Euregionale 2008: Nicht alle finden die Gouley-Graniteier gut

Von: Georg Pinzek
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Je zwei Tonnen schwer: Insgesamt 18 Graniteier zieren die Halde Gouley. Foto: Georg Pinzek
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Die Kalkhalde im Wurmtal „gerahmt“: Sie hat Steilwandabbrüche, die teils zehn Meter hoch sind. Foto: Georg Pinzek
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Von der Aussichtskanzel auf der Halde Gouley wird der Blick in die Landschaft der Euregio gelenkt. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Lange suchen muss man die großen Graniteier auf der Halde Gouley in Würselen keineswegs. Was aber nicht heißt, dass alle sie gut finden. Seit fünf Jahren polarisiert auch dieses Euregionale-2008-Projekt unter dem Titel „Black & White“ die Menschen im Norden der Aachener Städteregion.

Auch diesen Baustein der Grünmetropol-Route hatte der Bund der Steuerzahler seinerzeit als Verschwendung angesehen und die „faulen Eier in Würselen“ aufs Korn genommen: „Skurrile Inszenierungen und Aussichtsplattformen“ würden Steuerzahler verärgern. „Das Dekorieren, Schmücken und Verzieren öffentlichen Grüns mit allerlei Gedöns ist schlichtweg überflüssig“, urteilten die selbst ernannten Wächter über den sinnvollen Einsatz von Steuergeldern.

Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich mit den Jahren gelegt. Nicht nur viele Würselener sind in den ersten Monaten, nach dem die Eier in das zum Wurmtal gehörende Naturschutzgebiet gelegt worden sind, neugierig vorbei an der weißen Kalkhalde auf die schwarze Bergehalde gepilgert, um die 18 etwa ein Meter hohen und 1,50 Meter langen Graniteier in Augenschein zu nehmen. In diesen Tagen ist das Areal wieder selbst bei schönstem Wetter weitgehend menschenleer. Die Zahl der Besucher ist dort auch an einem sonnigen Sonntag recht überschaubar, während die Waldwege unweit davon auf der anderen Seite der Wurm zwischen Teuterhof und Wolfsfurth von Spaziergängern, Joggern, Bikern und Reitern bisweilen so stark frequentiert werden, dass von einem Erholungswert in solch einer Rushhour kaum die Rede sein kann.

 

Wer also seine Ruhe sucht, ist auf der Halde Gouley richtig. Das etwa 18 Hektar große Areal hatte die Stadt Würselen 2008 von einer EBV-Nachfolgerfirma gekauft. Zur Realisierung von „Black & White“ wurden 273.000 Euro investiert, bezuschusst aus dem Eurerionale-Fonds mit 209.000 Euro.

Unter der Federführung des Landschaftsarchitekten Professor Norbert Kloeters vom Aachener Büro „3+freiraumplaner“ wurde ausgehend von der Wurmbrücke am Teuterhof ein kombinierter Fuß- und Reitweg angelegt. In Höhe einer rund zehn Meter hohen Steilwand der weißen Kalkhalde wurde am Ende eines stählernen Stegs ein anthrazitfarbenes „Fenster“ installiert.

Das Pendant dazu: In Form eines überdimensionalen Papierfliegers wurde eine weiße Aussichtskanzel auf der schwarzen Bergehalde postiert. Von dort wird der Blick der Besucher weit in die Landschaft der Euregio gelenkt. Infotafeln und Sitzplätze ergänzen die Stationen.

Die Kosten für die Graniteier, die in einem Bonner Werk für die Inszenierung der Haldenlandschaft geschliffen worden sind, beliefen sich auf rund 32.000 Euro. Als Wegrollsperre oder auch Diebstahlsicherung der jeweils zwei Tonnen schweren Eier wurden sie mit Stahlstangen in Betonfundamenten verankert. Damit Sprühdosen und andere Eierfärbemittel wenig Chancen haben, wurden die Steine mit einer speziellen Versiegelung versehen.

Die Idee, die überdimensionalen Dinoeier zum Merk- und Markenzeichen von „Black & White“ zu machen, hatte Landschaftsarchitekt Norbert Kloeters. Fasziniert vom schwarz-weißen Wechselspiel stellte er bei seinen ersten Besuchen fest: „Das Landschaftsbild ist so irreal, dass man leicht glauben könnte, man sei in eine fremde Urzeit versetzt. Überdimensionale ,Vogeleier‘ spielen mit diesem Umstand, sie führen den Besucher entlang des Weges, lassen Landschaft noch fremder erscheinen, wirken aber bei aller Surrealität immer als selbstverständlicher Bestandteil dieses besonderen Ortes.“

Zweifelsohne: Die „Black & White“-Eier als außergewöhnliche Wegmarkierungen bleiben für die einen schöne Hingucker, für die anderen sind sie nach wie vor Steine des Anstoßes.

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