Herzogenrath - Familienbad Kohlscheid verschwindet: Petition abgelehnt

Familienbad Kohlscheid verschwindet: Petition abgelehnt

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
13947076.jpg
Die Tage des Hallenbades in Kohlscheid sind gezählt: Das Gebäude wird bereits ausgeschlachtet und das Material zum Abtransport aufgeschichtet. Foto: Karl Stüber
13947081.jpg
Bagger, die die Außenmauer niederlegen sollen, sind bereits angerollt. Foto: Karl Stüber

Herzogenrath. Schwere gelbe Bagger sind vor dem stillgelegten Hallenbad an der Zellernstraße in Kohlscheid aufgefahren. Die Spuren erster Erdbewegungen sind zu sehen. Material, das offensichtlich aus dem Inneren des abgängigen Gebäudetraktes herausgebrochen wurde, ist an einer Außenwand zum Abtransport aufgehäuft. Erst wird die Anlage ausgeschlachtet, dann fällt die Außenhülle. Dort prangen Graffiti, der Schriftzug „Familienbad Kohlscheid“ ist noch gut zu erkennen.

Wie von der Stadt Herzogenrath angekündigt, laufen die Abrissarbeiten. Im steifen Verwaltungsdeutsch heißt das: „Mit dem Rückbau wurde am 16. Januar begonnen.“

Ein paar Kilometer nördlich, im Rathaus der Stadt Herzogenrath, geht am Donnerstagabend der letzte Widerstand gegen den Abriss ins Leere. Die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses folgen der Einschätzung der Stadtverwaltung, dass die von 593 Unterzeichnern gestützte Petition, die sich gegen den Abriss des Kohlscheider Hallenbades aussprechen und die notwendigen Schritte für eine Renovierung oder Neubau des Hallenbades fordern, „nicht geeignet ist, die für den Rückbau des Hallenbades Kohlscheid ausschlaggebenden Fakten neu zu bewerten“.

Der Bürgerantrag wird abgelehnt. Der Appell „Rettet das Hallenbad“ verhallt. Reimund Billmann (CDU) bittet um Verständnis. Alle Fakten seien intensiv geprüft worden. „Das fällt uns nicht leicht.“

Dr. Bernd Fasel (Grüne) ruft den gültigen Beschluss in Erinnerung, dass auf dem Stellplatz neben dem abzureißenden Bad ein neues errichtet werden soll. Da solle doch auch das Areal entsprechend reserviert bleiben, tritt er „Gedanken“ entgegen, dort Wohnbebauung zuzulassen.

Die Petenten hatten ins Feld geführt, den Bürgern würde es durch den Abriss des alten Bades an Lebensqualität fehlen. Ihnen liege zudem an der Förderung des Schulsports und der Gesundheit. Das abwechslungsreiche Freizeitangebot soll erhalten bleiben, da alle Ausweichmöglichkeiten entweder zu weit entfernt oder deren Anreise zu kostenintensiv sei. „Wir fordern eine Mitbestimmung bei wichtigen Beschlüssen.“

Aber Verwaltung und gewählte Ratsmitglieder lassen sich nicht von ihrem Beschluss abbringen lassen. Die Stadt führt noch einmal gewichtige Argumente ins Feld und listet die vielen Sitzungstermine auf, in denen sich der Fachausschuss mit dem Thema seit August 2014 befasst hat. Letztlich sei im September der Beschluss zum Abriss einstimmig gefasst worden.

Schwerwiegend bauliche Mängel seien ausschlaggebend gewesen. Eine Sanierung sei „wirtschaftlich nicht darstellbar“. Anders ausgedrückt: „Es lag ein wirtschaftlicher Totalschaden vor.“ Der „Baukörper“ hätte auch nicht anderweitig genutzt werden können. Die Zeit habe gedrängt. Denn bis zum Abriss summierten sich die Kosten für die notwendig „Mindestversorgung“ mit Strom, Versicherungsbeiträgen und Sicherungsaufwendungen wie Absperrungen und Kontrollgängen sowie Mindestwartungen am Gebäude. Weiteres Zuwarten wäre also ins Geld gegangen.

Es soll ja auch ein neues Hallenbad geben – auf besagter Parkfläche. Und die Planung würde der Bürgerschaft, den Schulen und den Vereinen vorgestellt. Da gebe es ja die gewünschte Beteiligung, sucht die Stadt die Unterzeichner der Petition zu trösten.

Pech nur, dass der Antrag auf Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Bildung und Kultur“ für den Neubau eines Hallenbades bereits im Märt 2016 abgelehnt worden ist. Denn die Stadt hat kein Geld, um den Neubau allein zu stemmen.

Eine Formulierung in der Verwaltungsvorlage lässt ahnen, dass es möglicherweise auch aus einem anderen Grund kein neues Hallenbad geben wird. „Hinsichtlich der Verwendung des Grundstücks ist der Rückbau des Altbades und insbesondere die Sicherung des noch aus dem Bergbau stammenden Lichtschachtes unterhalb des bisherigen Hallenbades abzuwarten“, wird orakelt.

Wer angesichts dieser Ausgangslage als Wettmacher tätig werden wollte, dürfte angesichts der Alternativen Verwertung als Bauland für kleinteilige Häuser, was der Kommune Einnahmen aus der Grundstücksverwertung einbringen würde, oder Neubau eines Hallenbades wohl mit eindeutigen Quoten rechnen. Auch wenn die Beschlusslage anderes verheißen mag.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert