Alsdorf - Ewiger Verlierer Hauptschule: Europahauptschule sieht sich benachteiligt

Ewiger Verlierer Hauptschule: Europahauptschule sieht sich benachteiligt

Von: Verena Müller
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Rundum erneuert die Marien-Realschule... Foto: V. Müller
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...während in der Europahauptschule nicht ganz zufällig ein Skelett aus dem Fenster schaut. Die beiden Alsdorfer Schulen haben ihre Gebäude getauscht. Foto: V. Müller
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Mit den Räumen - wie hier in der Hauptschule - sind alle zufrieden. Foto: V. Müller
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Die Hauptschule bemängelt den Zustand der Toiletten und Dreck... Foto: V. Müller
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...etwa in der Küche. Foto: V. Müller
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Susanne Kaempf moniert fehlendes W-Lan. Foto: V. Müller

Alsdorf. Rainer Lax glaubt, dass das, was er zu sagen hat, eh keinen interessiert. Das hat nichts mit dem Inhalt zu tun sondern mit dem, was Lax ist. Leiter einer Hauptschule nämlich. Und die sei schulpolitisch abgehängt. Das bekämen Kollegium, Eltern und vor allem die Schüler mehr als deutlich zu spüren. Zuletzt beim Gebäudetausch von Marien-Realschule und Europahauptschule.

Dieser hatte zeitgleich in den Sommerferien im Schatten des „großen Umzugs“ am Kubiz stattgefunden. Die Realschule wurde um einen Zug erweitert, die Hauptschule läuft in drei Jahren aus.

Lax sitzt mit den stellvertretenden Schulleitern Petra Strothotte und Günther Wasserthal im Büro. Er wurde nach Alsdorf abgeordnet. Eigentlich leitet er die Goetheschule in Baesweiler. Da beide Standorte zeitgleich auslaufen, war es naheliegend, ihm auch die Alsdorfer Schule anzuvertrauen. Aber das nur am Rande.

Für den Tausch von Real- und Hauptschule lag ein dezidierter Plan vor. Die Vorbereitungen seien „fast oversized“ gewesen, sagt Wasserthal. Alles sei „sehr transparent“ gewesen, sagt Strothotte. „Die Stadt hat getan, was sie tun konnte“, sagt Lax. Und auch mit den Räumen sind alle mehr als zufrieden. Die knapp einen Kilometer entfernte Realschule sieht das genauso.

Aber.

„In der ersten Augustwoche sollte der Umzug komplett vollzogen sein. Drei Wochen später hatte sich immer noch nichts bewegt“, berichtet Strothotte. „Es war nur Chaos“, pflichtet Wasserthal bei. Nicht mal die Akten seien vor Ort gewesen, die man zur Planung des Schuljahrs dringend benötigt hätte. Auf dem Mobiliar lag dicker Baustaub – offenbar vom alten Standort, „wo bereits Stunden, nachdem unsere Schüler das Gebäude verlassen hatten, mit den Sanierungsmaßnahmen begonnen wurde“, wie Lax sagt.

Dabei sollten die Möbel vor den Umbauarbeiten rübertransportiert und abgedeckt werden. Das Ende vom Lied: Schulleitung und Kollegium nahmen Putzlappen in die Hand, rückten Möbel, räumten ein. An die Vorbereitung einer Feier sei da nicht im Entferntesten zu denken gewesen. Die werde im Dezember nachgeholt. Erst am vierten Schultag habe der Unterricht begonnen, erzählt Lax. „Das war ein riesiger Kraftakt.“

Als ein Schüler kurz nach Schulbeginn sah, wie der Schaukasten abmontiert und kein Ersatz geliefert wurde, kommentierte er: „Jetzt sind wir endgültig Hartz-IV-Schule.“ Petra Strothotte musste da schlucken. „Vor allem bei den Schülern, deren Geschwister die Realschule besuchen, war deutlich anzumerken, wie unwürdig behandelt sie sich fühlen.“ Dabei seien gerade diese Schüler am förder- und zuwendungsbedürftigsten.

Nächstes Beispiel: Für die Realschüler seien die Toiletten, die für die Hauptschüler jahrzehntelang als ausreichend empfunden wurden, komplett erneuert worden, während die Anlagen für die Hauptschüler so belassen worden seien. Die Wände der Jungen-WCs zeigen deutliche Spuren der bevorzugten Urinierposition der Realschüler auf.

Wasserthal, der als „Umzugsbeauftragter“ fungierte, listet weitere Mängel und aus seiner Sicht unnötige Aktionen auf: Lehrermobiliar, das sich nur in der Farbe unterscheide, sei unsinnigerweise getauscht worden. Erste-Hilfe-Kästen, Mülleimer, Besen, Geodreiecke und sogar die dicken blauen Matten sowie Trampoline aus der Turnhalle seien rübergewandert. Lax erklärt, dass Sportstätten besitztechnisch anders einzustufen seien als der Rest von Schulen. Der Begriff der Selbstbedienungsmentalität steht im Raum.

Die Klassenräume seien zwar inzwischen gestrichen, die Flure aber nach wie vor nicht.

Was den schleppenden Umzug anbelangt, sei der Stadt oder der GSG Grund- und Stadtentwicklung – die selbst einen etwas holprigen Verlauf einräumte – kein Vorwurf zu machen, betont Lax erneut. Wasserthal holt Luft: „Der Umzugsunternehmer hatte keine Zeit für uns.“ „Weil er drüben beschäftigt wurde“, bringt Lax die Sache auf den Punkt.

„Drüben“ schreitet die Realschulleiterin Susanne Kaempf zügig durch ihr frisch saniertes Gebäude. Neue Böden, alles gestrichen, neue Decken, LED-Lampen. Dass die Arbeiten hier deutlich weiter fortgeschritten sind als drüben, ist auf den ersten Blick zu erkennen. Kaempf zieht die Augenbrauen hoch, wenn man sie auf die Auffassung der Hauptschule anspricht, für Verzögerungen gesorgt zu haben. „Umbauarbeiten gab es dort doch gar keine.“ Wer auch immer für den Stau gesorgt habe, sie jedenfalls nicht.

Stattdessen listet sie ihrerseits noch zu behebende Mängel auf, wenngleich sie betont: „Alles in allem kann ich mich nicht beschweren.“ Auch wenn ihr Kollegium kräftig mit anpacken musste. Ihr Traum sei gewesen, die alte Lehrküche in ein Selbstlernzentrum umzuwandeln. Die Küche steht noch unverändert, auch wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Die Realschule hat eine komplett neue an anderer Stelle erhalten.

Beide Schulen monieren nicht funktionierende Telefone und fehlendes Internet. „Das ist ein wundes Thema“, sagt Kaempf. Genauso beklagen beide Seiten Dreck. „Das sah aus hier! So was von ungepflegt!“ (Kaempf) – „Von Endreinigung konnte keine Rede sein. Den Backofen haben wir stundenlang geschrubbt. Und auf der Dunstabzugshaube liegt immer noch dicker Staub.“ (Lax)

Wieder Kaempf: Der Chemieraum werde zwar schon genutzt, sei aufgrund von Lieferschwierigkeiten aber unvollständig. Die GSG teilte im Ausschuss für Gebäudewirtschaft am Dienstag mit, dass mit der Komplettierung bereits im November zu rechnen sei. „Mein letzter Kenntnisstand war Januar“, sagt Kaempf etwas überrascht. Der Chemieraum in der Hauptschule gleicht eher einem unaufgeräumten Lager. „Wir haben im Moment eh keinen Chemielehrer“, sagt Lax nur schicksalsergeben.

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