„Familienfreundlich”: Würselener Verein ausgezeichnet

Von: Daniel Gerhards
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Im integrativen Mittwochstreff wird mit viel Freude gebastelt: (v.l.) Anna-Lena, sechs Jahre, Francesca, 13 Jahre, und die ehrenamtliche Teamerin Jaqueline basteln bunte Filzfiguren. Foto: Daniel Gerhards

Würselen. Es ist wichtig, dass Kinder die Erfahrung machen, in der Schule, im Kindergarten und in der Freizeit eine Menge von den Mitmenschen lernen zu können. Der Verein „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen” gibt behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen.

Für seine integrative Arbeit wurde der Verein jetzt mit dem Prädikat „Familienfreundlich” der Städteregion Aachen ausgezeichnet. Entstanden ist der Verein 1990 aus einer Aachener Selbsthilfegruppe für Eltern von schwer- und mehrfachbehinderten Kindern. „Damals ging es darum, uns gegenseitig aufzufangen und zu unterstützen”, erzählt Vorsitzender Andreas Plonka. „Denn zunächst ist es ein Schock für eine Familie, ein behindertes Kind zu bekommen.”

Damals standen Beratung und gegenseitiger Austausch - etwa bei finanziellen Fragen - im Mittelpunkt. Relativ schnell entwickelte sich ein „Integrationsgedanke”, erklärt Plonka. Heute treffen sich viele behinderte und nichtbehinderte Kinder im Würselener „Bahnhofstreff”.

Ohne Berührungsängste: „Beim integrativen Treff gibt es die gleichen Probleme, die auch Jugendliche ohne Behinderung untereinander haben”, sagt Plonka. Alle Kinder und Jugendlichen pflegten einen „völlig normalen Umgang” miteinander. Die Arbeit mit den behinderten Besuchern des Treffs unterscheide sich kaum von herkömmlicher Jugendarbeit.

Plonka: „Die Bedürfnisse sind bei allen gleich. Da gibt es keine Unterschiede.” Nur auf ein paar Dinge müsse man sich einstellen. So benötigten einige Kinder Medikamente und etwas intensivere Betreuung.

Den integrativen Mittwochstreff veranstaltet der Verein seit Mitte der 90er Jahre. Als die Stadtverwaltung den Alten Bahnhof aus Kostengründen schließen wollte und sich kein neuer Betreiber fand, übernahm „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen” die Einrichtung.

„Wir wollten den Mittwochstreff unbedingt erhalten”, sagt Plonka. Mittlerweile hat der Verein 65 Mitglieder. Im Bahnhofstreff sind von Montag bis Freitag 14 Ehrenamtliche aktiv. Die Verleihung des Prädikats „Familienfreundlich” ist für Plonka eine Anerkennung dieser Arbeit.

Der Beistand ist für viele Familien enorm wichtig. „Es gibt Situationen, in denen man helfen muss.” Etwa beim Tod eines behinderten Kindes. „Das ist eine ganz schwierige Situation. Da ist es wichtig, dass man mit Leuten reden kann, die wissen wovon man spricht.”

Das Prädikat gebe den Ehrenamtlern Kraft: „Das hat uns schon gut getan. Nach so langer Zeit verschleißt man schon ein wenig”, sagt Plonka. So wollen die Ehrenamtler ihre Kräfte bündeln. Demnächst soll es eine regelmäßige Beratungssprechstunde geben. Zudem sei das Gebäude zwar weitgehend barrierefrei, eine behindertengerechte Toilette soll so bald wie möglich eingerichtet werden. Ziel des Vereins ist es, den Alten Bahnhof zum „Familienzentrum” zu machen.

Der Verein „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen” bietet ein vielfältiges Programm im Bahnhofstreff. Montags, 16 bis 19.30 Uhr, findet der Jugendtreff mit Angeboten für Mädchen ab 12 Jahren statt. Dienstags, 16 bis 19.30 Uhr, der Treff für Jungs ab 12. Der integrative Mittwochstreff ist von 17.30 bis 20 Uhr. Donnerstags findet von 16 bis 19 das KoKoBe-Treffen für Menschen mit Handicap statt. Zudem gibt es montags bis freitags von 15.30 bis 18.30 Uhr einen Kindertreff für Sechs- bis Zwölfjährige.

Am Samstag, 4. Dezember, 14 Uhr, öffnet im Alten Bahnhof ein Basar. Hier verkaufen die Kinder vom Mittwochstreff Selbstgebasteltes. Der Erlös kommt dem Bahnhofstreff zu Gute. Es können auch andere Kinder gebrauchtes Spielzeug oder Selbstgebasteltes ohne Standgebühr anbieten.
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