Erste Aorten-Transplantation in Bardenberg erfolgreich

Von: ath
Letzte Aktualisierung:
Momentaufnahme aus dem OP-Saal
Momentaufnahme aus dem OP-Saal: Hier bereitet Dr. Michael Decker gerade das Aortentransplantat vor, das tiefgefroren aus der Uniklinik in Kiel geliefert worden ist. Foto: Ingo Krüger

Nordkreis. Komplizierte gefäßchirurgische Eingriffe werden in der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Medizinischen Zentrum Städteregion Aachen immer häufiger gemacht.

So wurde erst im Juni bei drei Patienten mit einem Bauchaorten-Aneurysma (eine krankhafte Ausstülpung der Bauchschlagader, die platzen kann) minimalinvasiv eine endovasculäre Gefäßprothese eingesetzt, um die Ader zu stabilisieren.

Bei einem weiteren Patienten mit Bauchaorten-Aneurysma rekonstruierte das Ärzteteam unter Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. Ingo Krüger zusätzlich minimalinvasiv die innere Beckenschlagader. Ein überaus komplizierter Eingriff, der weltweit in dieser Form erst seit etwa zwei Jahren vorgenommen wird.

Doch nicht nur das: Erstmals nahmen die Gefäßchirurgen jetzt auch erfolgreich eine Aortentransplantation vor: Sie setzten einem Patienten ein Aderstück eines Verstorbenen ein. Der Patient war als Notfall mit Rücken- und Flankenschmerzen eingeliefert worden. Eingehende Untersuchungen zeigten dann, dass es sich um ein seltenes Geschwür an der Bauchschlagader handelte, das die Gefäßwand zerstörte.

„In einem Notfall-Eingriff haben wir die Schlagader an der beschädigten Stelle mit einer Kunststoffprothese versorgt”, erläutert Dr. Ingo Krüger. Das ist normalerweise die gängige Verfahrensweise.

Doch hier lag der Fall etwas anders: Ursache für das Geschwür war eine bakterielle Infektion der Bauchschlagader, die innerhalb kürzester Zeit auch die Prothese angegriffen hätte. So startete das Team, neben Chefarzt Dr. Krüger die beiden Oberärzte Dr. Alf Lengersdorf und Dr. Michael Decker, eine Anfrage an die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation, um dem Patienten ein Stück Aorta zu transplantieren. Die Würselener und ihr Patient hatten Glück: Die Uniklinik in Kiel hatte ein passendes Transplantat. Über Nacht wurde das dort tiefgefroren gelagerte Stück Schlagader ins MZ gebracht, wo bereits alle Vorbereitungen auf Hochtouren liefen.

Es sei zwar möglich, Spendergewebe wie Adern durch eine spezielle Behandlung zu lagern. Einmal aufgetaut und aufbereitet sei es jedoch wie ein Spendeorgan auch nur für eine bestimmte Zeit zu verwenden, erklären die Mediziner.

Unter Leitung von Dr. Krüger übernahmen die beiden Oberärzte die technisch schwierige Operation. „Das Gewebe war noch mitgenommen von der ersten Operation, und das Transplantat musste millimetergenau passend eingesetzt werden”, erläutert der Chefarzt. Alles verlief glatt, und nach zehn Tagen konnte der Patient entlassen werden. „Für diesen speziellen Patienten war das die sicherste Methode”, sagt Dr. Alf Lengersdorf. Zumal es bei einer solchen Transplantation im Gegensatz zur Organtransplantation nicht zu Abstoßungsreaktionen kommen kann. „Entsprechend aufbereitet, heilt das Aderstück so ein. Der Patient braucht keine speziellen Medikamente einzunehmen.”

Solch ein Eingriff sei etwas ganz Besonderes. „In ganz Deutschland wird das nur 50- bis höchstens 100 Mal im Jahr gemacht”, erläutert Dr. Krüger. So stellte diese erste Aortentransplantation in Würselen eine besondere logistische und chirurgische Herausforderung dar, die von den Medizinern erfolgreich gemeistert wurde.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert