Nordkreis - Fan mit 87 Jahren: Oma fliegt zu Placido

Fan mit 87 Jahren: Oma fliegt zu Placido

Von: Stefan Schaum
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Wertvolle Andenken: Schon oft hat die Alsdorferin Marlene Schwarz mit ihrem Idol vor der Kamera posieren können. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Bald hebt Oma wieder ab. Diesmal fliegt sie nach Los Angeles. Natürlich zu ihrem Placido Domingo, zu wem denn sonst? Für Marlene Schwarz gibt es auch mit 87 Jahren nichts Schöneres, als Konzerte mit dem Startenor. Dass die Alsdorferin so rüstig ist, verdankt sie wohl diesem Faible. Wenn es um die Schwärmerei für ihr Idol geht, fühlt sie sich ganz wie ein Teenager.

„Ich mag den Placido nicht nur, ich liebe ihn“, sagt sie und fast sieht es so aus, als ob ihre Wangen sich dabei ein wenig röten. Sie verehre ihn nicht bloß, „weil er richtig schöne Augen hat“, sondern weil er „durch und durch ein netter Kerl“ sei. Sie weiß, wovon sie spricht, sagt sie.

Bilder des Spaniers findet man überall in ihrer Wohnung. An den Wänden hängen sie, in den Regalen stehen bedruckte Tassen und auf der Couch liegen Kissen mit seinem Konterfeit. Fanartikel, wohin man blickt. In der heiligsten Ecke hängen die Fotos, die der Sänger selbst signiert hat. Und das sind ganz schön viele.

Früher gab‘s bloß Volksmusik

In Wien und Verona, in Washington und Acapulco – in etlichen Städten hat sie Domingo schon auf der Bühne gesehen. Besonders aber in New York. Allein dorthin ist Marlene Schwarz schon 21 Mal für ihn geflogen. Dass das mit der Schwärmerei für den Opernsänger mal solche Dimensionen annimmt, war viele Jahre nicht zu erwarten. Denn früher gab es vor allem Volksmusik in ihrem Leben.

Ihr Mann Peter liebte das Akkordeonspielen. „Also liefen bei uns zuhause vor allem Schlagermusik und Sachen in dieser Richtung im Fernsehen. Wenn ich mal eine Opernübertragung sehen wollte, musste ich mich richtig durchsetzen.“ Dann erkrankte der ehemalige Bergmann an Silikose und starb. 24 Jahre ist das her. Bis zu Placido sollte es aber noch weitere fünf Jahre dauern.

Als sie vor 19 Jahren die Karte für ihr erstes Konzert mit Domingo kaufte – es war ein Auftritt in Bonn –, hatte sie nur seine Stimme bewundert. „Ich wusste damals aber schon, dass er sich für ein SOS-Kinderdorf in Mexiko engagiert.“ Und zwar genau das, in dem auch Marlene Schwarz ein Patenkind unterstützte. Was für ein Zufall! „Ich fand das so schön, dass ich zum Konzert mit einem Umschlag gegangen bin. Da war eine Spende für das Dorf drin.“

Mit dem Kuvert ist sie dann zwischen zwei Liedern bis zum Bühnenrand gegangen. „Aber er hat mich erstmal nicht bemerkt.“

Auf die Knie gegangen

Bis sie ihn einfach ganz keck heranwinkte und auf die große Aufschrift auf dem Kuvert deutete. „SOS“ hatte sie draufgeschrieben. „Als er das sah, ist er vor mir auf der Bühne auf die Knie gegangen und hat sich bedankt.“ Da war er: Der Moment, der ihr Leben komplett verändern sollte.

War sie zuvor nie in ein Flugzeug gestiegen („Ich hatte riesige Angst davor“), sollte sich das bald ändern. Heute liebt sie es, ganz allein in den Flieger zu steigen. Längst hat sie Stammhotels in New York und Paris, wenn Placido mal wieder in der Stadt ist. Sie schlägt sich ganz gut mit ein paar Brocken Englisch durch die Weltgeschichte.

Die braucht sie auch, um mit Gleichgesinnten zu kommunizieren. In Japan, in Italien – überall kennt sie Leute, die die gleiche Leidenschaft haben. Die trifft sie immer wieder bei Konzerten. So alt wie sie ist allerdings keiner von ihnen. Darauf ist sie auch ein wenig stolz. „Ich denke nicht an ein Seniorenheim – ich denke nur an das nächste Konzert!“ So nah an den Sänger wie sie komme kaum jemand heran.

„Ich bin fast immer backstage“, sagt sie. Meist bringt sie dann Aachener Printen mit, denn die mag der Sänger. Auch seine Frau hat sie kennengelernt, „die ist sehr nett“.

Ihre eigenen Töchter und die Enkel lassen Oma Marlene gewähren. Aufhalten würde die sich ohnehin nicht lassen. Auch ihr Hausarzt gibt grünes Licht. Er bekräftigt sie sogar in ihrer Reiselust. „So lange ich kann, soll ich machen, sagt er. Der sieht ja, wie sehr mich das fithält.“

Anderen Patientin habe er sogar schon mal von der „Domingo-Frau“ erzählt und wie agil die noch sei. Das freut sie.

Dass mancher ihre Hingabe ein klein wenig verrückt findet, stört sie nicht. „Mancher findet mich ein klein wenig verrückt. Das stimmt. Eigentlich bin ich ja sogar sehr verrückt.“ Im kommenden Jahr wird Domingo wieder in New York auftreten. Das Flugticket hat Marlene Schwarz schon gebucht.

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