Erwin Neubauer: Auch Jack White gehört zu seinen Kunden

Von: Markus Bienwald
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Erwin Neubauer, hier mit einer aufgearbeiteten alten Toolex-Presse, ist mit seiner Firma „Newbilt machinery“ der einzige Anbieter neuer Plattenpressmaschinen. Seine neue „Newbilt“ (unten) sorgt mit 150 Tonnen Druck für Vinylnachschub. Foto: Markus Bienwald, stock/Falkenstein, privat

Alsdorf. Es gibt wieder einen Trend für die gute alte Schallplatte. Was Nostalgiker und Klangfetischisten freut, wird für Lieferanten zunehmend zum Problem. „Die letzten Vollautomaten zur Plattenherstellung sind vor 30, 40 Jahren ausgeliefert worden“, sagt Erwin Neubauer.

Neuauflagen gab es nicht, Ersatzteile liefern er und seine Firma „Newbilt machinery“ im Alsdorfer Gewerbegebiet daher schon länger. Hier werden auch die von Vinyl-Enthusiasten förmlich angebeteten „Toolex“-Maschinen, einst in Schweden gebaut, fachmännisch gewartet, aufpoliert und mit eigens gefertigten Ersatzteilen versehen. Die begehrten „Toolex“ sind immer schwerer zu finden. Der internationale Markt scheint abgegrast. „Wir werden daher immer wieder gefragt, ob wir nicht was Neues liefern können“, sagt der gelernte Maschinenbauer, der einst bei „Record Service“ in Alsdorf begann und später sein Geld auch mit der CD- und DVD-Fertigung verdiente.

Weltweit einzigartig

Da sich der findige Alsdorfer gerne mal neu ausrichtet, hat er kurzerhand eine neue Plattenpresse entwickelt. Seines Wissens sei er damit weltweit der einzige, der das vorweisen könne. Und einer der ganz wenigen, die sich mit der Aufarbeitung der alten Pressen beschäftige. „Newbilt“ heißt seine neue Vinylpresse. Nicht nur der Name ist eine Anspielung auf die längst nicht mehr erhältliche „Finebilt“-Presse, die als Halbautomat früher an kleinere Plattenproduzenten verkauft wurde.

Der Unterschied zwischen der vollautomatischen „Toolex“ und dem Halbautomaten ist nicht nur der technische Aufwand. Auch das Tempo ist anders: Während der Vollautomat neue Platten in wenigen Sekunden backt, dauert es beim Halbautomaten eine gute halbe Minute. „Doch Halbautomaten können etwas, das Vollautomaten nicht schaffen“, erklärt Neubauer. „Splatter“-Scheiben etwa können nur halbautomatisch gepresst werden, damit der gewünschte Marmor-Look zustande kommt.

Auch ist das halbautomatische Verfahren für kleinere Labels sowie für Anpressungen, wie sie zur Qualitätskontrolle gefertigt werden, und für kleinere Auflagen oder Sammlereditionen interessant. Kleinere Labels haben ohnehin ein Problem, wie Neubauer weiß: „Da die Presswerke mit Aufträgen ausgelastet sind, schließen sie sich schon zusammen, um überhaupt Platten anbieten zu können.“

Was der Einstieg in die Presserei von Maschinenseite her kostet, hängt von den Kundenwünschen ab. Aber mit einer Viertelmillion Euro für die handgefertigten Maschinen muss man rechnen. Was der bekannte Musiker und bekennende Vinyl-Fan Jack White etwa bei „Newbilt“ ausgegeben hat, verrät Neubauer nicht. White hat für seine Plattenfirma „Third Man Records“ aber schon mal frisch restaurierte „Toolex“ aus Alsdorf einfliegen lassen.

Den Stamm seiner Mitarbeiter baut er sich gerade auf, bislang hat er mit ambitionierten freien Kräften gearbeitet. Und wer erwartet, dass es bei der Plattenproduktion neue Verfahren gibt, den muss Neubauer enttäuschen. „Natürlich wird im Moment durch den Vinylboom viel probiert“, sagt er. Für ihn als erfahrenen Plattenmann steht aber fest, dass die beste Art und Weise, eine Vinylscheibe zu pressen, immer noch die Althergebrachte mit Dampf- statt Elektrokraft, Hitze, Kühlelementen, viel Druck und auch etwas Schmutz ist.

„Neuere Verfahren haben noch das kaum lösbare Problem, dass die Platten nicht plan werden“, sagt Neubauer. Wer weiß, dass so eine Schallplatte aus einem zwischen 120 und 180 Gramm schweren Vinylknubbel entsteht und nur durch den Druck von 150 Tonnen Kraft zum abspielbaren Tonträger werden kann, versteht, welche Dimensionen Pressmaschinen haben müssen. Und da sind die alten oder eben auch die neuen von Neubauer im Produktionsprozess nicht zu schlagen.

So braucht sich das „Newbilt“-Team wohl nicht um die Zukunft zu sorgen. „Aber wenn mich jemand gefragt hätte, was wir als nächstes machen, dann wäre ich nicht auf Vinyl gekommen!“, lacht Neubauer. Wenn Neubauer übrigens selbst Musik hört, dann ist das nebenbei, aus einem kleinen Radio in den Werkhallen an der Ernst-Abbé-Straße. Dass da zufällig Musik aus den 80ern in Dauerschleife ertönt, dürfte aber nur ein Zufall sein.

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