Fahrzeuge wachsen Wehr über den Kopf

Von: Karl Stüber
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Das funktioniert nie und nimmer: Schon jetzt passen Einsatzfahrzeuge der jüngeren Generation mit Blick auf die Aufbauten nicht in jeden Abstellplatz der Hauptwache Alsdorf. Neuanschaffungen, die der Euro VI-Abgasnorm entsprechen, werden noch höher ausfallen. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Feuer und Qualm gehören zusammen wie Verbrennungsmotor und Abgase. Davon könnte die Feuerwehr mehr als nur „ein Lied singen“. Neben der Brandbekämpfung hat sie nun wieder einmal mit Vorgaben der Bürokratie zu tun – im vorliegenden Fall mit der Verschärfung von Abgasnormen für Feuerwehreinsatzfahrzeuge durch die Europäische Union (EU).

Seit 1. Januar gilt grundsätzlich die Euro VI-Abgasnorm für erstmals zugelassene Lkw, und damit auch für neue Feuerwehrfahrzeuge, deren „Unterbau“ und Antriebstechnik den handelsüblichen Lastern entspricht.

Ausnahme bis Ende 2016 befristet

Das hat auf die Masse der Einsatzfahrzeuge, eben bereits zugelassene, erst einmal keine Auswirkungen. Von Nachrüsten ist da nicht die Rede. Wollen die Wehren im Nordkreis jedoch in Absprache mit ihren Kommunen neues rollendes Material anschaffen, muss eigentlich die erneut verschärfte Abgasnorm eingehalten werden.

Da das Verkehrsministerium des Landes NRW per Ausnahmeregelung bis zum 31. Dezember 2016 ermöglicht, bei Neuanschaffungen noch nicht die verschärfte Abgasnorm anzuwenden, wobei die entsprechende Zustimmung jeweils bei der zuständigen Bezirksregierung einzuholen ist, wird sich in nächster Zeit wohl nichts ändern (siehe Info). Das lässt die EU-Verordnung zu. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Maximal 2,55 Meter breit

Das Grundproblem bleibt also. Je „reiner“ das Abgas zu werden hat, desto größer fällt der technische Aufwand aus. Die Hersteller gehen von einer – je nach technischer Lösung – um mehrere 100 Kilogramm erhöhten Fahrzeugmasse aus. Die aufwändigere Technik beansprucht mehr Platz, der im Fahrzeug bzw. im Aufbau gefunden werden will. In der Summe geht es um das Volumen eines Kühlschranks, um den Raumbedarf zu veranschaulichen, wobei aber nicht alle Komponenten auf einem Fleck konzentriert sein müssen.

Ein Problem, das die Hersteller zu lösen haben. Höhere Leermassen und eventuell weniger Stauraum könnten indes die Feuerwehren vor Probleme stellen. Müssten Ausrüstungskomponenten weggelassen werden? Wenn ja, welche wären verzichtbar? „Modernere Fahrzeuge sind bisher immer größer geworden als ihre Vorgänger“, bringt der Leiter der Herzogenrather Feuerwehr, Detlev Busse, die Entwicklung auf den Punkt.

Aber dem sind Grenzen gesetzt, wie Andreas Dovern sagt, der bis vor kurzem als stellvertretender Leiter der Alsdorfer Wehr speziell mit dem Themenfeld Fahrzeugtechnik befasst war und der nun Wachleiter bei der Feuerwehr in Stolberg ist. Die Fahrzeuge dürfen maximal 2,55 Meter breit sein, die zugelassene Länge ist auf Grund der einzuhaltenden Radien (Wendekreis, Kurven etc.) ebenfalls endlich. Bleibt als noch mögliche „Ausdehnmöglichkeit“ die Höhe.

Derzeit beträgt die Norm 3,30 Meter, erklärt Dovern. Schon das wird bei der Alsdorfer Wehr zur Herausforderung bei der Unterbringung der Wagen. Zudem gibt es bei der Feuerwache Mitte nur wenige Stellplätze in der Halle, die für eine Höhe von 3,50 Metern noch geeignet wären. Die meisten Fahrzeuge im Bestand sind 3 bis 3,20 Meter hoch. Vor kurzem haben die Alsdorfer ein spezielles Löschfahrzeug für den Katastrophenschutz angeschafft, das aber auch bei „normalen“ Einsätzen ausrückt und das beim Löschzug Hoengen untergestellt ist. Das ist noch, da der Auftrag länger zurückliegt, nach Euro-Abgas-Norm V ausgelegt und passt auch in die Halle.

Um die Kosten in Grenzen zu halten, so Dovern, werden bislang möglichst „Normfahrzeuge“ nach individuell zusammengestellten Lastenheften bezüglich Ausrüstung bestellt. Was ist, wenn die Norm „wächst“? Das könnte für Alsdorf eng und teuer werden, wenn die neue Generation der Fahrzeuge die Höhe von 3,30 Metern überschreitet. Dann müssten wohl speziell „zugeschnittene“ Einsatzfahrzeuge mit geringerer Höhe geordert werden, sagt Dovern. Oder aber die Standplätze müssten angepasst werden.

„Das Problem ist der Verwaltungsspitze der Stadt Alsdorf bekannt“, sagt Alsdorfs Feuerwehrchef Peter Adenau auf Anfrage. So wurde der städtischen Gesellschaft GSG Grund- und Stadtentwicklung, die unter anderem für die Feuerwehrhäuser bzw. -wachen zuständig ist, der Auftrag zur Prüfung erteilt, inwieweit bauliche Veränderungen, etwa das Versetzen von Stürzen, möglich sind.

Das Problem der Unterbringung von höheren Fahrzeugen sieht Rodas Wehrchef Busse für seinen Zuständigkeitsbereich als nicht gegeben an. In der Hauptwache und in Merkstein gebe es damit überhaupt kein Problem, auch in der Kohlscheider Feuerwehrhalle ist „noch etwas Luft nach oben“. „Wir können mit dieser Problematik also relativ locker umgehen“, gibt er Entwarnung. Die Lauf- bzw. Lebensdauer von Einsatzfahrzeugen beträgt 20 bis 25 Jahre. „Bald muss Herzogenrath eine neue Drehleiter anschaffen“, sagt Busse.

Baesweilers Feuerwehrchef Pierre Froesch hat aktuell ebenfalls keine Probleme mit der neuen Abgas-Norm. Die Fahrgestelle für die beiden nächsten Neuanschaffungen sind bereits im Jahre 2013 ausgeliefert worden. Da diese die Antriebstechnik enthalten, gelte hier noch die Euro V-Norm, sagt er. Das Löschfahrzeug 20/16 mit großem Wassertank, das gerade beim Ausrüster stehe, werde im Gerätehaus Beggendorf stationiert. Im Laufe des Jahres folgt ein zweites neues Einsatzfahrzeug. Und auch für die Zeit danach gibt Froesch Entwarnung: Die Tore der Baesweiler Wachen bieten Platz bis zu einer Höhe von 3,50 Metern.

Ralf Jüsgens, Pressesprecher der Würselener Feuerwehr, sagte, dass die Düvelstädter Kollegen über die verschärfte Verordnung nicht erbaut sind, werden doch die Fahrzeuge schwerer und wohl teurer. Zumal wird Stauraum zugunsten der Abgasanlage wegfallen. Mit der Unterbringung der neuen, höheren Fahrzeuggeneration wird die Würselener Wehr laut Jüsgens jedoch keine Probleme haben, da die Gerätehäuser in Bardenberg und Broichweiden, die neueren Datums sind, dafür ausgelegt sind. Auch in der Hauptwache, sagt der Feuerwehrsprecher, wird es keine Probleme geben.

Übrigens: Die verschärfte Verordnung gilt nicht nur für die Feuerwehr, sondern für alle Fahrzeuge, die für den Katas-trophenschutz eingesetzt werden. Da aber die verbesserte Abgasreduzierungstechnik ihre volle Wirkung nur bei entsprechend warm gelaufenen Motoren entwickelt, so die Kritik aus Reihen der Einsatzkräfte, dürfte angesichts der auf Grund der zeitlichen Vorgaben recht kurzen Anfahrtswege zu den Einsatzorten diese Betriebstemperatur kaum je erreicht werden.

Die jährliche Fahrleistung als weiterer Aspekt zur Bewertung des Sinns einer solchen Verordnung für Feuerwehrfahrzeuge und Wagen des Katastrophenschutzes kommt hinzu. Die beträgt im Gegensatz zu Lkw im Speditionsdienst nur wenige tausend Kilometer. Da würde die Beibehaltung der Euro V-Abgasnorm für Feuerwehrfahrzeuge mit Blick auf die Gesamtökobilanz des Schwerlastverkehrs kaum ins Gewicht fallen.

Es gibt aber auch Faktoren, die für eine Verschärfung der Abgasnorm sprechen. So wird am Einsatzort der Antriebsmotor von Feuerwehrfahrzeugen als Energiespender für Nebenaggregate wie Pumpen genutzt – läuft also weiter, obwohl das Fahrzeug schon steht. Ansonsten wäre die Bordbatterie schnell leer. Vor kurzem hatten sich Anwohner bei einem Einsatz der Feuerwehr in Alsdorf über die damit verbundene Geruchsbelästigung beschwert. Leserbriefe Seite 20

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