Erdwärmeprojekt kommt nicht voran: Fördergelder gefährdet

Von: Karl Stüber
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Unerwartete Probleme beim Geothermieprojekt in Alsdorf: Durch die alte Hauptentgasungsanlage des Eduardschachts – links im Bild die „Protego-Haube“ am Kopf der Leitung – kann doch nicht zur Gewinnung von Energie aus Grubenwasser genutzt werden. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Das mit viel Vorschusslorbeeren gestartete und vom Land Nordrhein-Westfalen mit 700.000 Euro geförderte Pilotprojekt „Grubenwasserenergie für das Energeticon“ („GrEEn“) ist wegen unverhofft auftretender Probleme ins Stocken geraten.

Über den seit Jahren ausgedienten Eduardschacht soll erdwarmes Grubenwasser (je tiefer, desto wärmer) für die Gewinnung von Energie genutzt und im Energeticon eingesetzt werden, so der Plan. Aber: Die für durchgängig frei gehaltene ehemalige Hauptentgasungsleitung, die benötigt wird, um an das durch Erdwärme „angeheizte“ Grubenwasser zu kommen, ist ab einer bestimmten Tiefe dicht. Dies war aber beim ehemals bergbautreibenden Eschweiler-Bergwerks-Verein (EBV) nicht entsprechend dokumentiert, sagt Richter. Heißt, die Planer des Grubenwasserprojekts waren von falschen Voraussetzungen ausgegangen.

Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Energeticon gGmbH werden sich am Mittwoch mit diesem wichtigen Thema befassen und schnelle Entscheidungen treffen müssen. Grund: Sollte das im August nach langer Vorlaufzeit endlich gestartete, insgesamt rund eine Million Euro kostende Vorhaben weiter verzögert werden, droht die für einen definierten Zeithorizont zugesagte Landesförderung verloren zu gehen.

Den Förderbescheid hatte NRW-Umweltminister Johannes Remmel bei einem Besuch des Energeticons bereits im Jahre 2013 im Gepäck. Der Minister sagte damals: „Geothermie wird in der Energiepolitik des Landes eine große Rolle spielen.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter den Sachverhalt. Zugleich betonte er, dass die Verzögerung nicht auf die Betreibergesellschaft des Energeticon, also das Dokumentationszentrum für historische und regenerative Energieformen, zurückzuführen ist. „Das haben wir nicht verursacht. Wir haben alles richtig gemacht“, sagte Richter.

Zudem liege jetzt ein technisches Konzept vor, wie es doch noch weitergehen könnte. Es gehe bei den Sitzungen der Energeticon-Gremien darum, über den Vorschlag der Techniker zu befinden und auch zu entscheiden, wie die damit verbundenen Mehrkosten aufzufangen bzw. aufzubringen sind.

Mit dem Projekt betraut ist das Aachener Ingenieurbüro Heitfeld-Schetelig. Geldgeber neben dem Land ist RWE mit 20 Prozent und die Energeticon gGmbH mit 10 Prozent.

Das Funktionsprinzip: Der Deckel des Eduardschachts trägt eine sogenannte „Protego-Haube“ (flammendurchschlagsichere Endarmatur), eine Art Ventil zum Ablassen von Grubengasen. Ein Rohr führt von dieser Haube bis in eine Tiefe von 860 Metern. Dieses soll genutzt werden, um ein in sich geschlossenes Leitungssystem einzubringen. Die darin zirkulierende Flüssigkeit nimmt die Wärme der Umgebung auf, die über Tage per Spezialpumpen „abgezweigt“ wird.

Klar war, dass in einer Tiefe von 153 Metern ein in den Schacht eingebauter Rost durchbohrt werden muss, ohne dass größere Teile dabei in die Tiefe fallen. Laut Energeticon-Geschäftsführer Richter habe sich bei der damit verbundenen Videobefahrung leider herausgestellt, dass besagtes ehemaliges Hauptentgasungsrohr von dort an zu sei. Alternativ müsse nun gebohrt werden. Es sei jedoch nicht korrekt, dass nun von der Seite aus schräg gebohrt werde, wie es anderweitig hieß. Richtig sei, dass die Techniker vertikal bohren wollten, um letztlich auf das erdwarme Grubenwasser zu stoßen.

Prof. Dr.-Ing. Kurt Schetelig hatte ungeachtet des nun nachträglich aufgetretenen Problems bereits im August gesagt, dass die Installation der Sonde, mit deren Hilfe Energie aus dem Grubenwasser gewonnen werden soll, die besondere Herausforderung des Pilotprojekts sei und sich nach den vorzufindenden Bedingungen unter Tage richten müsse.

Beim Startschuss für das Projekt im Sommer hatte Peter Knitsch, Staatssekretär im Umweltministerium des Landes, gesagt: „Ich hoffe, dass alles klappt und das Projekt viele Nachahmer findet!“

Das Vorhaben in Alsdorf soll Grundlagenerkenntnisse darüber bringen, ob sich der Aufwand lohnt, auch weitere ehemalige Steinkohlenbergwerke im Land zur Gewinnung von Geothermie aus Grubenwasser zu nutzen.

Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) hatte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Energeticon gGmbH gesagt: „Es besteht Hoffnung, dass von diesem Boden aus Innovation fürs ganze Land ausgeht.“

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