Experiment Melis: Wie wird man ein Star?

Von: Stefan Schaum
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So sieht‘s aus: Die täglichen Selfies aus ihrem Zimmer haben Melis Tongul mittlerweile zu einiger Bekanntheit im Internet verholfen. Den Klamotten-Fotos sollen nun Vidoclips folgen. Foto: Melis Tongul
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So sieht‘s aus: Die täglichen Selfies aus ihrem Zimmer haben Melis Tongul mittlerweile zu einiger Bekanntheit im Internet geholfen. Den Klamotten-Fotos sollen nun Bewegtclips folgen. Foto: Melis Tongul
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So sieht‘s aus: Die täglichen Selfies aus ihrem Zimmer haben Melis Tongul mittlerweile zu einiger Bekanntheit im Internet verholfen. Den Klamotten-Fotos sollen nun Vidoclips folgen. Foto: Melis Tongul
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Und jetzt noch eins vor der Redaktion. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Das Outfit des Tages ist in der Regel vor der ersten Schulstunde online. Melis Tongul zeigt gern, was sie trägt. Und es gibt nicht wenige, die es sehen wollen. Wenn die 18-jährige Würselenerin morgens vorm Spiegel steht und sich für den Tag in der Merksteiner Gesamtschule schick macht, klickt ihre Handykamera, gleich darauf landen die Selfie-Bilder bei „Instagram“.

So weit, so unspektakulär. Und doch hat Melis Tongul mittlerweile mehr als 33.000 „Follower“ auf ihrem Instagram-Profil. Internetnutzer, die immer wieder ihren aktuellen Look sehen wollen. „Echt verrückt“, sagt sie. Aber auch: „Ganz schön gut.“ So gut, dass sie jetzt darauf hofft, mit der täglichen Klamottenwahl Geld zu verdienen.

Sie füttert „Instagram“

Nach dem Bilderdienst „Instagram“, den sie seit gut eineinhalb Jahren mit ihren Schnappschüssen füttert, soll es bewegter werden. Filmclips will sie präsentieren, und zwar auf „Youtube“. Über das Schminken will sie vor der Kamera etwas erzählen, über Kleidungsstücke und deren Kombination, über Fitnessübungen und Gesundheitstipps. Einen Kanal bei dem Internetportal hatte sie vor ein paar Wochen reserviert – und bevor überhaupt das erste Video drin ist, gab es mehr als 200 Abonnenten. Mittlerweile sind es 500. „Ich scheine wirklich bekannt zu sein“, sagt Melis. Fragt sich nur: wofür eigentlich?

Ein richtiges Model ist sie nicht, ihre Klamotten näht sie nicht selbst, sondern kauft sie von der Stange – und das nicht mal immer in edlen Boutiquen. „Ich geb‘ im Monat höchstens 300 Euro für neue Sachen aus“, sagt sie. Gut: Das ist sicher nicht wenig, aber auch nicht unverschämt viel. Genau das wird es sein – das irgendwie Normale, das sie verlässlich und in täglicher Dosierung serviert. Melis ist eine, in der viele junge Frauen sich wiederentdecken dürften. Oder die gern ein wenig so sein wollen und das Gefühl bekommen, es dank ihrer Tipps sein zu können.

Brünett und schlank, gründlich geschminkt („Im Bad brauch ich häufig zwei Stunden oder ein wenig mehr“) und mit jüngst verlängerten Wimpern steht Melis für ihre flott gemachten Fotos vor dem Spiegel. In Kleidung, die so oder so ähnlich viele andere im Schrank haben. Mit einer Nase, die sie zumindest von der Seite betrachtet nicht so toll findet. Im Gesamten recht hübsch, aber nicht makellos. Reicht das? Scheint so. In der schrankenlosen Welt des Internets kann es fürs erste genügen, nett, authentisch und sympathisch rüberzukommen. Das wollen zu Beginn ein paar sehen, dann spricht es sich in den sozialen Netzwerken rum – und am Ende sind es ganz viele, die zuschauen. So wird man mit Glück ein Star, dessen Bekanntheit sich von ganz alleine potenziert.

Wie viel da noch geht, will jetzt ein Profi herausfinden, der Melis ein Jahr lang begleitet: der Stolberger TV-Produzent Chris G. Maier, der unter anderem Reportagen für ARD, ZDF, RTL und SAT1 liefert („Punkt 12“, „Exklusiv“). Er sieht die Schülerin als „Experiment“, wie er sagt. Melis‘ Versuch, mit Hilfe von Kooperationspartnern wie Modehäusern und anderen Firmen, deren Produkte sie präsentiert, Geld zu verdienen, wird er dokumentieren. Wöchentlich soll ein Clip von ihm in dem „Youtube“-Kanal zu sehen sein, zudem schwebt ihm am Ende eine Art „Best of“ im Fernsehen vor, das die Antwort auf die Frage liefern soll, ob ein Mädchen und seine Kleidung es nach oben schaffen.

Blick auf die Gesellschaft

Nicht zuletzt wird es ein Blick auf die moderne Gesellschaft sein. Was will die heute sehen: Das Alltägliche – oder das Besondere? Will sie Melis – oder will sie sie nicht? Wenn nicht, geht für die Schülerin die Welt nicht unter, versichert sie. Das Abi zu machen steht für sie ohnehin außer Frage, ein Studium ist wahrscheinlich. Ursprünglich sollte es mal Modemanagement werden, aber da braucht man Mathe, das liegt ihr nicht so. Jetzt denkt sie laut über Produkt- und Kommunikationsdesign nach. „Es sei denn, dass das Ganze mit Youtube doch ein richtig großes Ding wird.“ Experiment Melis – es ist gestartet. Sie ist auf alles gefasst. Und dann sagt sie einen Satz, der bemerkenswert klingt: „Ich mach‘ das mit dem Schminken und dem Styling ja alles nur für mich. Eigentlich brauche ich keine Aufmerksamkeit.“ Hört sich paradox an. Oder soll vielleicht nur so klingen: ganz bewusst normal.

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