Erzählabend im Fördermaschinenhaus thematisiert Musiktradition des Bergbaus

Von: Daniel Gerhards
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Engagiert bei der Sache: Früher war Bergmannsmusik in der Region allgegenwärtig, heute hält der Alsdorfer Knappenchor St. Barbara die Tradition aufrecht. Foto: Daniel Gerhards

Herzogenrath. Die Atmosphäre für den Erzählabend stimmt. Unter der Decke hängt die hochgezogene Bergmannskleidung, an den Wänden sind Bilder von den Zechen des Aachener Reviers zu sehen und über allem wacht im Fördermaschinenhaus die Statue der heiligen Barbara.

In dieser Atmosphäre lauschten die Industriehistoriker vom „Bergbaudenkmal Adolf” den Klängen der Werkskapelle Adolf. Diese Musikformation existiert seit 1973 nicht mehr, doch es gibt noch eine Schallplatte des Orchesters des Eschweiler Bergbauvereins (EBV) aus dem Jahr 1958, die auf der Brüsseler Weltausstellung aufgenommen wurde.

Damals spielte Josef Reinartz Klarinette in der Kapelle. Er erzählte mit dem Chronisten der Bergmannsmusik in der Region, Friedrich Ebbers, von den Anfängen und der Hochzeit der bergmännischen Musik in der Region. Sie redeten über alte Musikerfamilien, die Bergmusikfeste auf Adolf und den strengen Dirigenten Johann Schümmer, der noch heute hohes Ansehen bei den Bergbauhistorikern genießt.

Josef Reinartz ist heute einer der letzten lebenden Musiker, welche die Anfänge des Orchesters nach dem Krieg miterlebt haben. Mit gerade 15 Jahren trat er 1954 in das Orchester ein. Und da war es nicht einfach, einen Stuhl in dem Ensemble zu bekommen. „In der Kapelle wurde niemand ausgebildet, entweder man konnte spielen oder nicht”, erinnerte sich Reinartz.

Besonders gern denkt er an die „Werbetouren”, die er mit dem Orchester unternahm. Der EBV schickte die Kapelle als „Aushängeschild” nach Bayern, um neue Arbeiter für den Bergbau zu rekrutieren. „Das war noch eine sehr karge Zeit. Da waren die Touren schon ein tolles Erlebnis”, sagte Reinartz. Bei einem Auftritt im Englischen Garten in München schnitt der Bayrische Rundfunk das Konzert mit. „Das sind einmalige Erinnerungen.”

Die „Werbetouren” der Musiker waren für den Arbeitgeber erfolgreich. Kurz darauf gab es eine beachtliche Zahl bayrischer Arbeiter in Merkstein.

Die musikalische Tradition reicht auf Adolf weit zurück. Schon 1937 gab es die erste Kapelle - und schon vorher ein Trommler- und Pfeiferkorps. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Jahr 1950 wieder eine Kapelle zusammengestellt. „Damals fehlten Instrumente und Uniformen”, erklärte Ebbers. Aber schon Mitte der 1950er Jahre waren 37 Musiker in der Kapelle aktiv. „Der Klangkörper spielte auf einem sehr hohen Niveau”, berichtete Reinartz.

Noch lange erzählten an diesem Abend die ehemaligen Bergleute und Industriehistoriker von der Hochzeit der bergmännischen Musik im Aachener Revier.
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