Euregiokolleg: Vorzügliche Premiere von „Die Ballade vom großen Makabre”

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Sehenswert inszeniert: Der sch
Sehenswert inszeniert: Der schöne Jüngling Adrian (Clemens Poth) und das schöne Mädchen Jusemina (Sabrina Nepomuck). Foto: Krüsmann

Würselen. Ein besonderes Schmankerl servierte der Literaturkurs am Euregio-Kolleg jetzt im Rahmen der Schultheatertage der Städteregion Aachen: „Die Ballade vom Großen Makabre” ist ein teils absurdes, teils komisches, teils nachdenklich stimmendes Stück, das jedem Zuschauer sicher noch lange im Gedächtnis hängen bleibt.

Der belgische Autor Michel de Ghelderode verfasste die groteske Parabel 1934 als Parodie auf menschliches Verhalten angesichts nahender Katastrophen. In Zeiten von Wirtschaftskrisen, gesellschaftlicher Umbrüche und Angst vor Terror und Krieg ist das Stück aktueller denn je.

Die Spannung im Forum des Euregio-Kollegs ist zu Beginn der Vorstellung entsprechend groß. Der Literaturkurs „Darstellendes Spiel” unter Leitung von Sylvia Sayer-Marx hat ganze Arbeit geleistet. Die Kulisse bietet als Blickpunkt einen Flaschenbaum dar, der entfernt an die Szenerie von Adam und Eva im Paradies denken lässt.

Im Vergleich zu vergangenen Jahren hat die diesjährige Aufführung auch musikalisch viel zu bieten: Türkische Gitarrenmusik und weitere orientalisch anmutende Klänge ziehen das Publikum intensiv ins Spiel hinein.

Im Mittelpunkt der Geschichte im Fürstentum Breughelland, einer Art Schlaraffenland, steht das Paar Adrian (Clemens Poth) und Jusemina (Sabrina Nepomuck). Es herrscht zügelloses Treiben, und in ihrer Leidenschaft bekommen sie kaum mit, dass der große Makabre voller Hass auf die missratene Menschheit als apokalyptischer Reiter auf dem Rücken eines Trunkenbolds die Ankunft eines Feuerkometen verkündet.

Dieser soll die Welt in Staub und Schlacke legen. Aber da das Ende der Welt auch das Ende aller Schwierigkeiten ist, freut sich aufgeregt ein ganzes Volk auf den Untergang und amüsiert sich unter dem Motto „Mit dem Becher in der Hand, sterben wir fürs Vaterland” zu Tode. Der schöne Jüngling Adrian und das schöne Mädchen Jusemina frönen noch der leiblichen Genüsse, während Makabre beim Philosophen (Timur Cicek) und dem Trunkenbold (Muammar Aay) Unterstützung sucht...

„Es ist diese spezielle Art der Darstellung, das Groteske, das dem Stück gut tut. Dass wir die Typisierung der Charaktere auf die Spitze treiben, trägt den Text”, erklärt Sayer-Marx. Die 22 Studierenden des Euregio-Kollegs, die in dem Kurs teilweise das erste Mal auf einer Bühne Erfahrungen sammeln, haben auch die Kostüme selbst entworfen: Makabre zeigt sich cool in enger Lederhose und mit weitem Mantel, Jusemina leicht bekleidet und mit betonten weiblichen Kurven.

Die 90-minütige Parabel eröffnet in ihrer Endzeit- und Katastrophenstimmung Sinnfragen, die jeden Menschen beschäftigen. Dabei eröffnet die groteske Parabel als Kunstform neue Lösungswege, welche die fehlende Kommunikation unter den Menschen ausgleichen sollen. Das biblische Paar Adam und Eva, im Stück Adrian und Jusemina, tritt immer wieder in Erscheinung. Sie ist lüstern, er ein wenig überfordert.

Bei der Premiere leisten auch Alexander Steffens am Schlagzeug und Yagmur Erdemir an der türkischen Gitarre - musikalisch - ganze Arbeit.
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