Herzogenrath - Feinste Kost wird nur von wenigen goutiert

Feinste Kost wird nur von wenigen goutiert

Von: Christoph Hahn
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Feines Duo: Die französische
Feines Duo: Die französische Cellistin Eglantine Latil (l.) und die aus Weißrussland stammende Pianistin Tamara Serikowa begeisterten ihr Publikum. Foto: C. Hahn

Herzogenrath. Große künstlerische Leistungen mit Meistern von morgen, dafür aber mit Zuhörerzahlen zwischen zehn und knapp zwei Dutzend: Das Kammermusikfestival „Amadèo Jeunesse International” auf Burg Rode war von einer Schere zwischen den bewundernswerten Leistungen der Interpreten und dem minimalen Zuspruch des Publikums geprägt.

Dabei können die Veranstalter - der Trägerverein der Burg, die Stadt Herzogenrath und das Euriade-Festival - mit Unterstützung der Sparkasse Aachen im Rahmen der drei Konzerte und eines Workshops für junge Leute vor allem mit einem Faktor für ihre Gemeinschaftsveranstaltung werben: Der Raum hoch über den Dächern der Rode-Stadt lässt schon rein physisch keine Distanz zwischen Ausführenden und Klassikfreunden zu. Jeder Klang findet direkt und ohne Verluste den Weg ins Ohr. Virtuosen und Fans - auf der Burg kommen sie sich unausweichlich nahe.

Den Auftakt bestritt der Gewinner des „Prix Amadèo” anno 2011, Fabian Müller. Mit Werken von Ravel und Debussy dokumentierte er einen gut entwickelten Sinn für die frühe Moderne, wobei er bei allem Hang zum großen, bisweilen pathetischen Gestus im Anschlag dennoch in der Ausformung der Tempi und der Wahl der Farben viel differenzierte Feinzeichnung zeigte - eine Breite der Gestaltung, die dem 22-jährigen Bonner auch bei der Gestaltung von Beethovens ganz und gar nicht beiläufigen Bagatellen zu Gute kam.

Dass Werke aus lange zurückliegenden Jahren ganz wie von heute klingen können, dokumentierten die aus Weißrussland stammende Pianistin Tamara Serikowa und ihre Duopartnerin, die französische Cellistin Eglantine Latil. Am zweiten Abend gaben sie nicht nur Brahms F-Dur-Sonate viel Tiefe, sondern gaben auch Schumanns Adagio und Allegro eine Portion Feuer und Leidenschaft mit auf den Weg. Eine faszinierende Innenansicht der Musik - und mithin für Zaungäste die Möglichkeit, diese Kunst aus einem anderen Blickwinkel zu erleben - bot ein Workshop mit Professor Andreas Frölich, dem künstlerischen Leiter von „Amadèo”.

Zusammen mit seinen Studenten Luisa Imorde, der erst 17-jährigen Alica Müller sowie Tamara Serikowa legte er offen, wie die Lehre in seinem ganz speziellen Falle funktioniert. Besonders das Zusammenspiel von Luisa Imorde mit dem Cellisten Philipp Graham gestaltete sich sehr aufschlussreich: Eher beschwörend als autoritär legte Frölich den jungen Leuten seine künstlerischen Ansichten ans Herz, eichte sie aufs Zuhören als wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen und feilte mit ihnen an Feinheiten. Wie Talente heranreifen ließ sich hier sehr gut und lebendig nachvollziehen.

Dreh- und Angelpunkt von „Amadèo Jeunesse” aber blieben die Konzerte, deren vorerst letztes die Südkoreanerinnen Sol Park und Young Kyung Song bestritten. Mit ausdrucksstark dargebotenen Balladen und einer Sonate von Chopin, aber auch mit der „Humoreske” von Schumann und einer Ungarischen Rhapsodie von Liszt dokumentierten diese Pianistinnen Hingabe an die Kunst, die dem Zuhörer Respekt oder gar Bewunderung abnötigt. Was die Treue zu Geist und Notentext der gespielten Werke betrifft, gab es bei diesem Minifestival wirklich nichts zu meckern - wäre da nicht der magere Zuspruch gewesen...
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