Erst nach und nach gehen die Finger in die Höhe

Von: Conny Stenzel-Zenner
Letzte Aktualisierung:
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Eindringliches Spiel: Manuela Weirauch als Lea und Lorenz Pilz als Andi.

Würselen. „Bevor Probleme auftreten, wollen wir für Themen sensibilisieren.“ Nathalie Thomé vom Würselener Jugendamt, schaute sich ebenso wie die Siebtklässler des Gymnasiums sowie 7. und 8. Klassen der Realschule das Theaterstück „Fake oder War doch nur Spaß“ an.

Das Berliner Ensemble „Radiks“ war gekommen, um die Themen Cyber-Mobbing, Mobbing und Medienkompetenz auf die Bühne zu bringen. Kurzweilig. Nachvollziehbar. Genau so, wie es in jeder Klasse und Schule passieren könnte.

Da ist die 17-jährige Lea, die davon träumt, Sängerin zu werden. Als sie schließlich in eine Casting-Agentur aufgenommen wird, weckt das den Neid einiger Mitschülerinnen. Auch ihrer besten Freundin Nadine.

Erste Sticheleien und Ausgrenzungen beginnen, und schließlich weiten sich Mobbing-Attacken auch auf Netzwerk-Portale aus. Lea wehrt sich zunächst gegen die Kommentare und Lügen, postet ihrerseits Kommentare und stellt auch einen von ihr verfassten Rap-Song gegen die Mobber online.

Was als vermeintliche „kleine Rache“ begann, nimmt Ausmaße an, die keiner der Beteiligten vorausgesehen hatte. Lea erhält anonyme Drohanrufe und Beleidigungen per SMS und Telefon.

Bald beschäftigen sich Lehrer mit den Mobbing-Attacken. Mittlerweile sind die Auseinandersetzungen nicht mehr schulintern zu klären, vor allem, nach dem ein Video online gestellt wurde, das Lea minutenlang angeblich betrunken in einer Toilette zeigt. Lea erträgt die Beleidigungen und Drohungen scheinbar gleichgültig, aber immer häufiger fehlt sie in der Schule.

Als sie erfährt, dass Andi, der ihr seine Liebe offenbar nur vorgetäuscht hat, zu der Gruppe der Mobber gehört und ihr Vater sie überdies drängt, endlich Anzeige zu erstatten, sieht Lea für sich keinen Ausweg mehr und will sich das Leben nehmen. Ein Mitschüler findet sie rechtzeitig: Lea kann gerettet werden. Die Polizei nimmt Ermittlungen auf.

Die Schauspieler Manuela Weirauch und Lorenz Pilz schlüpften in verschiedene Personen, vom allwissenden Erzähler bis zu den Protagonisten und hielten so die Spannung hoch.

Eine Stunde verging schnell – und vor allem unter die Haut. So führte Lea das Publikum in eine Welt, die einerseits geprägt war durch die Suche nach Erfolg, Liebe und Anerkennung, andererseits aber auch durch Missgunst und Illusionen. Kurze prägnante Dialogszenen schilderten einen Zeitraum von einem halben Jahr.

„Wer von euch hätte Lea denn geholfen?“, fragte Schauspieler Pilz schließlich die rund 250 Schüler. Sie überlegten. Ein Finger schnellte nach oben. Drei Finger. 50 Finger. Über 100 Finger. „Das ist immer so“, kommentierte Pilz.

„Zuerst haben nur ein oder zwei Schüler die Courage. Dann werden es zehn, und auf einmal trauen sich viele. Wenn Ihr so ein Mobbing beobachtet, dann traut Euch alle, denn je mehr sich trauen, Lea zu helfen, um so schneller kann so eine schreckliche Situation beendet werden.“

Solche Situationen schnell zu beenden: Das wünscht sich auch Beratungslehrerin Beatrix Scheffer-Löchte. „Von Mobbing oder Cyber-Mobbing erfahren wir oft zu spät. Ich wünsche mir, dass sich die Schüler schnell trauen, uns Lehrer mit ins Boot zu holen, denn dann können wir das Ruder noch rumreißen.“

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