Alsdorf - Ensemble der Harlekin-Ballettschule brilliert mit „Moritz“-Aufführungen

Ensemble der Harlekin-Ballettschule brilliert mit „Moritz“-Aufführungen

Von: Yannick Longerich
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Großer Auftritt: Die Gruppe der Tanzfrüherziehung brilliert als putziges Schweinchen-Ballett. Foto: Yannick Longerich

Alsdorf. Ganz am Anfang spielte der Zufall eine gewichtige Rolle. Es sind damals erst ein paar Monate seit der letzten großen Aufführung der Ballettschule Harlekin im Herbst 2015 vergangen und Leiterin Heike Schrey stöberte unverbindlich im Netz nach neuen Ideen.

Der Titel „Moritz in der Litfaßsäule“, ein Werk von Christa Kozik aus der ehemaligen DDR, leuchtete neben unzähligen anderen auf dem Bildschirm auf. Zwei Jahre später brilliert das große Ensemble von knapp 280 Schülern mit eben jenem Stück auf der Bühne der Alsdorfer Stadthalle.

Eine gewaltige Strecke hat das Team um die choreographischen Leiter Heike Schrey, Uschi Vleek und Damian Kruczek seitdem zurückgelegt. Recherche, Entscheidung, Auswahl, Proben – unendlich viel Herzblut und Zeitaufwand floss in das Projekt, das seinen Aufwand mit zwei gut besuchten Vorstellungen und donnerndem Applaus am vergangenen Wochenende in der Alsdorfer Stadthalle zurückzahlte. Ein verhältnismäßig kurzes Bad im verdienten Erfolg möchte man meinen – aber für Schrey, Vleek und Kruczek war auch der Weg das Ziel.

Während der talentierte, jedoch gemächliche und introvertierte Schuljunge Moritz das Leben genießt und es mit allen Sinnen auf sich wirken lässt, rauscht die schnelllebige Welt erbarmungslos an ihm vorbei. Moritz findet in dieser Flut an Erwartungen keinen Platz für sich – schlechte Schulnoten und ein strenges wie distanziertes Elternhaus nehmen den sensiblen Sprössling in die Mangel. Der Ausbruch ist für ihn die einzige Lösung. Moritz reißt aus und findet Obdach in der alten Litfaßsäule auf dem Marktplatz.

Mit Perfektion und Hingabe

Schrey und ihre Kollegen stellte der hochaktuelle Themenkomplex der Buchvorlage anfangs vor gewisse Probleme. Eine umfassende Metamorphose des Romans in ein Ballettstück forderte Innovation und Geschick. Zusätzlich haftete auf dem Originalwerk laut Schrey ein gewisser Anstrich des sozialistischen Zeitgeists vergangener Tage. Eine Transfusion des Stoffes in die Gegenwart wurde realisiert.

Der junge Ausreißer (gespielt von Moritz Lürkens sowie Tim Henk) begegnet in seiner zunächst schier endlosen Freizeit dem Trubel der Stadt. Das Harlekin-Ensemble visualisierte mit fein abgestimmten und mitreißenden Choreografien den Konflikt im Leben des Heranwachsenden. Die anderen Schulkinder schwirrten in perfekter Synchronisation an ihm vorbei, ohne von ihm Notiz zu nehmen. Buchstaben und Lehrstoffe tanzten ihm sprichwörtlich auf der Nase herum.

Es war bemerkenswert, mit welcher Perfektion und Hingabe die Balletttänzer – zwischen Vorschulkindern und „Mittsechzigern“ war jede Generation vertreten – eine Atmosphäre der Hilflosigkeit im modernen Leben erzeugten. Kostüme und Schminke waren liebevoll von unzähligen Elternteilen gestaltet und aufgetragen worden. Bänke im Park, Schmetterlinge, Roboter oder auch Teufelchen – die innovativen Outfits waren nur ein Geheimnis des Erfolgs.

Musikalisch setzten die Verantwortlichen auf ein vielseitiges „Cross-Over“. Von klassischer Ballettmusik bis hin zu Jazz- und Hip-Hop-Acts wurden fast alle denkbaren Genres ausgenutzt. Die vergleichsweise aufwendigen Textpassagen verlangten den Hauptdarstellern zusätzliches Geschick im Schauspiel ab.

Unter der professionellen Anleitung von Regisseur Mehdi Salim wurde auch diese Hürde schnell gemeistert.

Mit der einer streunenden Katze (Ronja Morsch sowie Davina Kruczek) und dem eigenbrötlerischen „Straßenfeger“ schließt Moritz dagegen schnell Freundschaft. Zusammen erlebte das ungleiche Trio vom Marktplatz die fantasievollsten Geschichten von der „Waschbär-Invasion“, über das „Schweinchen-Ballett“ bis hin zum futuristisch anmutenden „Schaufensterpuppen-Ausbruch“.

Moritz blickte auf sein Leben, das gespickt ist von Fantasie, aber auch von Selbstzweifeln. In der aufstrebenden Ballerina Kitty (Lili Delzepich und Anna Lynn Kordes) fand er seinen ersten großen Schwarm. Mit Hilfe seiner Fantasie und seiner neuen Freunde findet Moritz einen Weg zurück in sein „normales“ Leben.

Eine einzige Probe stand der Ballettschule auf der Bühne der Stadthalle zur Verfügung, der technische Aufwand für weitere Termine wäre zu groß gewesen. Umso bemerkenswerter war der reibungslose Ablauf der einzelnen Choreographien. Ungeachtet der Hektik hinter den Kulissen waren alle Auftritte in nahezu perfekter Symbiose verbunden. Es präsentierten sich die hart erarbeiteten Fortschritte Alsdorfer Ballettschule. Und bei aller Nervosität im Vorfeld – Zufall spielte an diesem Wochenende wahrlich keine Rolle mehr.

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