Entscheidung für zweite Gesamtschule fällt in der nächsten Woche

Von: Elisa Zander
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Informierten Eltern, Schülern
Informierten Eltern, Schülern und Lehrer: BSK-Ausschuss-Vorsitzender Bruno Barth und Bürgermeister Christoph von den Driesch. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Zukunftsträchtige Entscheidungen - die müssen im Rathaus in diesen Tagen getroffen werden. Die Schullandschaft verändert sich durch den demographischen Wandel - auch in Herzogenrath. Bis zum Jahr 2020 wird die Schülerzahl um 20 Prozent sinken.

Die Frage, wie sich dieses Szenario auf die Grenzstadt auswirkt, haben Bürgermeister Christoph von den Driesch und Bruno Barth, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur (BSK), versucht, bei einem Informationsabend zu erläutern.

In Sitzungen hatte sich der BSK-Ausschuss beraten und die vorliegenden Zahlen des Schulentwicklungsplanes, den das Unternehmen „biregio” erstellt hatte, teilweise sogar in Zweifel gezogen, betont Christoph von den Driesch. Doch er habe sich mittlerweile eines Besseren belehren lassen, die Richtigkeit der Angaben anerkannt und eingesehen, dass die Stadt als Schulträger nun tätig werden müsse.

Derzeit besuchen 267 Schüler die Hauptschule, 459 Schüler sind es an der Realschule, das Gymnasium kommt in der Sekundarstufe I auf 621 Pennäler und die Gesamtschule zählt in diesem Bereich 830 Schüler. Alle Schulen - abgesehen von der Europaschule, die jährlich etwa 40 Kinder abweisen muss - verzeichnen zum Teil drastische Verluste.

Die Statistik spricht im Bezug auf die Kohlscheider Hauptschule sogar von einem Rückgang auf 150 Schüler bis zum Schuljahr 2015/2016. Und auch wenn es die Verwaltung schmerzt, muss Christoph von den Driesch einräumen: „Nach der jetzigen Prognose sind die Haupt- und Realschule in der Existenz gefährdet.” Eine Lösung soll her - und die sehen die Bürgervertreter in einer zweiten Gesamtschule.

Für Bruno Barth zieht das insbesondere zwei Vorteile mit sich: „An der Gesamtschule können alle Schulabschlüsse gemacht werden. Und mit dieser Möglichkeit können wir auch einen Teil der Pendler, die auf Aachener Schulen gehen, in Herzogenrath halten.” Damit soll ebenfalls gewährleistet sein, dass alle Schüler, die auf eine weiterführende Schule in Herzogenrath gehen möchten, dies auch tun können.

Eine Elternbefragung zur Schullaufbahn ihrer Kinder, mit einer Rücklaufquote von 62,2 Prozent, hatte ergeben, dass insgesamt 59,96 Prozent ihren Sprössling gerne auf ein Gymnasium schicken wollen. „Da ist auch ein Anteil Wunschdenken dabei”, lenken die Ansprechpartner ein. Die Gesamtschule kommt beim Schulwunsch in der ersten Wahl auf 16,55 Prozent, bei der Alternativwahl sogar auf 38,71. Doch beim Alternativwunsch landet auch die Realschule mit 29,92 Prozent der Angaben auf Rang zwei.

Nach Vorstellungen der Ausschussmitglieder soll bereits zum nächsten Schuljahr in den Räumen von Haupt- und Realschule die Gesamtschule ihre Arbeit aufnehmen. Was allerdings nicht bedeutet, dass Haupt- und Realschule geschlossen werden, im Gegenteil: Die Schülerinnen und Schüler sollen hier wie geplant ihren Abschluss machen können, neue Schüler werden für die Schulform jedoch nicht mehr aufgenommen; Auslaufen würde das Modell dann im Jahr 2016, wie Bruno Barth erläutert.

„Aber was ist mit den Schülern, die eine Klasse wiederholen müssen”, fragt eine Mutter in den Raum und trifft damit einen Punkt, bei dem Barth und von den Driesch einlenken müssen. An dieser Stelle sei noch Überlegungsbedarf.

Dem Vorschlag seitens der Eltern und Lehrer, die Haupt- und Realschule in einem Gebäude zusammenzufassen, kann auch nicht entsprochen werden. Ausschlaggebend sind hier die von Landesseite festgelegten Mindestschülerzahlen für Klassen, die bei Realschulen bei 26 und bei Hauptschulen bei 18 liegen. Schon heute sind die Schülerzahlen grenzwertig.


Die vielen Diskussionen um die Schullandschaft schürt auch bei den Schülern Angst, wie Sebastian Erdogan, Schüler der achten Klasse der Realschule erzählt. „Das ist eine chaotische Organisation, etwas Handfestes fehlt”, sagt der Klassensprecher. Von dem Info-Abend sei er nicht beruhigt, „eher noch verwirrter” empfindet der 14-Jährige die Situation im Anschluss.

Dass es noch an einigen Stellen Klärungsbedarf, insbesondere auch wegen des möglichen Schulkonzeptes gibt, sehen auch Christoph von den Driesch und Bruno Barth.

Am Donnerstag, 13. Oktober, wird der BSK-Ausschuss um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses, Rathausplatz 1, über die zweite Gesamtschule entschieden. Im Dezember muss der Stadtrat dieser Entscheidung zustimmen. Wenn sich der Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur für die Gesamtschule aussprechen sollte, werden die notwendigen Schritte unmittelbar eingeleitet.

Über das Konzept sind bislang noch keine Entscheidungen gefällt worden, hier sagte Bürgermeister Christoph von den Driesch Lehrern und Eltern zu, dass sie diesbezüglich im Rahmen der Möglichkeiten angehört werden.

Das Kommunikationsdefizit, welches Eltern und Lehrer empfinden, möchte der Bürgermeister versuchen auszuräumen, indem auch weiter die öffentliche Diskussion mit den Betroffenen gesucht wird. „Wir werden nicht für alle Elternwünsche das Optimum erreichen”, weiß Christoph von den Driesch. „Doch dass jetzt gehandelt werden muss, daran ist nicht zu rütteln.”
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