Europaschule: Auf dem Weg zu einer „gesunden Schule“

Von: js
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„Achtung, jetzt wird’s bunt!“: Der Schulchor der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg untermalt die Veranstaltung in der Merksteiner Europaschule musikalisch, macht auf Vielfalt und ihre Chancen aufmerksam. Foto: Johannes Schaffeldt
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Herzogenrath. Mit dem neuen Schwerpunktthema „Vielfalt“ geht das Landesprogramm Bildung und Gesundheit nun ins dritte Schuljahr. Zuvor richtete sich der Fokus auf die psychische Gesundheit von Schülern wie Lehrern und die Gesundheit der Lehrkräfte im speziellen.

Auf dem Weg zu einer „guten und gesunden Schule“ wollen sich Schulen, Träger und Kooperationspartner noch breiter als bisher aufstellen und alle Bereiche guter Bildung und menschlicher Gesundheit mitdenken. Diese ambitionierte Losung wurde auf der Auftaktveranstaltung des Schwerpunktthemas für das Schuljahr 2015/16 in der Merksteiner Europaschule ausgegeben und mit Inhalt gefüllt.

Bei der Schaffung einer „gesunden Institution“ müsse zunächst nach dem wechselseitigen Verhältnis von Gesundheit und Bildungsbereich gefragt werden. Zunehmende Vielfalt in den Schulen stelle die Institution vor weitere Herausforderungen, biete aber auch größere Chancen. Durch den Ganztagsunterricht verschiebe sich der Lebensmittelpunkt der Schüler noch stärker als bisher in die Schule.

Zu all diesen Phänomenen und Aufgabenstellungen muss sich Schule verhalten um ein guter und gesunder Bildungsort zu sein. Dabei geht es nicht nur um ein gesundes Mittagessen in der Mensa, sondern beispielsweise auch um die psychosoziale Gesundheit aller im System Schule agierenden Menschen, seien es Schüler, Lehrer, weitere Mitarbeiter, Eltern oder andere Beteiligte.

„Was führt dazu, dass es den Menschen in der Schule besser geht, um auch die Bildung zu verbessern?“, umriss Ulrich Porschen, zuständiger Dezernent der Bezirksregierung Köln die Herausforderung. Längst haben die Landesregierung, aber auch verschiedene Träger der Sozialversicherungen, Prävention als wichtigen Baustein für eine gute und gesunde Gesellschaft erkannt.

Bei den Schulen liege da auch eine enorme gesamtgesellschaftliche Verantwortung, so Porschen weiter. Der wertschätzende Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt, der Differenz – sei es geschlechtliche oder sexuelle Identität, ethnische Herkunft und Migrationshintergrund, ökonomischer Status oder Fähigkeit – wurde die ganze Veranstaltung über herausgehoben.

Wie dies auch im direktesten Zusammenhang mit menschlicher Gesundheit steht, illustrierte Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan von der Universität Duisburg-Essen in seinem Einstiegsvortrag eindrücklich. Bei Menschen mit Diskriminierungserfahrungen wirken sich diese direkt auf die psychische und physische Verfassung und die Leistungsfähigkeit im Bildungsbereich aus.

„Ein Teil der vorhandenen Leistungsfähigkeit muss aufgewendet werden, um das beschädigte Selbst zu reparieren.“ Vielfalt zu erkennen und anzuerkennen, ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Verbesserung von Gesundheit und Bildungsqualität. Stereotype und Vorurteile könnten durch Schule positiv beeinflusst und Diskriminierung eingegrenzt werden.

Um die Perspektive „der Anderen“ sichtbar zu machen, hatte der Integrationsforscher Rollenkarten an das Publikum ausgegeben, und sie aufgefordert, sich in die Lebenssituation von Personen mit Migrationshintergrund, körperlichen Einschränkungen, anderer geschlechtlicher oder sexueller Identität einzudenken und mit der Rolle einhergehende Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren.

Dieses Rollenspiel brachte das Publikum zum Nachdenken über die eigene und die Position anderer in einem interessanten Perspektivwechsel. Eine gute und gesunde Schule müsse die Stärken der Einzelnen hervorheben und fördern, was sich direkt auf Gesundheit und Bildungserfolg auswirke. Diese Resilienz wird an der Europaschule bewegungsorientiert durch die Kampfkunst Hapkido in den Unterricht eingebracht. Erfolgserlebnisse in diesem Bereich bestärkten die teilnehmenden Schüler auch darüber hinaus, indem sie Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stärkten, aber die Schüler auch widerstandsfähiger im Konfliktfalle machten. Eine weitere große Säule war die Stärkung von Partizipation und Eigenverantwortung. Damit ist nicht nur die Einbeziehung aller in den Unterricht gemeint, sondern umfasst auch die Eltern und das soziale Umfeld und nimmt sie in die Pflicht.

Dafür bedürfe es nicht nur bei Menschen mit Migrationsgeschichte eines sensiblen und wertschätzenden Umgangs. Die Gesamtschule aus Leverkusen-Schlebusch hatte als Best-Practice-Beispiel ihre Einbeziehung von Eltern als Lernbegleiter im Unterricht, aber auch von Schülern höherer Jahrgangsstufen als Tutoren berichtet.

Markt der Möglichkeiten

Auf dem an den Vortrag anschließenden Markt der Möglichkeiten hatten noch weitere Schulen die Möglichkeit gute Beispiele aus ihrem Alltag zu präsentieren. Die Angebote zeigten, dass neben der Förderung von Gemeinsamkeit und gemeinsamen Lernens auch die individuelle Förderung unterschiedlicher Potenziale wichtig ist. Kooperationspartner des Bildungsprogrammes wie etwa das Bildungsnetzwerk SchLAu für Aufklärung zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Vielfalt waren ebenfalls anwesend.

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