Familienpaten: Entlastung durch Ersatz-Großeltern

Von: Annika kasties
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Dienstags ist „Losen-Tag“: Einmal die Woche verbringt Lara Losen den Nachmittag mit ihren Paten Franz-Willi und Heidi Rath. Foto: Annika Kasties

Alsdorf. Franz-Willi Rath kann sich glücklich schätzen. Der Weg zu seiner Enkelin Lara ist für ihn und seine Frau Heidi nur einen Steinwurf entfernt. Das war nicht immer so. Streng genommen ist Lara auch gar nicht seine Enkeltochter.

Die Zehnjährige kennt er erst seit knapp vier Jahren. Doch wer will auf verwandtschaftlichen Definitionen herumreiten, wenn leuchtende Kinderaugen die Wahrheit so viel besser erzählen. Seit 2011 ist das Ehepaar Rath fester Bestandteil der Familie Losen. Blutsverwandt oder nicht. Denn als Familienpaten schenken sie der Großfamilie Losen etwas, das heutzutage nur noch selten zu haben ist: Zeit und Entlastung.

Lisa Trümper-Loogen vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Alsdorf weiß, wie wichtig die gelegentliche Verschnaufpause im Familienalltag ist. Doch wenn die Verwandten vor Ort nicht greifbar sind und ein Netzwerk in der Nachbarschaft fehlt, sind Eltern oft auf sich allein gestellt. Unterstützung gibt es in Alsdorf seit fünf Jahren in Form von Familienpatenschaften. Koordiniert werden diese vom SkF unter dem Dach des Vereins ABBBA im Rahmen des Programms Soziale Stadt Alsdorf. Ziel ist in erster Linie Prävention. „Es geht um die frühzeitige, niedrigschwellige Unterstützung von Familien, wenn die Probleme noch klein sind“, erklärt Projektleiterin Trümper-Loogen.

Zehn Alsdorfer sind derzeit als Familienpaten tätig. Sie greifen Eltern ehrenamtlich für zwei bis vier Stunden die Woche unter die Arme, wenn diese selbst alle Hände voll zu tun haben. Der Bedarf ist groß. In Alsdorf warten mehr Familien auf Unterstützung als potenzielle Paten vorhanden seien, berichtet Trümper-Loogen. Oft handele es sich um Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund, die in ihrem Alltag Entlastung brauchen. Sei es bei der Hausaufgabenbetreuung, Behördengängen oder schlicht und ergreifend durch den Ersatz der Großeltern.

Bei Olga und Daniel Losen begründete die Ankunft von doppeltem Nachwuchs ihre Entscheidung, sich an den SkF zu wenden. Mit zwei Säuglingen im Arm drohte die zur Verfügung stehende Zeit für Lara knapp zu werden. „Wir wollten für Lara jemanden haben, der ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken konnte“, erzählt Olga Losen.

Das erste Kennelernen mit ihren Paten hat Lara noch gut vor Augen. Nett fand sie die beiden von Anfang an. Etwas ungewohnt sei es dennoch gewesen: „Das war natürlich erst etwas komisch, weil es ja fremde Leute waren“, erinnert sich Lara. Von dieser anfänglichen Fremdheit ist heute nichts mehr zu spüren. „Das sind meine Großeltern“, sagt die Zehnjährige. Dass Lara und ihre Geschwister das Ehepaar Rath von Anfang an mit „Opa Franz-Willi“ und „Oma Heidi“ angesprochen haben, sei für alle Beteiligten selbstverständlich gewesen.

Auch für Franz-Willi und Heidi Rath ist die Beziehung längst über ein bloßes Ehrenamt hinausgewachsen. „Das ist meine Enkelin“, verkündet Franz-Willi Rath, der für Großeltern so typische Stolz deutlich mitschwingend. Warum er und seine Frau sich als Familienpaten engagieren, beschreibt der 71-Jährige ganz pragmatisch: „Ich hab‘ Zeit zu verschenken und will Freude haben.“ Die eigene Enkelin sei mittlerweile 28 Jahre alt. Zu alt, um mit ihr am Alsdorfer Weiher an den Spielgeräten zu toben.

Somit heißt es seit bald vier Jahren: Dienstags ist Losen-Tag – „das weiß bei uns mittlerweile der ganze Bekannten- und Familienkreis“, so der ehemalige Betriebselektriker. Obwohl Lara die primäre Bezugsperson bleibe, fungieren Rath und seine Frau auch gerne für ihre Geschwister als Ersatz-Großeltern. Während sich in den Anfangsjahren noch öfters der ältere Bruder Nils, 14, der Truppe anschloss, verbringen die Raths heute auch zunehmend Zeit mit den Zwillingen Lasse und Mia, 3. Und geben dem Ehepaar Losen so die Möglichkeit, sich auf den neuesten Zuwachs der Familie, die vier Monate alte Leni, zu konzentrieren. Für Franz-Willi und Heidi Rath ist klar: „Solange wir das gesundheitlich schaffen und solange Lara das will, lassen wir die Patenschaft so laufen.“ Dass der Kontakt zwischen den Familien jemals ganz abbrechen könne, glaube allerdings keiner.

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