Fertig ausgebildete Wehrleute sind rar

Von: Beatrix Oprée
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Wehrleute: Immer im Einsatz für den Nächsten. Foto: Stock/Becker&Bredel

Nordkreis. Acht Minuten nach der Alarmierung sollen in 80 Prozent der Fälle neun Feuerwehrleute im Einsatz sein. Nach weiteren fünf Minuten insgesamt 22 Kräfte. Das besagt eine Rundverfügung der Bezirksregierung Köln zur Bewertung der Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehren. Sie stammt aus dem Jahr 2012.

Als Bemessungsgrundlage gilt ein sogenannter „kritischer Wohnungsbrand“, das heißt ein Feuer im Obergeschoss eines verrauchten Hauses mit Gefährdung von Menschenleben. In Großstädten, so jüngst eine Recherche der WDR-Wirtschaftsredaktion, kommen Feuerwehren oft zu spät. Aber auch in kleineren Kommunen wird darum gerungen, die zeitlichen Fristen einhalten zu können.

Statt der aus Köln vorgegebenen 80 nur rund 65 Prozent Erreichungsgrad „mit steigender Tendenz“ seien es derzeit in Herzogenrath, sagt Jürgen Venohr, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, auf Anfrage unserer Zeitung. Ende 2013, als der von einem externen Experten erstellte aktuelle Brandschutzbedarfsplan vorgelegt wurde, seien es gar nur knapp 50 Prozent gewesen.

Das ist einerseits der Topographie Herzogenraths in langgezogener Tallage mit drei Stadtteilen geschuldet. Hat andererseits aber auch personelle Gründe, wie Bürgermeister Christoph von den Driesch darlegt. Nachwuchsmangel heißt das Problem. 34 hauptamtliche Mitarbeiter benötige man für den 48-Stunden-Schichtdienst an 365 Tagen im Jahr, verweist Venohr auf den Bedarfsplan. 23 waren es 2013, mittlerweile sind es 30, ab 1. November werden es 31 Kollegen für die Hauptwache an der Erkensstraße sein.

Doch fertig ausgebildete Wehrleute sind rar und werden händeringend gesucht. Vor allem seit dem Verzicht auf die Opt-out-Regelung – die individualvertragliche Möglichkeit, dass Beamte über 48 Stunden in der Woche hinaus Dienst leisten.

In Herzogenrath basiert das Rettungssystem wie vielerorts auf dem Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlern. Weshalb man Wert darauf lege, dass Letztere stets in Entscheidungsprozesse eingebunden würden, betonen Bürgermeister und Fachbereichsleiter unisono: Beide Gruppen sollen sich „gleichwertig aufgestellt“ fühlen.

Der relativ neue Feuerwehrbeirat unter Vorsitz des Bürgermeisters mit Vertretern der Löschzüge und der Politik soll dem Nachdruck verleihen. Von den Driesch: „Bewusst haben wir die Form des Beirats gewählt und keinen Ausschuss, damit die Feuerwehrvertreter gleichberechtigte Mitglieder sein können.“

Hinzu kommt in Herzogenrath, dass seit Ankoppelung des Rettungsdienstes an die Wache auch doppelt qualifizierte Hauptamtler benötigt werden. Zuletzt habe es noch einen Zugang aus Aachen gegeben. Eine Zeit lang, so erläutert der Bürgermeister, habe der Wechsel aus der ehrenamtlichen in die hauptamtliche Wehr gut funktioniert. Bei Bewerbungen werden Ehrenamtler auch heute noch bevorzugt, müssen aber das normale Verfahren durchlaufen.

So wirbt Bürgermeister von den Driesch nun verstärkt für den ehrenamtlichen Einsatz im Brandschutz – und das Entgegenkommen der Arbeitgeber, entsprechende Auszeiten zu gewähren.

Und noch etwas betont der Verwaltungschef: „Nordrhein-Westfalen stellt sehr hohe Anforderungen im Vergleich zu anderen Bundesländern. Kein Herzogenrather muss befürchten, dass er im Brandfall nicht gerettet wird.“ Es gehe darum, die hohen Schutzziele „weiterhin einhalten zu können“. Und die sind in der Tat strenger als die 1998 von der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) formulierten „Qualitätskriterien für die Bedarfsplanung von Feuerwehren in Städten“.

Die empfahlen, dass nach 13 Minuten (der „Erträglichkeitsgrenze“ für einen Menschen im Brandrauch) 16 und nicht 22 Kräfte vor Ort sein sollten. Zur Ergänzung noch ein weiterer Wert: Laut Studie muss spätestens nach 17 Minuten mit einer Reanimation begonnen werden, um ein Überleben zu sichern.

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