Erinnerung an den ehemaligen Trainer Emanuel Schaffer

Von: mor
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Übergabe der Ausstellungsfigur Schaffer an seine Söhne: Amir Yagel (links), Mitarbeiter im Goetheinstitut Tel Aviv, daneben Professor Dr. Lorenz Peiffer, Dr. Wolf Iro, Leiter des Goetheinstituts Tel Aviv zusammen mit Schaffers Söhnen Dr. Moshe Schaffer (vorne links), daneben Avi Schaffer. Foto: Lorenz Peiffer
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Mittelrheinmeister 1958: Rhenania Würselen mit ihrem Trainer Emanuel Schaffer (rechts außen). Foto: Alfred Reiß

Würselen. Emanuel Schaffer war einst Trainer des Sportvereins Rhenania 05 Würselen. Das weiß heute kaum noch jemand. Das soll sich allerdings ändern. Das ist zumindest das Ziel des Sporthistorikers Professor Dr. Lorenz Peiffer. Im Rahmen seiner Recherche für ein Ausstellungsprojekt über deutsch-jüdische Fußballstars, ist er 2016 auf die ungewöhnliche Geschichte Schaffers gestoßen.

Der polnischer Jude Schaffer, dessen Eltern und drei Schwestern von Nationalsozialisten ermordet wurden, wurde nach dem Ende des zweiten Weltkriegs zu einem der ersten jüdischen Trainer in Deutschland. Schließlich schaffte er es zum Nationaltrainer Israels und brachte die Mannschaft 1970 das erste Mal zur Weltmeisterschaft.

Fasziniert von diesem Lebensweg, reiste Peiffer einige Male nach Israel um dort mit der Familie des mittlerweile verstorbenen Schaffers zu sprechen. Der ehemalige Nationaltrainer sei aber mittlerweile auch in Israel weitestgehend vergessen. „Das ist die Tragödie. Auch Schaffers Söhne sind sich einig: Wir müssen irgendwie versuchen, die Erinnerung an ihren Vater wieder aufleben zu lassen“, sagt Peiffer. Nun soll eine Biografie auf Deutsch und Hebräisch entstehen.

Um mehr über die Zeit Schaffers bei Rhenania Würselen zu erfahren, setzte sich Peiffer auch mit einigen Alt-Rhenanen in Kontakt. Während seines Trainerlehrgangs bei Hennes Weisweiler in Köln, holte ihn Heinz Wacker, damals erster Vorsitzender des SV Rhenania, 1958 an den Lindenplatz. Er sei ein sehr interessanter Trainer gewesen, der vor allem auf Angriff und Kondition setzte, so Albert Esser, Spieler unter Schaffer. „Ich erinnere mich noch sehr gut, wie er immer ‚Attackieren, Attackieren‘ über den gesamten Platz rief“, sagt er.

Nach Schaffers einjähriger Trainertätigkeit in Würselen, blieb der Kontakt zu ihm noch über Jahre bestehen. Die ehemaligen Aktiven Alfred Reiß und Franz Mohren trafen Schaffer noch einige Male wieder. Als Israels Nationalmannschaft 1978 in den Niederlanden spielte, suchte Reiß das Trainingslager auf und traf dort nach 20 Jahren auf seinen alten Trainer.

Ein Jahr später besuchte Schaffer seine ehemalige Mannschaft in Würselen und feierte mit seiner „ersten Liebe, die man nie vergisst“ großes Wiedersehen. Mohren folgte 1979 Schaffers Einladung und flog gemeinsam mit seiner Frau nach Israel. „Die aufrichtige Gastfreundschaft von Eddys Familie hat bei uns einen Bezug zum Land entstehen lassen, der weit über einen kulturellen hinausgeht“, sagt Käthe Mohren, Frau von Franz Mohren.

„1958 war eine Zeit, zu der die sportlichen Aktivitäten zwischen Israel und Deutschland noch mit äußerster Sensibilität aufgenommen wurden“, merkt Reiß an. Schaffer habe in diesem Zusammenhang als wichtiger Vermittler zwischen beiden Ländern fungiert. „Und der SV Rhenania Würselen wird dank Eddy auch unvergessen bleiben“, sagt Reiß.

Von dem Leben vor Schaffers Trainertätigkeit in Würselen ist nicht viel bekannt, weshalb Peiffer in drei Wochen erneut nach Israel reist. Dort wird er in weiteren Gesprächen mit der Familie seine Recherche fortführen und versuchen, das Andenken Schaffers wieder in das Gedächtnis der Israelis zu rufen. „Unter anderem planen wir, das jährliche Fußballturnier der deutschen und israelischen U-18 Nationalmannschaften in ‚Emanuel Schaffer Turnier‘ umbenennen zu lassen“, sagt Peiffer.

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