Entwicklungshilfe leisten beim Aufbau von Netzwerken

Von: Stefan Schaum
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Hilft mit in Rumänien Frauenh
Hilft mit in Rumänien Frauenhäuser zu etablieren: Renate Wallraff, Leiterin der Alsdorfer Fachstelle gegen häusliche Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. An kalten Tagen auch mal die Heizung aufdrehen zu können, das ist schon was. Und selbst wenn zwei Frauen sich mit ihren Kindern ein kleines Zimmer teilen müssen - es ist immerhin ihr Raum, ihre geschützte Umgebung.

Solche Zufluchtsorte sind keineswegs Standard in der rumänischen Stadt Sibidu, wie Renate Wallraff dort jüngst bei einem Besuch erfahren hat. Die Leiterin der Alsdorfer Fachstelle gegen häusliche Gewalt des Diakonischen Werks ist sozusagen als Aufbauhelferin angereist. Um die langsam aufblühenden Frauenhäuser zu beraten und zu vernetzen.

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Diakonie war während einer Rumänienreise auf den mangelnden Schutz von Frauen aufmerksam geworden. „So wurde das Ganze zu einer Bitte um eine Art Dienstreise”, sagt die 38-Jährige. Auch dank finanzieller Unterstützung der „Aktion Mensch” konnte sie schließlich in den Flieger steigen. Fünf Tage lang war sie jüngst in der 170.000-Einwohner-Stadt in Siebenbürgen unterwegs. Ihr Eindruck: In Sachen Ausstattung und Zahl der Frauenhäuser steht Rumänien ungefähr dort, wo Deutschland vor gut 30 Jahren stand, als dort die ersten Einrichtungen mit der Arbeit begannen.

„Das ist noch recht spartanisch, was die Zahl der Einrichtungen betrifft und oft sind es sehr kleine Häuser.” Doch das Engagement sei gewaltig. „Es findet langsam ein Umdenken statt, was Gewalt gegen Frauen und Kinder betrifft.” Betonung auf langsam, denn: „Ich habe während meines Aufenthalts fünfmal beobachten müssen, wie ein Kind auf offener Straße eine Ohrfeige erhielt. Solche Mittel sind dort längst noch nicht so verpönt wie bei uns.”

Sie hat während der kurzen Zeit auch von Frauen gehört, die vor prügelnden Ehemännern Schutz in einem Frauenhaus gesucht hatten. Mit dem Ergebnis: „Die Eltern der Frauen brachen den Kontakt zu ihnen ab, weil sie es gewagt hatten, den Mann zu verlassen.” Auch deshalb möchte sie weiter daran arbeiten, das Hilfsangebot vor Ort zu vergrößern und vor allem eine Akzeptanz zu schaffen, ein Umdenken anzuregen.

Bislang scheint das auch an ganz kleinen Dingen gescheitert zu sein, so ihr Eindruck. „Es gibt Ansprechpartner bei den Verwaltungen und der Polizei - doch die kennen sich gegenseitig meist gar nicht.” Einfach mal die Telefonnummern auszutauschen - solch grundlegende Dinge einer Netzwerkarbeit hat sie in Sibidu während eines Workshops vermittelt. Gern würde sie noch einmal dorthin reisen und die Dinge vertiefen - wenn es die Mittel denn erlauben. Bis auf weiteres will sie die Arbeit durch Hilfen unterstützen, die sie per E-Mail schickt.

„Wir stellen die Konzepte zur Verfügung, nach denen die Frauenhäuser hierzulande arbeiten.” So wie es in den 70er Jahren in Deutschland war, dass sich in diesem Bezug vieles von den USA abgeschaut hatte. „Menschen brauchen Vorbilder”, sagt Renate Wallraff - gerade wenn es um den Schutz vor Gewalt geht.
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