Ex-Bezirksbeamter: Für Familien ein guter Ansprechpartner

Von: eli
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Glückliche Kinder: für die s
Glückliche Kinder: für die setzt Peter Schiffer sich stark ein. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Multiplikator für seine Arbeit. Schließlich erreicht er über sie auch die jeweiligen Eltern. Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Marie hängt sich an die Arme von Peter Schiffer. Der hält sie an ihren Händen fest und die Dreijährige macht eine Rolle. Sie lacht laut, fängt an zu hüpfen. Wann immer Peter Schiffer Zeit hat, spielt er mit den Kindern im Familienzentrum Annapark. Eigentlich findet dort jeden Mittwoch seine Sprechstunde statt.

„Aber wenn keiner kommt, dann habe ich Zeit für die Kinder. Und das macht einen Riesenspaß.”

Zwei Stunden seiner Zeit schenkt er den Familien der Einrichtung jede Woche. „Minimum”, wie die Leiterin des Familienzentrums Birgit Bahnen betont. Denn das ehrenamtliche Engagement des 63-Jährigen geht weit über die Sprechstunde hinaus. Der Polizist im Ruhestand war von 1995 bis 2009 Bezirksbeamter und Ausländerbeauftragte für den Bereich zwischen Denkmalplatz, Busch und Moselsiedlung. In diesem Bezirk gab es zwei Asylbewerberheime: Das ehemalige Ledigenheim in Alsdorf-Busch und das Hochhaus in der Waldstraße.

Jeweils rund 200 Menschen waren dort untergebracht. Und um alle, Kinder als auch Erwachsene, hat Peter Schiffer sich gekümmert, sich mit ihnen beschäftigt. Damals wie heute hat er für Integrationsvereine, Organisationen, Institutionen ein offenes Ohr. Immer nach seinem Motto: „Ich muss jedem Mensch den nötigen Respekt entgegen bringen, dann bringt er mir den Respekt auch entgegen.” Dem ist er treu geblieben und lebt danach, etwa wenn er zur Sprechstunde im Familienzentrum ist, die rege von den Eltern genutzt wird.

Gegenseitiges Vertrauen

Viele kennen ihn, sein Engagement, bringen ihm viel Vertrauen entgegen. Das war damals so und hat sich bis heute nicht geändert. Auch wenn er nicht mehr im Polizeidienst ist, stellt er seine Kenntnisse und Fähigkeiten gerne in den Dienst der Familien. Probleme, Alltagssorgen, Ärger mit Behörden - der Alsdorfer, der mit einer Marokkanerin verheiratet ist, weiß Rat. Er hat viele Kenntnisse von kulturellen Hintergründen, traditionellen Ansichten. Noch gut erinnert er sich an den Fall einer Türkin, Mutter von zwei Kindern. Ihre Ehe war auseinander gegangen.

Als sie fünf Jahre nach der Trennung einen neuen Mann kennenlernte, kam der Ex-Mann in die Wohnung der Frau und stach sie vor den Augen der Kinder nieder. Schwer verletzt wurde sie einige Zeit später unter Polizeibegleitung zur Gerichtsverhandlung begleitet. Schiffer nahm sich in der Zeit der Kinder an, unterhielt sich mit ihnen und erfuhr so, dass sie ihren Vater „unter keinen Umständen wiedersehen” wollten. „Das sind Situationen, wo man fühlt, was für Schicksale es gibt. Ich mache mir bei solchen Fällen immer Gedanken, was für eine Geschichte dahinter steckt.”

Helfen, unterstützen, einfach da sein, wenn man ihn braucht - das verbinden die Menschen mit dem ehemaligen Bezirksbeamten, der heute ehrenamtlich sein Engagement fortsetzt. Aufgrund dieses Wissens und der positiven Erfahrung, die viele mit dem Mann verbinden, „fällt es ihnen leichter, sich zu öffnen”, hat Birgit Bahnen festgestellt. 65 Prozent der Familien in der Einrichtung haben einen Migrationshintergrund. „Anfangs haben sie kaum mit uns gesprochen. Heute haben sie Vertrauen gefasst und reden auch mit den Erzieherinnen über ihre Sorgen.”

Die Hemmschwelle, das offene Angebot anzunehmen, ist gering, der Bedarf an Beratung und Unterstützung hingegen hoch. Das ist das Resümee, welches die Einrichtungsleiterin nach fast drei Jahren Kooperation zwischen dem Familienzentrum und Peter Schiffer zieht. Ursprünglich als Vorsitzender des Fördervereins für den Kindergarten tätig, ergab sich das Engagement und die Arbeit mit und für die Familien im Sozialkreis Annapark.

Gleich am ersten Tag kam eine Frau, die Fragen wegen einer Reise hatte. In dem Zusammenhang stellte Schiffer fest, dass das Visum der Frau an just an diesem Tag ablief. Er nutzte seine Kontakte zum Bürgerdienst der Stadt und dem Ausländeramt und noch am gleichen Abend „konnten wir das Visum retten”. „Es gibt nichts Schöneres, als glückliche Familien und lachende Kinder.” Und da gibt es für ihn auch keine Bezirksgrenzen. Kürzlich meldete sich eine Frau aus Wuppertal, die von seinem Angebot im Internet erfahren hatte. Derzeit von Hartz IV lebend, will die heute 55-Jährige in den nächsten fünf Jahren eine Arbeitsstelle im Aachener Raum finden, „um nicht mehr auf Kosten von anderen zu leben”, wie sie selbst sagt, erzählt Schiffer. Angebote nimmt er für die Frau gerne entgegen.

Peter Schiffer geht in seiner Tätigkeit auf. Menschen und ihre Geschichten interessieren ihn, er fühlt sich ein, ist aufrichtig. „Und das”, findet Birgit Bahnen, „ist unbezahlbar.”
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