Energeticon: Rüstige Anna 8 schüttelt den Rost ab

Von: Karl Stüber
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Echte Enthusiasten in Sachen Bergbaugeschichte: Günter Schuhmacher (Energeticon) bringt eines der wieder aufgetauchten Schilder an. Foto: Karl Stüber
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Echte Enthusiasten in Sachen Bergbaugeschichte: Der Vorsitzende des Bergbaumuseumsvereins, Dr. Georg Kehren (l.) und Willi Vossen (Energeticon) sind froh, dass die legendäre Anna 8 wieder zu bewundern ist. Foto: Karl Stüber
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Hat die Anna-8-Schilder gefunden: Josef Pagen, Leiter des Depots des Bergbaumuseumsvereins. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Die hässliche grüne Schutzhaube ist entfernt. Erste kosmetische „Arbeiten“ haben das Erscheinungsbild von Anna 8 deutlich verbessert. „Die Dame kann sich wieder sehen lassen“, sagt Harald Richter, Geschäftsführer der gemeinnützigen Energeticon GmbH.

Die immer noch stattliche Lokomotive, die auf einem Gleisstück nahe dem Eingang zur Veranstaltungshalle des Energeticons steht, hat seit ihrer Stilllegung viel Rost angesetzt. Aber Günter Schuhmacher und Willi Vossen, technische Mitarbeiter der Energeticon gGmbH, haben nun die gröbsten Schäden und Rostlöcher beseitigt.

Erinnerungen werden wach

Schuhmacher verbindet mit Anna 8 ganz konkrete Erinnerungen. Als 16-jähriger „Elektro-Lehrling“ hatte ihn ein Lokführer auf der Maschine mitgenommen und ein Stück auf dem Gelände der Kokerei auf dem Annagelände „fahren“ lassen, wie der nun 68-Jährige immer noch mit einem Leuchten in den Augen erzählt.

Nun hat es der ehemalige Bergmann der eisernen Lady spät gedankt, neue Bleche eingeschweißt und schwarz überstrichen. Zerstörte Scheiben wurden durch widerstandsfähige Acrylfenster ersetzt. Pleuelstangen wurden wieder montiert, defekte Scheinwerfer ersetzt. Die neuen alten Lkw-Leuchten hat der Alsdorfer Schrotthändler Franz Plum beigesteuert, wie Richter erzählt.

Josef Pagen, unermüdlicher Ehrenamtler und Leiter des Depots des Bergbaumuseumsvereins Grube Anna 2 Alsdorf, steuerte verloren geglaubte Namensschilder des Lok bei, die sich nach dem Umzug des Vereins ganz hinten in einem Raum finden ließen. Die Kulturstiftung NRW hatte vor Jahren dem EBV die alte Lok abgekauft und dem Bergbaumuseumsverein überlassen, wie Vorsitzender Dr. Georg Kehren sagt.

Alte Technik erfahrbar machen

Natürlich ist Anna 8 nicht fahrbereit. Eine Generalüberholung würde mehrere Hunderttausend Euro kosten. Das wissen die Akteure und haben nicht die Herstellung der Fahrbereitschaft als Ziel – so schön dies auch wäre. Aber die Lokomotive kann auch als Standmodell eine wichtige Funktion im Ausstellungskonzept des Dokumentations- und Lernzentrums in Sachen Energieformen dienen: als Zeitzeugin des Bergbaus und (be-)greifbares Beispiel für die Nutzung von Steinkohle.

Dafür soll sie mit Hilfe von Gönnern und Förderern aus der Bevölkerung weiter herausgeputzt und hergerichtet werden. „Es ist wichtig, den Verfall der Lokomotive zu stoppen und sie zu konservieren“, sagt Kehren. Das kostet aber Geld, das weder Bergbaumuseumsverein, noch die gemeinnützige Energeticon gGmbH aufbringen können. Deshalb wird um Spenden gebeten.

Gedacht wird daran, auf dem Führerstand von Anna 8 alte Ventile wieder gängig zu machen und per Druckluftleitung die alte Pfeife wieder ertönen zu lassen. Der Sicherungskasten könnte mit LED-Leuchten Funktionen symbolisieren, die Feuerbüchse wieder rötlich flackern.

Erwogen wird der Zukauf weiterer Kohlewaggons, wie sie einst auf dem Annagelände zum Einsatz kamen – in Ergänzung von zwei vorhandenen Anhängern, einem Schüttgutwagen und einem Kohlewagen. Die warten auch noch darauf, aufgehübscht zu werden. So könnte ein kleiner Zug formiert werden. Sicherlich ein Blickfang auf dem Außengelände des Energeticons.

Auch mit 78 Jahren entert Josef Rieger mit sicherem Tritt und Griff den Führerstand der eisernen Lady und erläutert die Funktion von Hebeln. Rieger war Rangiermeister beim EBV und Lokführer auf Anna 8. Das verlernt man genauso wenig wie Radfahren. Noch heute gerät der rüstige Senior über die Eigenschaften der Lok ins Schwärmen.

Rangieren mit viel Gefühl

Gegenüber anderen auf dem Annagelände in Alsdorf eingesetzten Loks war sie fürs Rangieren sehr gut geeignet, da die Maschine dem Lokführer ein gutes Sichtfeld ermöglichte, sagt er. Dabei war Rieger mit Anna 8 ohne Heizer unterwegs, musste selbst Kohle nachlegen und den Wasserstand im Auge halten, um ein Überhitzen und eine möglicherweise verheerende Explosion zu vermeiden. Beim Rangieren war viel Gefühl gefragt, um die Mechanik nicht zu schädigen und die „thermisch auf die Räder geschrumpften“ Metall-Reifen zu schonen.

Als Filmdokument und -klassiker unter Bahnfans gilt übrigens der Film „Anna 8 unter Dampf“. „Rechtzeitig vor der letzten Fahrt des 56 Tonnen schweren Stahlkolosses hielten Volkskundler des Landschaftsverbandes Rheinland aus dem Bonner Amt für rheinische Landeskunde den Lok- und Rangierbetrieb auf den Grubenbahnhöfen im Wurmrevier auf Zelluloid fest.

Mit 600 Pferdestärken aus elementarer Energie von Feuer und Wasser rangierte die Lok 31 Jahre lang zischend und schnaubend tausende Tonnen Kokskohle auf dem Betriebsgelände der Kokerei Anna in Alsdorf bei Aachen“, heißt es dazu seitens des Landtags NRW. Am 30. September 1992 stellte die Kokerei Anna endgültig ihren Betrieb ein.

Erhalten geblieben ist auch das „Betriebsbuch“ von Anna 8. Darin sind alle technischen Serviceleistungen penibel festgehalten. Das sei bestimmt irgendwo zu finden, war zu hören. Wo, das wird bestimmt einer wissen oder herausfinden: Depot-Leiter Josef Pagen...

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