Enteignung des Singergeländes möglich: Druck auf Eigentümer

Von: Karl Stüber
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Die Aufräumarbeiten auf dem Singergelände ruhen, aber um die Zukunft des Geländes wird hart gepokert. Foto: Karl Stüber

Würselen. Seit zwei Wochen ruhen die Aufräumarbeiten auf dem ehemaligen Singergelände im Zentrum von Würselen. Dafür ist reichlich Bewegung hinter den Kulissen, aber auch auf offener Bühne festzustellen, um eine den Interessen der Stadt entsprechende Nachfolgenutzung durchzusetzen, so wie jetzt im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss.

Die Kommune möchte dort sozialen und freien Wohnungsbau sowie Eigentumswohnungen nebst geringem Anteil an Gewerbeflächen realisiert sehen. Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen informierte die Fraktionen, dass die Kommune nun eine sogenannte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme gemäß Baugesetztbuch vorbereitet, um das seit fast zwei Jahrzehnte währende Hin und Her zu beenden und Zugriff auf das Areal zu erlangen.

Eine erste rechtliche Einschätzung sei ermutigend. Nun soll noch genauer nachgeprüft werden, ob dieser Weg juristisch zum Erfolg führen kann. Das Verfahren könne bis zu einem Jahr dauern. Vorbehaltlich der Ausschöpfung des Rechtsweges durch den Grundstückseigentümer. Letztlich könne das Verfahren sogar bis zur Enteignung führen.

Letzter Tropfen, der das Geduldsfass der Stadt Würselen wohl zum Überlaufen gebracht hat, sind die Auswirkungen des Versuchs des Grundstückseigentümers, der Firma Groz-Beckert, das ehemalige Singergelände meistbietend zu verkaufen. Grundsätzlich wird von der Verwaltung und den Fraktionen anerkannt, dass der Eigentümer möglichst viel Erlös erzielen möchte.

Allerdings dürfe dies nicht zu Lasten der Interessen der Stadt Würselen gehen. Wiederholt waren zugesagte Präsentationen von in die engere Auswahl gekommenen Interessenten im Fachausschuss abgesagt worden. Dem Vernehmen nach soll dem Unternehmen nun eine Offerte eines weiteren Bieters in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro vorliegen.

Hier setzt auch die Argumentation der Stadtverwaltung an, um die nun angestrebte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme inhaltlich zu begründen. Je höher der Kaufpreis ausfalle, um so „dichter“ wolle der Investor wohl bauen, um trotzdem Gewinn zu machen. Zudem würden in Würselen die Grundstückspreise weiter nach oben getrieben werden.

Letztlich liege das Planungsrecht aber bei der Kommune. Nur die FDP stimmte gegen diesen Weg. Hans Carduck sagte, dies sei kontraproduktiv, bringe den Grundstückseigentümer gegen die Stadt auf und führe zum Streit durch die Instanzen. Man solle besser den Verhandlungsweg wählen.

Und die Arbeiten auf dem Gelände sollen weitergehen. Marcel Eckert, Bauleiter der mit den Abbruch- und Sanierungsarbeiten beauftragen Firma Frauenrath Recycling, sagte auf anfrage unserer Zeitung, dass der Abzug der schweren Maschinen mit dem Wetter zu tun hat. Bei Frost ließen sich eine Reihe von Arbeiten nicht fachgerecht erledigen.

Und wenn der Boden auftauen würde, müsste man erst einmal sehen, ob sich nicht eine Schlammschlacht entwickeln würde. „Am liebsten hätte ich die Arbeiten längst abgeschlossen, aber derzeit geht es nicht.“ Die Maschinen seien zwischenzeitig anderweitig eingesetzt.

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