Erzählfreudiger Autor erhält „Handschelle“

Von: mabie
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Viel Spaß hatten Preisträger Andreas Gruber (l.) und der Vorsitzende des Fördervereins „Pro Stadtbücherei“, Dr. Wolfram Hamann, bei der Verleihung der „Herzogenrather Handschelle“. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Wer sich schon immer fragte, was eigentlich in einem Menschen vorgeht, der gerne Kriminalromane auch mit blutigen Ergebnissen schreibt, war am Mittwochabend in der Stadtbücherei von Herzogenrath genau richtig. Denn im Rahmen der Preisverleihung der „Herzogenrather Handschelle“ las der jüngste Preisträger Andreas Gruber nicht nur aus seinem Roman „Racheherbst“, sondern erzählte auch viel und gerne.

„Ich wollte nicht, dass die Leser sich durch 570 Seiten arbeiten müssen, bis diese eine Szene kommt“, berichtete er beispielsweise über ein Buch, in dem der vom Verlag vorgeschlagene Bucheinband nicht unbedingt mit einer Mordszenerie korrespondierte.

„Also schrieb ich die Szene kurzerhand um“, so Gruber sehr zum Vergnügen seiner Zuhörer. Überhaupt ist der Österreicher mit seiner einnehmenden Art und dem nicht immer schnell zu folgenden Akzent mit einer Erzählader gesegnet, die seinesgleichen sucht.

Da brauchte auch der Vorsitzende des Fördervereins „Pro Stadtbücherei“, Dr. Wolfram Hamann, der in jedem Jahr über den Preisträger entscheidet, nicht mehr viel beizutragen. Allerdings hatte Dr. Hamann noch eine kleine Träne im Knopfloch, „denn dies ist meine letzte Handschellen-Verleihung“, verriet er den Gästen im voll besetzten ersten Stock der Bücherei.

Denjenigen, die um den Fortbestand des nicht nur lokal beliebten und bekannten Literaturpreises bangen, durfte Hamann aber noch ein paar beruhigende Worte einflüstern. „Der Preis wird natürlich weiter vergeben“, sagte er. Und natürlich hatte der Noch-Vorsitzende des Fördervereins – Neuwahlen stehen im Frühjahr an – die passenden Schlüssel für die selbstverständlich voll funktionsfähigen Handschellen dabei.

„Sicher ist sicher“, sagte er lächelnd, darüber freute sich auch Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch, der den Preis mit aushändigte. Als die Schellen geklickt hatten, ließ Andreas Gruber als Preisträger sich natürlich nicht den schrägen Spaß entgehen, den ersten Teil seines Vortrages mit seinen neuen, für ihn eigens gravierten „Schmuckstücken“ zu absolvieren.

Und da er gerade so schön aus dem Nähkästchen plauderte, berichtete er auch von gleich drei Vorleseabenden in Japan, wo seine schwungvolle Art den Gastgeber dazu animierte, ebenso das schauspielerische Talent zu testen. Dabei präsentierte sich der neue „Handschellen“-Träger wie ein offenes Buch: er berichtete bereitwillig über die Motive für neue Bücher, sprach über Ideen des Verlags und ließ auch die Wirkung seiner Schreibe auf die Leser nicht außer Acht.

Dass er Figuren penibel anlegt, dabei gerne auch mal abseits des Mainstreams schreibt, und dennoch den unerhörten Schrecken von Straftaten stilsicher und detailliert in allen Auswirkungen zu umschreiben weiß, goutierte sein Publikum mit viel Applaus. Dass er in seinen gut 20 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch in der Türkei, Brasilien, Japan und Korea erschienen ist, war für manche sicherlich Neuland.

Dass Andreas Gruber aber einer ist, der nicht nur im gedruckten Wort begeistern kann, das bewies er bei seinem sehr unterhaltsamen Gastspiel im Herzen von Roda.

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