Es könnte jederzeit überall geschehen

Von: Beatrix Oprée
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Eine Barriere, damit Fußgänger nicht in den fließenden Verkehr laufen: So oder so ähnlich wie hier der Kunst- und Weihnachtsmarkt vor St. Sebastian in Würselen sind die meisten Budendörfer arrondiert. Die Debatte über einen möglichen Schutz vor Terroristen ist spätestens seit dem schrecklichen Anschlag von Berlin neu entbrannt. Doch absoluter Schutz kann letztlich nirgendwo garantiert werden. Foto: Wolfgang Sevenich

Nordkreis. „Der Terror ist jetzt auch bei uns vor der Tür“, da ist Toni Klein illusionslos. Zum zehnten Mal hat das Vorstandsmitglied der Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing in Alsdorf das „Phantastische Wintermärchen“ rund um die Wasserburg im Herzen der Stadt organisiert.

„Hundertprozentigen Schutz werden Sie nie bekommen können“, ist er indes froh, dass das beliebte zehntägige Happening auch in diesem Jahr reibungslos über die Bühne gegangen ist.

Chinaböller geworfen

Denn im Vorfeld hatte in der Tat die Polizei eingeschaltet werden müssen: „Jugendliche streunten während der Aufbauarbeiten auf dem Gelände herum und warfen Chinaböller.“ Einer dieser Böller sei ihm sogar ins Burgverlies hinterhergeworfen worden, so dass ihm am Folgetag noch die Ohren dröhnten und er einen Facharzt aufsuchen musste.

„Diese Knallkörper lassen sich übers Internet beziehen“, sagt Klein. „Wie mir die Polizei erklärte, stammen sie aus Polen oder Fernost und sind nicht mit denen vergleichbar, die bei uns verkauft werden dürfen. Sie sind mitunter sogar sprengstoffähnlich.“ Der Knall sei denn auch unbeschreiblich gewesen: „Das haben wir natürlich zur Anzeige gebracht. Denn man stelle sich vor, was für eine Panik es gegeben hätte, wenn solch ein Kracher mitten auf dem Weihnachtsmarkt hochgegangen wäre.“

Um das möglichst zu verhindern, sind er und Stefan Heffels, ebenfalls Vorstandsmitglied der Aktionsgemeinschaft, an allen „Wintermärchen“-Tagen abwechselnd Streife gelaufen: „Wenn wir einen von denen erwischt hätten, wäre er der Polizei übergeben worden.“ Schon im vergangenen Jahr, nach dem Anti-Terror-Einsatz in Alsdorf, seien Polizeistreifen und Präsenzdienst des Ordnungsamts auf dem Weihnachtsmarkt verstärkt worden. Ebenso beim Europafest.

Hier liege das Hauptaugenmerk auf der Bahnhofstraße mit Festumzug, Buden und jeder Menge Menschen. Klein: „Auch beim Europafest ist die Aktionsgemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Stadt gefragt, tätig zu werden.“ Doch: „Man kann nicht jeden Einzelnen kontrollieren.“

Terror könnte jederzeit an jedem Ort ausgeübt werden. Klein: „Man sollte sich nun aber nicht verrückt machen, denn das ist genau das, was diese Typen erreichen wollen.Ich selbst werde weiterhin Weihnachtsmärkte besuchen, auch jetzt, wenn ich nach Bayern in Urlaub fahre.“ Etwas Fatalismus schwingt mit seiner abschließenden Feststellung indes mit: „Wenn es passieren soll, dann passiert es.“

Seit Berlin jetzt keine „großartigen Gratwanderungen“ zu machen, was verstärkte Sicherheitsvorkehrungen angeht, stellt Bernd Schaffrath, Pressesprecher der Stadt Würselen, fest. Zum einen sei Terror nie planbar, zum anderen seien Kommunen und Veranstalter seit der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg ohnehin schon länger sensibilisiert. So muss generell für jede öffentliche Veranstaltung ein Sicherheitskonzept vorgelegt werden. Das gelte natürlich für die Pfarre St. Sebastian mit dem Kunst- und Weihnachtsmarkt genauso wie etwa für den Jungenspiel-Sonntag.

Ein Ausfluss aus dieser Anordnung sei, dass neben genügend Fluchtwegen auch zügig ausreichend Rettungskräfte vor Ort sind, so wie es in Berlin letztlich der Fall gewesen sei. Schaffrath stellt: „Man kann sich als Stadt aber nicht gegen alles rüsten. Baut man Betonpoller auf, dann braucht nur einer einen Rucksack mit einer Nagelbombe abzustellen.“

Ähnlich sieht dies auch Gabriela Sieberichs, Vorsitzende des Gewerbeverbands (GVB) Baesweiler: „Nun leben wir ja noch in einer ruhigen Gegend. Aber man kann nie wissen, was sich wo ereignen wird.“ Einen Weihnachtsmarkt veranstaltet der GVB im Jahreslauf, dazu unter anderem ein Frühlingsfest, ein Weinfest und einen Martinsmarkt. Angesichts näher rückender Terrorgefahr stellt die Vorsitzende fest: „Man ist froh, wenn bei den eigenen Veranstaltungen nichts passiert.“ Die üblichen Sicherheitsmaßnahmen seien noch zu stemmen, aber gegen feige Anschläge könne man nicht gewappnet sein.

Dann wirft sie das Augenmerk auf die neue Rechtslage in Sachen verkaufsoffene Sonntage: Künftig müsse als Anlass dafür mindestens genauso viel öffentliche Fläche festmäßig bespielt werden wie Ladenfläche geöffnet hat. Für Baesweiler würde das eine Ausdehnung auch auf die Straßen zwischen Reyplatz und Kirchstraße bedeuten. Sieberichs: „Schon länger wünschen wir uns mehr Polizeipräsenz bei Veranstaltungen. Aber wie sollen wir als kleiner Verband künftig Sicherheit bewerkstelligen?“

Möglichst symbolische Orte

„Wir trauern um die Opfer des schrecklichen Anschlags von Berlin“, sagt Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch. Dieses Ereignis mache wieder deutlich, dass der Terror immer und überall zuschlagen kann, „wobei man sicher beachten sollte, dass der sogenannte IS oder andere Terrororganisationen sich möglichst symbolische Orte für ihre menschenverachtenden Machenschaften aussuchen“.

So unterliege etwa der Aachener Weihnachtsmarkt aufgrund seiner überregionalen Bedeutung einer höheren Gefährdung als Veranstaltungen in Herzogenrath. „Da unsere Burgweihnacht ausschließlich am dritten Adventswochenende stattgefunden hat, haben wir keine akute Handlungsnotwendigkeit.“

Für die nächsten Open-Air-Veranstaltungen möchte die Stadt in enger Abstimmung mit der Polizei die Sicherheitsvorkehrungen überarbeiten: „Das geht nur mit der Polizei, dort sind die Experten, wir fühlen uns bei unserem Polizeipräsidium sehr gut aufgehoben.“ Das Ordnungsamt beschäftige sich regelmäßig mit sicherheitsrechtlichen und -technischen Fragen, „so dass wir dies immer wieder reflektieren, unser Handeln danach ausrichten. Eine absolute Sicherheit kann es aber nicht geben!“

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