Herzogenrath - Entdeckungsreise in 1100 Jahre Merksteiner Geschichte

Entdeckungsreise in 1100 Jahre Merksteiner Geschichte

Von: mabie
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Traf auf reges Interesse: Hermann-Josef Welfens zeigte in seiner aufwendigen Fotodokumentation bei der AWO in Merkstein einen sehr kurzweiligen Blick in die Ortshistorie. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Selten nur dürfte Hermann-Josef Welfens so viele ausgestreckte Finger gesehen haben, selten zuvor hat er auch so viele „Aaaahs“ und „Oooohs“ gehört, wie am Samstag. Grund war seine zu einem gut einstündigen Film zusammengeschnittene Fotodokumentation über rund 100 Jahre zwischen 1900 und dem Jahr 2000.

Da hatten die Besucher immer wieder per Fingerzeig die Chance, sich zu erinnern, was natürlich durch entsprechende Laute und viel Gemurmel lebhaft untermalt wurde. In der Begegnungsstätte des Ortsvereins Merkstein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) wurde bei rund 100 Besuchern der Platz richtig knapp. Und die meisten von ihnen erinnerten sich noch gut, wie das, was dort in meist monochromen Bildern zu sehen war, noch täglich und in Farbe auf den Straßen Merksteins zu erleben war.

Auf den Gleisen der Straßenbahn

Dazu gehörte beispielsweise auch die Straßenbahn. „Viele kennen die überhaupt nicht“, so Welfens, „aber ab 1910 wurde Merkstein an das frühere Aachener Kleinbahn-Netz angeschlossen.“ Der Zug der Zeit wollte es allerdings im Kriegsjahr 1916, dass die Oberleitungen abmontiert wurden. „Man brauchte das Kupfer, aus dem die Leitungen bestehen, für die Kriegsproduktion“, beschrieb der Referent die damaligen Zwänge. Doch die Bahn blieb bestehen, erst Ende November 1959 gab es die letzte Fahrt.

In dem Kaleidoskop der Jahrzehnte durfte natürlich auch ein Abstecher zu den Bockreitern nicht fehlen. Welfens selbst wohnte – damals noch ohne es zu wissen – in einem Bockreiter-Haus in einer der ältesten Straßen von Merkstein, der Scherbstraße. „Man sagte früher, dass dort jedes zweite Haus von den Bockreitern war“, sagte Welfens, und sofort zählten die anwesenden Ur-Merksteiner durch, aber niemand wollte so recht zu einem der jeweils zweiten Häuser gehören.

Das beschreibt den großen Spaß, den die Menschen beim Betrachten der alten Fotos, die Welfens selbst gesammelt und zusammengestellt hat, aber nur ansatzweise. Denn die „Aaaahs“ und „Oooohs“ kamen nicht von ungefähr. Auf irgendeine Weise fand sich jeder der samstäglichen Fotoschaubesucher in einem oder auch mehreren Bildern wieder, erkannte Häuser, Umrisse, Giebel oder Landstriche, die heute ein ganz anderes Aussehen haben.

Das galt übrigens auch für die historischen Werbeeinblendungen, die Welfens in seine akribisch zusammengestellten Bildhistorie des Herzogenrather Stadtteils gepackt hatte. Denn dort war damalige Zeitungswerbung zu sehen, die beispielsweise bei einem Schuhfachgeschäft eine „fachmännische und reelle Beratung“ anpries und am Fuß der Anzeige eines Lebensmittelhändlers mit „Weiter empfehle ich mein Transportunternehmen“ auf weitere Betriebszweige hinwies.

Gleichzeitig machten diese teils lange verloschenen Firmennamen wie von Metzger Kalz oder Kohlen Pöttgens noch einen weiteren Charmefaktor aus, der den Genuss beim Bildergucken nur noch förderte.

Und mit Seitenblicken auf die Geschichte des Klosters oder auch des Ledigenheims, das im Volksmund gerne auch „Menage“ oder „Bullenkloster“ hieß, wurde die Geschichte rund. So reichten die vom rührigen Veranstalterteam der AWO angesetzten zwei Stunden lange nicht aus, denn noch auf dem Heimweg dürften die meisten Teilnehmer sich an dies und jenes erinnert haben – und ihre ganz eigenen Geschichten damit verknüpfen.

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