und nicht aus der Vereinskasse. Das Gerücht machte nämlich kürzlich die Runde, dem wollen wir ausdrücklich widersprechen.

Wie liefen die Vorbereitungen zum Fest?

Heinen: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das keine Arbeit war. Die Plakate, die Chronik, die Suche nach den Künstlern, die Tombola und Lose, die Abstimmungen mit der Stadthalle – das haben wir alles selbst gemacht. Alleine letzteres hat sich über acht Tage gezogen.

Welche Qualitäten muss man da als Vorstand haben? Vor allem Durchhaltevermögen?

Heinen: Ja, auch, man muss auch schon mal Klinken putzen, seine Kontakte nutzen – die ich dank meiner jahrelangen Tätigkeit als Geschäftsstellenleiter der Aachener Bank habe –, man muss den Ansporn haben, zum Beispiel noch eine Werbung reinzuholen. Man darf sich nicht so schnell zufrieden geben. Man muss ein dickes Fell haben und ab und zu auch mal Tacheles reden können.

Jetzt haben wir schon viel über Ihr Tagesgeschäft gesprochen, aber noch nicht über die Anfänge. Den Grundstein des Festausschusses hat Theodor Helpenstein gelegt. Was war das für ein Mensch?

Plum: Der hat hier in der Verwaltung gearbeitet, war Vereinsmensch durch und durch und auch in Alsdorfer Sportvereinen aktiv. Er hat sich irgendwann nach dem Krieg gedacht, dass es an der Zeit wäre, den Karneval in Alsdorf wiederzubeleben und hat recht schnell Mitstreiter gefunden: Studienrat Jacques Vomberg, Oberstudiendirektor Dr. Willibald Gebel, die Kaufleute Georg Kling und Josef Zentis, Arzt Dr. Karl Boventer und Apotheker Fritz Küpper.

Bildungsbürgertum.

Plum: Ja und nein. Sein Ziel war es, einen Querschnitt der Gesellschaft abzubilden. Also Männer aus allen Bevölkerungsschichten.

Nur Männer.

Heinen: Lange Zeit war der Festausschuss eine reine Männerdomäne, das muss man leider sagen, ja.

Verstehe. Der Ausschuss hat zur Emanzipation des jahrhundertelang unterdrückten Mannes beigetragen. (lacht)

Heinen: Oh oh oh, darüber machen wir lieber keine Witze, das könnte jemand missverstehen.

Sehen Sie, das meine ich. Im organisierten Karneval muss man sehr vorsichtig sein, überall gibt es Tretminen.

Heinen: (lacht) Wir sind jedenfalls sehr froh, dass wir inzwischen auch an die 40 Damen in unseren Reihen haben.

Sie dürfen ruhig Frauen sagen, das ist nicht despektierlich (grinst).

Heinen: (winkt ab) Ok, Frauen, jetzt aber mal Spaß beiseite. Als Jürgen Beckers zum Vorsitzenden gewählt wurde, das war 2005, fragte er Plum und Dujardin, ob sie ihn im Vorstand unterstützen würden. Die stimmten zu.

Plum: Beckers war Karnevalsprinz und ich in seinem Gefolge. Der Kontakt war also schon vorher eng. Deshalb habe ich natürlich Ja gesagt.

Heinen: Dujardin hat dann eine Vereinssatzung entworfen, die Gemeinnützigkeit beantragt und eben auch unseren Kreis für Frauen geöffnet.

Plum: Ein paar Mitglieder haben uns damals wutentbrannt den Rücken gekehrt.

Lächerlich.

Heinen: Ja, lächerlich. Wir bereuen das keine Sekunde. Auch, weil wir seitdem einen enormen Aufschwung erlebt haben. Allerdings haben wir bald die unsichtbare Obergrenze von 200 Mitgliedern erreicht. Und da unsere Mitglieder plus Begleitung eine Einladung zur Prinzenproklamation erhalten, würde sich bei einer höheren Mitgliederzahl die Frage stellen, wie man die alle unterbringen soll.

Wo wir schon dabei sind: Vielleicht gehen wir einmal kurz durchs Jahresprogramm, bevor wir zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte kommen. Einverstanden?

Plum: Wir fangen mit dem 11.11. an, da findet die Prinzenvorstellung statt.

Heinen: Der Prinz geht durch den Saal, stellt sich an jedem Tisch vor, da geht es recht lustig zu. Dabei wird auch der Alsdorfer Pöngel (Anm. d. Red.: Alsdorfer Gebäck in einem blaukarierten, zu einem Beutel gebundenen Geschirrtuch) überreicht. Vom Bergbau ist ja nicht mehr viel zu sehen, aber wir wissen, wo unsere Wurzeln sind.

Plum: Das Steigerlied wird auch noch ab und zu gesungen.

Heinen: Nach der Weihnachtszeit geht es mit der Prinzenproklamation und der Übergabe der Prinzenkette weiter. Acht Tage später findet das Ordensfest statt.

Plum: Alle Mitglieder erhalten dabei den Prinzenorden. Der Abend steht immer unter einem bestimmten Motto: Kölner Abend, Aachener Abend und so weiter.

Heinen: Im Mai ist Jahreshauptversammlung. Um die lange Wartezeit bis zur nächsten Session zu überbrücken, haben wir das außerkarnevalistische Treffen, umgangssprachlich auch Oktoberfest genannt, eingeführt.

Plum: Kannst Du Dich noch an das erste erinnern?

Heinen: (lacht) Oh ja. Das war hinter der Gärtnerei von Tony Knops.

Plum: Der hatte uns einen Frittenwagen besorgt und am Bierwagen floss kräftig das Bier. Das war eine Feier!

Heinen: Inzwischen sind wir immer im Fischerheim, das hat sich so ergeben.

Wenn ich da mal kurz beim Stichwort Oktoberfest einhaken darf: Ich stelle fest, dass Karneval inzwischen stark mit Schlager- und Popkultur und mit Brauchtum südlich des Weißwurst-Äquators vermischt wird. Finden Sie das gut?

Heinen: Das trifft auf uns nicht ganz zu. Wir nennen das Fest bewusst „außerkarnevalistisches Treffen“. Gemeint ist: außerhalb der Karnevalssaison. Es wird sicher auch der eine oder andere Schlager gespielt, aber das hat nichts mit dem echten Oktoberfest oder Mallorca-Feeling zu tun. Es hat immer noch einen karnevalistischen Hintergrund.

Ok. Sie sind eben so schön in Erinnerungen abgetaucht – waren Sie eigentlich bei der legendären Triumphfahrt nach Köln dabei?

Heinen: Ich nicht, aber Du, Heinz-Wilhelm, oder?

Plum: Ja, das ist unvergesslich. 1987/88 war Bert Ludwig Prinz, der war von Beruf Lokomotivführer. Rudolf Bast als damals Vorsitzender des Festausschusses hatte wohl mehr im Scherz den Wunsch formuliert, mal oben auf der Lok mitfahren zu dürfen. Und daraus ist die Idee entstanden, einen Sonderzug zu chartern und nach Köln zu fahren. Am Ende waren wir 600 Mann. Josef Zentis, seines Zeichens Bäckermeister, hatte 600 Puffel gebacken, in Herzogenrath haben wir einen Zwischenstopp eingelegt und noch ein paar Kästen Bier reingeschleppt. Unterwegs wurden wir von Repräsentanten der jeweiligen Städte empfangen: Herzogenrath, Aachen, Düren. Am Hauptbahnhof angekommen hieß es: Lasst alles drin, hier kommt nichts weg. Von wegen! Alles war am Ende geklaut. Alles (lacht). In Köln kam es dann zu einem großen Treffen auf der Domplatte.

Und bei dem einen Ausflug in so einer Größenordnung sollte es nicht bleiben, wie ich gelesen habe.

Heinen: Ja, rund zehn Jahre später sind wir mit zehn Bussen zum Landtag gefahren. Das ging auf eine Idee des ehemaligen Landtagsabgeordneten Hans Vorpeil zurück. Der damalige Landtagspräsident Ulrich Schmidt empfing uns. Er wurde unser Ehrenmitglied und hat bis 2005 an fast allen Alsdorfer Ordensfesten teilgenommen. Seitdem werden jedes Jahre Prinzenpaare und Dreigestirne im Landtag empfangen, inzwischen 111. Bis heute heißt es: „Alsdorf ist gesetzt.“ Weil die Tradition auf uns zurückgeht.

Und welche ist die zweite Marke, die Sie gesetzt haben?

Plum: Der Karnevalsbrunnen, der auf eine Idee von Toni Baumanns zurückgeht und von der sogenannten Viererbande umgesetzt wurde. Das waren Hans Vorpeil, Klaus Pohlmann, Helmut Brandt und Toni Baumanns selbst. Über 200000 Mark hat der Brunnen damals gekostet, rein aus Sponsorengeldern finanziert. Die technischen Anschlüsse hat die Foga gemacht.

Der steht vor der Stadthalle. So schließt sich der Kreis zur großen Jubiläumsfeier am Samstag. Ist der Saal eigentlich voll?

Heinen: Ja, alle Plätze sind restlos belegt.

Plum: Wir freuen uns schon sehr auf den Tag!

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