Herzogenrath - Entgegen dem Landestrend: Hauptsächlich Kleinstvereine

Entgegen dem Landestrend: Hauptsächlich Kleinstvereine

Von: Beatrix Oprée
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„Faktisch aufgegeben“: der Sportplatz in Niederbardenberg. Accordia hat nur noch eine Mannschaft. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Zuerst eine gute Nachricht: Herzogenrath wird bis 2030 noch anwachsen und laut IT.NRW dann 47.423 Einwohner haben (um danach allerdings voraussichtlich wieder zu schrumpfen).

Nun die nicht so gute Nachricht, bestätigt durch die vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) zusammengetragenen Grundlagen zur Sportstättenentwicklungsplanung (SEP): Herzogenrath – und das ist laut Gutachter für eine Stadt dieser Größenordnung ungewöhnlich – hat keinen Großverein (über 1000 Mitglieder) mehr, die meisten (55 Prozent) sind sogar Kleinstvereine (unter 100 Mitglieder).

Und sogenannte Mittelvereine (301 bis 1000 Mitglieder) gibt es nur neun Stück. „Während im Jahr 2011 noch 9576 Mitgliedschaften gemeldet wurden, waren es im Jahr 2016 nur noch 8613“, stellt die Studie auf Basis der beim Landessportbund gemeldeten Zahlen fest. Zuwächse gab es in besagtem Zeitraum in den Altersklassen 19 bis 26 Jahre (2 Prozent) und 27 bis 40 Jahre (1 Prozent) sowie bei den über 60-Jährigen (immerhin 9 Prozent).

Bei allen anderen Altersgruppen sind teils deutliche Rückgänge zu verzeichnen, besonders bei den Kindern (-21 respektive -24 Prozent) und den 41- bis 60-Jährigen (-14 Prozent). Auch geschlechtsspezifisch gibt es Unterschiede: So sei bei den 15- bis 18-Jährigen zu beobachten, dass die Zahl männlicher Mitglieder um 2 Prozent gestiegen ist, die der weiblichen jedoch um 17 Prozent gesunken.

Im Landesvergleich hingegen haben alle Sportvereine in NRW zwischen 2011 und 2016 einen allgemeinen Mitgliederzuwachs von einem Prozent gehabt, wobei es innerhalb der Altersgruppen teils große Differenzen gab. In Herzogenrath indes ist in fast allen Altersgruppen die Entwicklung der Mitgliederzahlen negativer als im Landestrend, eine Ausnahme bilden die 15- bis 18-Jährigen. Insgesamt, so die Studie, habe sich die Entwicklung der Mitgliederzahl in Rodas Sportvereinen deutlich von der bis dahin konstant gebliebenen Einwohnerzahl „entkoppelt“. Was auch für den Altersgruppenvergleich gelte, in denen es teils erhebliche Unterschiede gebe.

Ursachenforschung wichtig

Auf Faktoren wie diese muss im Zuge einer soliden Sportstättenentwicklungsplanung reagiert werden. Was können die Gründe für diese Entwicklungen sein? Welche Schlüsse sind daraus für die Zukunft zu ziehen? Welche Sportstätten sind obsolet? Welche müssen ausgebaut beziehungsweise modernisiert werden?

In einer mit der Verwaltung koordinierten Vorgehensweise informieren die Vorstände des Stadtsportverbands (SSV) derzeit die Mitgliedsvereine in den drei Stadtteilen über den Inhalt der vorliegenden ikps-Bedarfsanalyse. Dabei werden Sachstände zur Situation der Sportstätten sowie Zukunftsplanungen ermittelt.

Schon nach dem ersten Workshop in Merkstein, so legt SSV-Vorsitzender Gerd Schwartz dar, habe festgestanden, dass „die bestehenden Defizite im Bereich der Bäderlandschaft sowie die teilweise desolate Instandhaltungssituation in einigen Hallen mit der Feststellung, dass die rechnerisch fehlenden Sportstättenflächen, die sich aus der Datenerhebung ableiten lassen, Kernthemen in den weiteren Gesprächen mit Rat und Verwaltung sein werden“.

Klar sei der SSV beauftragt worden, die von den Vereinen zu sammelnden Interessenbekundungen gegenüber Rat und Verwaltung zu vertreten. Schwartz: „Der Stadtsportverband ist wie seine Mitglieder daran interessiert, dass die Stadt Herzogenrath für seine bisherigen und künftigen Bürger zu einer attraktiven Stadt mit qualitativ und quantitativ bedarfsorientiert ausreichenden Sportstätten für Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen bis ins Seniorenalter wird.“ Unter anderem darauf hat der SSV in einem Schreiben an Bürgermeister Christoph von den Driesch hingewiesen, das auch an die Ratsfraktionen und an ikps ging.

Drei Punkte nennt der SSV darin als selbstverständlich bei der Sportstättenentwicklung: 1. dass „eventuelle Erlöse aus Sportgeländeveräußerungen und gegebenenfalls daraus resultierende Zugewinne zweckgebunden für die Erneuerung/Modernisierung der Sportinfrastruktur verwendet werden (Refinanzierung)“; 2. dass Vereine „durch transparente Gestaltung der Planung den Mehrwert eventueller Strukturänderungen (örtliche Zusammenlegung, möglicherweise bis zu Fusionen) in der Erneuerung/Modernisierung der Sportinfrastruktur erkennen können müssen“, und 3. dass der SSV „als Vertreter der Sportvereine und des organisierten Sports in die Entwicklungsplanung einbezogen wird“.

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