Energie aus Grubenwasser: Pilotprojekt auf dem Annagelände

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
12647183.jpg
Reichlich Bewegung am stillgelegten Eduardschacht auf dem Annagelände in Alsdorf: Die beiden ehemaligen Bergmänner Hartmut Krämer und Friedrich Ebbert (v.l.) betrachten die Protegohauben, die nun abgenommen werden, um das Pilotprojekt „Grubenwasserenergie für das Energeticon“ zu starten. Foto: Stüber

Alsdorf. Mit Förderung des Landes startet das Pilotprojekt auf dem Annagelände in Alsdorf. Der ausgediente Eduardschacht soll dafür angezapft werden.

Der Eduardschacht auf dem Annagelände in Alsdorf ist auch lange nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus immer noch eine Energiequelle. Die beiden ehemaligen Bergmänner Hartmut Krämer und Friedrich Ebbert können sich noch gut daran erinnern, wie hier Steinkohle aus der Tiefe geholt wurde. Sie stehen in ihren traditionellen schwarzen Bergkitteln vor dem „Ventil“ des Schachts, das aus dem Boden ragt. Am Kopf befinden sich Protegohauben – noch.

Diese beiden „flammendurchschlagsgesicherten Endar-maturen“ werden nun abgenommen. Zwischenzeitlich hatte der Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) weiterhin den stillgelegten Schacht überwacht und aufsteigendes Grubengas kontrolliert abgeführt, das zur Verstromung genutzt wurde. Der Gasstrom ist immer geringer geworden. Nun steht eine neue Form der Energiegewinnung aus der Tiefe an: „Grubenwasserenergie für das Energeticon“, auch „GrEEn-Projekt“ genannt.

Seit Jahren wird das Vorhaben auf dem Gelände des Energeticon, dem Dokumentationszentrum für historische und regenerative Energieformen, vorbereitet. NRW-Umweltminister Johannes Remmel hatte bereits im Jahre 2013 den „Tatort“ besucht – mit einem Förderbescheid in Höhe von 700 000 Euro im Gepäck. Das sind 70 Prozent der Kosten des Pilotprojekts.

Jetzt war Remmels Staatssekretär Peter Knitsch vor Ort, um gemeinsam mit Vertretern weiterer Geldgeber (RWE 20 Prozent, Energeticon gGmbH 10 Prozent) und anderen Partnern den Startschuss für die Einrichtung der Anlage zur Gewinnung von Energie aus Grubenwasser zu geben.

„Besser eine gründliche und vernünftige Vorbereitung, die etwas länger dauert, damit bei der Realisierung auch alles glatt geht“, warb er um Verständnis für die Verzögerung. Laut Knitsch geht es bei dem Pilotprojekt um einen wichtigen Beitrag für die Energiewende. „Ich hoffe, dass alles klappt und das Projekt viele Nachahmer findet!“

Im Prinzip ist die mit Wasser vollgelaufene Grube ein großer Speicher thermischer Energie, den es anzuzapfen gilt.

Laut Prof. Dr.-Ing. Kurt Schetelig vom Aachener Ingenieurbüro Heitfeld-Schetelig werden nun Fachleute auskundschaften, wie es um den Eduardschacht und seine Nebenanlagen mittlerweile überhaupt bestellt ist. Nach endgültigem Ende des Bergbaus in Alsdorf im Dezember 1992 waren die Pumpen, die das Grundwasser zurückhielten, im Jahre 1994 abgestellt worden. Möglichst soll eine Leitung genutzt werden, die durch den mächtigen „Pfropfen“ führt, der den Schacht deckelt, und die das Grubengas aufnahm.

In einer Tiefe von 153 Metern muss ein in den Schacht eingebauter Rost durchbohrt werden, ohne dass größere Teile in die Tiefe fallen. Die Bohrmaschine wurde bereits aufs Gelände geschafft. Die beauftragte Firma hat hierfür einen speziellen Bohrkopf entwickelt, wie Schetelig sagte.

Wie die Sonde, mit deren Hilfe Energie aus dem umgebenden erdwarmen Wasser gewonnen werden soll, letztlich im Schacht installiert wird, hängt von den noch vorzufindenden Verhältnissen ab, beschrieb Schetelig die besondere Herausforderung des Pilotprojekts. Aufschluss verspricht sich das Team durch Kamerabefahrung. Ziel ist, über ein geschlossenes Leitungssystem und die darin zirkulierender Flüssigkeit die Wärme des umgebenden Grubenwassers aufzunehmen und ans „Tageslicht“ zu holen.

Schetelig sagte, dass das Landesamt für Umwelt eine Studie zum Thema Grubenwasserenergie in Auftrag geben will, um Chancen und Potenzial auszuloten. Da es für die oberflächennahe Geothermie keine besonders guten Bedingungen gibt, wird in den ehemaligen Steinkohlenrevieren (das Aachener weist sieben in Frage kommende Schächte auf, das Ruhrgebiet sehr viele) nun verstärkt auf die Tiefe, eben das Grubenwasser gesetzt.

Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Energeticon gGmbH, freute sich und sagte: „Es besteht Hoffnung, dass von diesem Boden Innovation fürs ganze Land ausgeht.“

Die beiden ehemaligen Kumpel Hartmut Krämer und Friedrich Ebbert, die regelmäßig Besuchergruppen durchs Energeticon führen, werden ihren Erzählungen einiges Neues hinzufügen können. Energie ist eben nicht nur Spannung, sondern auch spannend.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert