Fakten zu Auschwitz: Konfirmandenunterricht blickt 70 Jahre zurück

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Gaben sich gerne die Hand zum Friedensgruß: die Konfirmanden der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. „Der Name Auschwitz steht in ganz besonderer Weise für das Grauen und den Vernichtungswillen, für den Versuch der Auslöschung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten.“ Pfarrer Harry Haller stand vor den mehr als 60 Konfirmanden und gedachte in einer Andacht der Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren.

„Der Name Auschwitz steht ganz besonders dafür, dass eine Kategorie Menschen nicht für dies oder jenes schuldig erklärt, sondern für schuldig des Seins erachtet wurde. Ihre Schuld war die Existenz, der bloße Anspruch auf Leben“, sagte Pfarrer Haller und mahnte, dass solch ein Massenmord niemals mehr sein dürfe. Die Andacht zog einen Bogen um 1,5 Millionen in Auschwitz ermordete Menschen. Hintergründe wurden erklärt, Zahlen und Gleichungen vorgetragen, die für Gänsehaut sorgten.

Was waren die Täter für Menschen? Darüber gab die Kurzbiografie des Lagerkommandanten Rudolf Höß Auskunft: Er war erzogen worden, allen Erwachsenen und Älteren mit Achtung zu begegnen. Höß selbst schrieb:

„Überall, wo es notwendig ist, behilflich zu sein, wurde mir das zur obersten Pflicht gemacht. Ganz besonders wurde ich immer darauf hingewiesen, dass ich Wünsche oder Anordnungen der Eltern, der Lehrer, Pfarrer, ja aller Erwachsener bis hin zum Dienstpersonal unverzüglich Folge zu leisten hätte und mich durch nichts davon abhalten lassen dürfe. Was diese sagten, sei immer richtig.“

Pfarrer Haller gab seinen Schülern Nachdenkliches mit auf den Weg: „Menschen mit einer strengen Erziehung sind angehalten, brav zu sein. Aber irgendwann muss sich jeder Mensch seinem Gewissen verpflichtet sehen.“

Juden wurden schon im Mittelalter verfolgt, erklärte der Pfarrer. Auch am Ersten Weltkrieg gab man ihnen die Schuld, genauso wie an den Übeln des Kapitalismus‘ und den Leiden der Revolution.

Schockierende Berichte

Haller erläuterte: „Auschwitz war das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager.“ Ab Ende 1943 bestand es aus drei selbstständigen Bereichen: dem Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau und Auschwitz-Monowitz. In Birkenau wurden die Gaskammern und Krematorien errichtet. 1,5 Millionen Menschen fanden dort den Tod.

Und als die jungen Besucher vom Publizisten Elie Wiesel hörten, der Auschwitz überlebte und später vom Grauen berichtete, herrschte absolute Stille in der evangelischen Kirche an der Bahnhofstraße: Die SS hängte seinerzeit zwei jüdische Männer und einen Jungen vor der versammelten Lagermannschaft, wie Wiesel später berichtete.

„Wo ist Gott, wo ist er?“, habe ein Gefangener in der Reihe hinter Wiesel gefragt. Die Männer starben rasch, der grausame Todeskampf des viel leichteren Jungen aber dauerte über eine halbe Stunde. Beim befohlenen Vorbeimarsch habe derselbe Mann wieder gefragt: „Wo ist Gott?“ Wiesel erzählte, dass er eine Stimme in sich habe antworten hören: „Wo er ist? Dort – dort hängt er, am Galgen.“

Die Schülerinnen Laura und Lara bilanzieren am Ende beeindruckt: „Das war ein ganz besonderer Gottesdienst“. An Auschwitz zu erinnern sei wichtig, damit solches Grauen sich nie wiederhole.

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