Eva-Maria Voigt-Küppers: Nah bei den Menschen sein

Von: Karl Stüber
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Sie will erneut in den Landtag einziehen: Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) vor ihrem liebsten Ort im Nordkreis, der Kunstakademie in Würselen. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Sie hat sich mit den Jahren von einer „hinteren Bank“ im Düsseldorfer Landesparlament bis zur Funktion einer stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden vorgearbeitet, die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD). Nun will die Genossin zum dritten Mal das Direktmandat im Nordkreis holen und so erneut den Sprung in den Landtag schaffen.

Sollte das ein Problem sein, angesichts des Schulz-Effekts auch im Nordkreis? Der neue Bundesvorsitzende der Sozialdemokraten und Kanzlerkandidat ist in Würselen zu verorten, wie Küppers auch. Voigt-Küppers lässt mit einem Lächeln die leicht angespitzte Frage links liegen – wo sonst.

Sie weiß, dass nur Leistung zählt – und nicht Herkunft oder „Wahl- und Wohnortverwandtschaft“ mit dem neuen Hoffnungsträger der deutschen Sozialdemokratie. Windschattensegeln im Trend ist nicht ihr Ding. Zumal so manche Umfragenanalyse die SPD etwas schwächeln lässt. Und der Listenplatz 19 ist aus ihrer Sicht keineswegs ein sicheres Ticket für Düsseldorf.

Sie kann die Ungeduld von Bürgern bei politischen Entscheidungsprozessen gut nachvollziehen. In Düsseldorf hat sie ähnliches erfahren – etwa beim Kinderbildungsgesetz (Kibiz): „Ich hatte mir nicht vorgestellt, wie lange Ideen brauchen, um sich zu entwickeln und dann in Beschlüsse zu münden.“ Den Interessenausgleich zwischen betroffenen und interessierten Gruppierungen herbeizuführen, sei ein schwieriges Geschäft.

Da sei es von besonderer Bedeutung gewesen, den Schulkonsens mit dem dreigliedrigen Schulsystem herzustellen. „Es fuchst mich, dass die Inklusion noch nicht vorangebracht worden ist, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt sie. Ein Prozess, den sie in der nächsten Wahlperiode unbedingt weiter voranbringen will, betont Voigt-Küppers.

In der Debatte um eine auskömmliche Finanzierung der Kommunen („Das ist für die Menschen vor Ort entscheidend“) sieht sie das Land auf einem guten Weg. Immerhin seien per Gemeindefinanzierungsgesetz die Zuwendungen kräftig erhöht worden. Und gerade für Städte und Gemeinden mit finanziellen Problemen sei der Stärkungspakt eingeführt worden, wovon unter anderem auch Würselen profitieren würde.

Mit dem Programm „Gute Schule“ habe Rot-Grün die kommunalen Aufgaben gefördert. Überhaupt sei viel Geld in den Bau bzw. Umbau von Schulen geflossen, um die Räume den Bedürfnissen zeitgemäßen Unterrichts anzupassen. In Düsseldorf habe man eine gute Familien- und Sozialpolitik betrieben, um die Lebensbedingungen in den Kommunen zu verbessern.

Angesichts wachsender Terrorgefahr sieht Voigt-Küppers neben dem Bund auch das Land gegenüber seinen Bürgern in der Pflicht, noch mehr für die Innere Sicherheit zu tun. „Gerade dies ist eine originäre Aufgabe des Staates.“ So sei die Zahl der Polizeistellen ausgebaut worden. Nun gebe es 2300 Anwärter pro Jahr, um 43.000 Polizisten im Einsatz halten zu können.

Weiteres sei geplant: „Die Zahl der Bezirkspolizisten wird verdoppelt. Es ist für die Bevölkerung eines besseres Gefühl, wenn wieder ein Polizist durch das Viertel geht.“

In Sachen Sport verweist die Landtagskandidatin auf eine weitere Initiative von SPD nebst Grünen. So wurde kürzlich im Plenum die Anhebung der Freigrenze für Vereine im Bereich des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs um 5000 auf 40.000 Euro auf den Weg gebracht.

Die letzte Anhebung der Steuerfreigrenze für Vereine im Bereich des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs ist vor fast zehn Jahren vorgenommen worden. Daher sei es höchste Zeit, dass die Bundesregierung einer Erhöhung dieser Einnahmengrenze zustimmt. „Uns geht es dabei gerade um kleinere Vereine, die durch die Ausrichtung kleinerer Vereinsveranstaltungen auch in Zukunft nicht steuerpflichtig werden sollen.“

Dass sich die Parteienlandschaft weiter verändert hat, ist für sie Bestandteil von lebendiger Demokratie. Mit Sorge sieht sie jedoch die AfD und rechte Parolen. „Wir können solche Leute nur entzaubern, indem wir sie in Diskussionen stellen“, scheut sie die Auseinandersetzung nicht. Und sie sagt auch, es wäre falsch, alle über einen Kamm zu scheren. „Wir müssen die Sorgen und Ängste der Menschen, die sich diesen Leuten zuwenden, ernst nehmen und aufgreifen.“

Unverändert will sie trotz vieler Verpflichtungen als Landtagsabgeordnete „nah bei den Menschen sein“. Dabei hilft ihr das Mandat im Stadtrat. Das erdet, sagt sie. Was macht eine vielbeschäftigte Landtagsabgeordnete und Würselener Ratsfrau in ihrer knappen Freizeit? Zum Beispiel ein Angebot der Kunstakademie Würselen annehmen, womit wir an Voigt-Küppers‘ liebstem Ort im Wahlkreis angekommen sind, um das „Foto nach Wahl“ zu schießen.

Die Einrichtung an der Klosterstraße, die ihr natürlich auch vorher schon ein Begriff war, lernte sie zuletzt bei einem speziellen Angebot besonders zu schätzen: bei dem Format „Tatort“. Bewusst als Alternative zum TV-Krimi am Sonntagabend wurde zum kreativen Malen eingeladen. Sie ging hin und fand besondere Entspannung im Kreise von Gleichgesinnten.

Arbeit mit und für Kinder

Geboren wurde Eva-Maria Voigt-Küppers am 11. Mai 1958 in Rheine. Nach dem Abitur an der Viktoriaschule Aachen studierte sie ohne Abschluss Germanistik und Sozialwissenschaften an der RWTH. Nach ihrer Familienzeit – sie ist Mutter von vier Kindern – absolvierte sie eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete in einer Kindertageseinrichtung in Alsdorf, anschließend bis 2010 in einer Jugendwohngruppe in Aachen.

1974 trat sie der SPD bei und ist seit 1994 Mitglied des Stadtrates Würselen. Seit 2010 ist sie Mitglied des Landtages und dort seit 2012 stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion für Schule, Weiterbildung und Sport.

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