Erhalt der Grundschule Bierstraß: Die Sektkorken knallen

Von: Beatrix Oprée
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Der einstimmige Beschluss zur Schulentwicklungsplanung in Herzogenrath beinhaltet den Erhalt der Grundschule Bierstraß. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Wir lassen jetzt die Sektkorken knallen!“, Dr. Anjali Scholten und ihre Mitstreiter von der Elterninitiative für den Erhalt der Grundschule Bierstraß brachten ihre Freude im Anschluss an die Sondersitzung des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur (BSK) deutlich zum Ausdruck.

Zum Ende der Sitzung hatten sie den einstimmigen Beschluss des Gremiums zur Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung (SEP) bis 2020/21 samt diverser Einzelmaßnahmen gemäß Verwaltungsvorlage sogar mit Applaus kommentiert.

Exakt 1302 Unterschriften hatten die Initiatoren in den vergangenen Monaten im Stadtteil gesammelt, dabei unermüdlich für ihre Argumente geworben – unter anderem mit Verweis auf die Neubaugebiete respektive die unmittelbare Nähe der Schule zu den in jüngster Zeit sogar gruppenmäßig aufgestockten Kindergärten Herz Jesu und Roda Kindertreff.

Wesentlicher Bestandteil des komplexen Beschlusses ist die Feststellung, dass zurzeit „keine schulorganisatorischen Maßnahmen“ nötig seien, „im Verbund“ mit einem digitalen Ausbau aller Schulen.

„Für die Mülltonne“

Im Einzelnen bedeutete dies unter anderem, dass der im Juni eingereichten Bürgeranregung der Eltern stattgegeben wurde und die Katholische Grundschule Herzogenrath-Mitte mit ihren beiden Standorten – Regenbogenschule Leonhardstraße und Grundschule Bierstraß – erhalten bleibt.

Hart ins Gericht gingen die Politiker mit den Ausführungen der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) zur Raumsituation der Schulen in Herzogenrath im Zuge ihrer jüngsten überörtlichen Prüfung. So legte Dr. Manfred Fleckenstein für die SPD dar, dass Ausführungen zur Kapazitätsfrage, die sich auf rein mathematische Werte und offenbar 21 Jahre alte Richtlinien bezögen, allenfalls „für die Mülltonne“ seien, denn: „Damals gab es noch keine Offene Ganztagsgrundschule und keine Inklusion.“ Raumgreifende Faktoren, die im Zahlenwerk der Prüfung gar nicht berücksichtigt würden. Die GPA hatte im Gegensatz zum SEP-Gutachter empfohlen, die Grundschule Bierstraß zu schließen.

Renate Gülpen, schulpolitische Sprecherin der CDU, richtete ergänzend einen Appell an die Landesregierung, doch wieder Schulbaurichtlinien aufzulegen, damit die Kommunen als Schulträger endlich wieder Klarheit hätten – und auch wissen, woher sie das Geld für entsprechende Baumaßnahmen bekommen. Ein zweiter Appell ging an die Stadtverwaltung: In Folge auch jene Schulen im Auge zu behalten, für die momentan kein Handlungsbedarf angezeigt worden sei.

Freude speziell über den Erhalt der Grundschule Bierstraß und über die im Maßnahmenpaket mitbeschlossene Erstellung eines „optimierten Nutzungskonzepts“ für die ebenfalls in die Debatte geratene Grundschule Pannesheide äußerten auch die Oppositionsparteien: „Große Genugtuung“ über die per Gutachten bestätigte Schulpolitik in der Stadt und „große Erleichterung“ in Sachen Bierstraß empfand Dr. Bernd Fasel (Grüne). Lange nicht mehr „so großen Unsinn“ wie die Zahlen der GPA vernommen zu haben“, konstatierte Toni Ameis (Linke), bevor er kritisierte, dass die Prüfaufträge in Sachen kommunale Standards Unruhe in die Elternschaft gleich zweier Schulen gebracht hätten.

Dem entgegnete unter anderem Christoph Pontzen (FDP), dass es selbstverständlich auch künftig möglich sein müsse, derartige Prüfaufträge zu vergeben.

Kai Baumann (Piraten) richtete einen Blick auf die Schulbezirksgrenzen, deren Wiedereinführung die große Koalition geprüft haben wollte: „Es ist absolut unnötig, hier Einschränkungen zu machen“, bilanzierte er analog zu den Feststellungen in der Verwaltungsvorlage, die der Ausschuss dann ebenfalls einstimmig goutierte. Dies gelte für den „gegenwärtigen Zeitpunkt“, konkretisierte Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) in der anschließenden Ratssitzung, in der der BSK-Beschluss in gegebener Einmütigkeit bestätigt wurde. Jährlich fortzuschreiben ist zudem die Schülerprognose.

Vereine müssen umziehen

Den Stadtrat passierte auch der in gemeinsamer Sitzung der Ausschüsse für Bildung, Sport und Kultur sowie Bau und Verkehr Ende September beschlossene Ausbau der Gesamtschule Kohlscheid an einem Standort, nämlich der früheren Erich-Kästner-Schule.

FDP-Fraktionschef Björn Bock verwies auf das Gutachten, das einst zugunsten der Errichtung der neuen Gesamtschule an zwei Standorten ausgefallen war und nun in Frage zu stellen sei.

Einigkeit herrschte darüber, dass der in Bälde obsolete Standort Pestalozzistraße so wirtschaftlich wie möglich zu vermarkten ist, sobald es der Schulbetrieb zulässt – gemäß der beschlossenen „Variante 4“ der Wirtschaftlichkeitsberechnungen durch das Fachamt.

Wie Bürgermeister von den Driesch betonte, gelte es nun, für die Vereine, die in (Keller-)räumen der Schule untergebracht sind, adäquate Alternativen zu finden.

Und Manfred Fleckenstein gab nochmals den Ausbau-Zeitrahmen vor: „2020 muss das Ziel sein, denn dann ist die Gesamtschule Kohlscheid in seinen Jahrgangsstufen vollständig!“

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