Eurode gedenkt der Auschwitz-Opfer

Von: Nina Krüsmann
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Die „Stolpersteine” von Kün
Die „Stolpersteine” von Künstler Gunter Demnig werden zum Gedenken an die Opfer des Holocaust in Herzogenrath und Eygelshoven in den Boiden eingelassen.

Herzogenrath. Die Schrecken des Holocaust wüteten auch vor unserer Haustür. Am Auschwitz-Gedenktag und nur wenige Tage vor der Verlegung von Gedenksteinen für jüdische Mitbürger in Herzogenrath und Eygelshoven fand jetzt im Eurode Business Center (EBC) eine Gedenk- und Informationsveranstaltung statt.

Der Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen” hatte gemeinsam mit den Städten Herzogenrath und Kerkrade zu dem Abend eingeladen, den der Herzogenrather Bürgermeister Christoph von den Driesch eröffnete.

„Das EBC ist ein Symbol für unser heutiges Europa und ein gut gewählter Ort für diese Gedenkfeier. Wir gedenken der Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft oder politischen Einstellung ins KZ vertrieben und zu Tode gefoltert wurden. Was heute selbstverständlich ist an freiheitlichen Werten, war es damals nicht”, betonte der Bürgermeister. 67 Jahre nach Auschwitz gebe es in der Region viele Veranstaltungen, auch über Stadt- und Staatsgrenzen hinaus wie im EBC. „So etwas darf mitten in Europa nie wieder passieren, deshalb ist das heute ein denkwürdiger Abend”, sagte von den Driesch.

Jeder fünfte Deutsche zwischen 18 und 30 Jahren könne einer Forsa-Umfrage zufolge mit dem Begriff „Auschwitz” nichts anfangen. „Der 27. Januar als offizieller Gedenktag an die Opfer des Holocaust, an dem sich nun die Befreiung aus dem Konzentrationslager zum 67. Mal jährt, ist deshalb so wichtig”, betonte der Bürgermeister.

Dr. Jochen Helbig vom Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen” referierte anschließend gemeinsam mit Fritz van Hooren und Hubert Wamper über die Schicksale der lokalen Holocaust-Opfer. Arnold Scheeren war christlicher Gewerkschafter aus Kohlscheid und wohnte an der Forstheider Straße. Wilhelmine Reiter und Abraham Baer Reiter sowie ihre Kinder, Betty und Isidor Reiter waren eine jüdische Familie aus Herzogenrath, ansässig an der Kleikstraße. Abraham Baer Reiter etwa besaß an der ehemaligen Hindenburgstraße 35 ein Schuhgeschäft. Dagobert Levy, Selma Levy-Simon, Manfred Levy, Erwin und Günther Levy waren eine jüdische Familie aus Eygelshoven und wohnten an der Laurastraat. Der Herzogenrather Künstler Jochen Jung hatte eigentlich vorgehabt, im EBC Werke auszustellen, die sich mit dem Holocaust beschäftigen. Bilder und Gedanken zu diesem Thema hatte er bereits am 9. November 2011 im Klösterchen vorgestellt. Aufgrund der Erkrankung des Künstlers wurde die Ausstellung leider verschoben.

Lebenswerk des Künstlers

Im Gedenken an die Opfer des Holocaust werden am Donnerstag, 2. Februar, in Herzogenrath und Eygelshoven „Stolpersteine” durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt. Die 10x10x10 Zentimeter großen Stolpersteine oder „sozialen Skulpturen” wurden zu Demnigs Lebenswerk, dafür erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz und den German Jewish History Award. Seit 1996 betreibt Demnig das einzigartige Kunstprojekt zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in ganz Europa.

In mühseliger Kleinarbeit mit Hilfe von Historikern, Zeitzeugen und Angehörigen rekonstruiert er die ehemaligen Wohnorte der Deportierten. Die Steine werden vor den jeweiligen Adressen in den Bürgersteig dauerhaft eingesetzt. Sie bestehen aus Beton mit einer verankerten Messingplatte, in welche die Schrift (Name, Jahrgang und Schicksal) in Schlagbuchstaben eingehämmert wird. „Es wird ein Ort des Erinnerns geschaffen und die Namen gehen nicht verloren. Zu der Erinnerung kommt die Mahnung, dass sich solche Gräueltaten niemals wiederholen dürfen”, betont Petra Baur, Sprecherin der Stadt Herzogenrath.

Die Steine werden am Donnerstag, 2. Februar, von Gunter Demnig verlegt. Er beginnt um 10 Uhr in Kohlscheid und endet um circa 12 Uhr in Eygelshoven. Die Stolpersteine sollen über Spenden finanziert werden. Auch Paten für die Pflege sind willkommen. Interessierte Bürger sind zur Verlegung eingeladen.
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