Energeticon in Alsdorf: Energie verstehen? Aber klar!

Von: Nina Leßenich
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Wissenschaft zum Anfassen: Anhand zahlreicher Mini-Experimente lernen die Besucher in Alsdorf die Prinzipien der modernen Energiegewinnung kennen. Foto: Nina Leßenich
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Mit dem Bergbau groß geworden: Hans-Georg Schardt arbeitete selbst lange Zeit unter Tage. Er war dafür zuständig, die Strecken voranzutreiben. Heute bietet er Führungen im Energeticon an – und kann dabei viele Anekdoten aus der Grube Anna erzählen. Foto: Nina Leßenich

Alsdorf. Hinter der Tür ist es dunkel und laut. Es dröhnt, zischt und knackt. Die Geräuschkulisse lässt den Sonnenraum im Energeticon in Alsdorf zunächst ein wenig bedrohlich wirken. Gleichzeitig ist die Atmosphäre aber faszinierend und gibt einen ersten Eindruck davon, wie beeindruckend die Kraft des roten Feuerballs sein kann.

Genau das ist wohl auch das Ziel des Energeticons, dessen Kernbotschaft „Von der Sonne zur Sonne“ lautet. „Die Sonne ist und bleibt unser wichtigster Energielieferant“, sagt Hans-Georg Schardt. „Sie war Voraussetzung zur Bildung von Biomasse, aus der fossile Energieträger wie Kohle entstehen konnten. Und auch in Zukunft ist sie für die moderne Energiegewinnung wichtig.“

Der zweite Vorsitzende des Vereins „Bergbaumuseum Grube Anna 2 Alsdorf“ ist seit seiner Kindheit eng mit dem Bergbau verbunden: Seine Großväter kamen nach Alsdorf, um dort im Bergwerk zu arbeiten, sein Vater war Steiger. Nach dem Abitur und während seines Studiums arbeitete Schardt selbst lange Zeit unter Tage. „Ich habe immer viel mit dem Bergbau zu tun gehabt. Es war mir deshalb immer ein Anliegen, möglichst viele Erinnerungen an diese Zeit zu erhalten“, sagt Schardt. „Das Energeticon erzählt eine zukunftsgewandte Geschichte, erlaubt aber eben auch einen Blick in die Vergangenheit“, fasst er das Konzept zusammen.

Die Dauerausstellung im Energeticon, die sich über einen 700 Meter langen Parcours erstreckt, erläutert die Energiewende. An insgesamt 18 Stationen stellt sie mit zahlreichen auditiven und digitalen Mitteln die schrittweise Abkehr der Nutzung von fossilen Energieträgern hin zu neuen, regenerativen Energiequellen dar.

Spaziergang durch die Zeit

Die Ausstellung beginnt mit der Geschichte der fossilen Energie. Auf zwei Leinwänden lodern Flammen auf, wenn man den zweiten Ausstellungsraum betritt. Die Videoprojektionen zeigen Gebirgsketten und Lavaströme, die sich ihren Weg durch die Landschaft fressen. In dem Raum mit den schwarzen Wänden ist es dunkel – ein Licht-Spot leitet die Besucher von einer Infosäule zur nächsten. In den Schaukästen sind verschiedene Energiequellen dargestellt – unter anderem Braun- und Steinkohle. Der Weg führt den Besucher weiter in einen durch Gitter abgetrennten Bereich. Ab hier dreht sich alles um die „historische Sonnenenergie“ Steinkohle. Verstaubte Kopflampen mit kiloschweren Akkus, überlebenswichtige CO2-Filter-Selbstretter mit Atemstück und Nasenschutz: An den Wänden hängen zahlreiche Utensilien für unter Tage. Und im nächsten Abschnitt der Ausstellung geht es auch genau dorthin: unter Tage.

Ein Video an der Decke des Aufzugs simuliert die Fahrt der Bergleute in das Bergwerk. Das Licht flackert, der Aufzug rumpelt auf seinem Weg nach unten. „Die Aufzüge damals machten so zwölf Meter die Sekunde. Das ging rasend schnell“, erzählt Schardt. Bis auf 860 Meter Tiefe rasten die Kumpel in Alsdorf so in die Tiefe. Der Aufzug im Energeticon fährt nur eine Etage herunter, aber man kann sich vorstellen, was Schardt meint.

Im halbrunden Gang des nachgebildeten Schachts im Kellergeschoss hängen rostige Rohre an der Decke. Die Wände sind mit Holzbrettern verstärkt, der Boden ist staubig. Das gedimmte Licht und die laute Tonkulisse lassen erahnen, wie sich der Arbeitsalltag unter Tage gestaltet haben muss. Überhaupt erinnert in den Tunneln viel an früher: An die Wände projizierte Videoaufnahmen zeigen, wie die Schächte vorangetrieben wurden, aus alten Strebtelefonen berichten ehemalige Bergmänner von ihrem Leben.

Durch den Schacht gelangen die Besucher anschließend auf das Außengelände des Energeticons. Auf rostigen Gleisen stehen dort zahlreiche Ausstellungswaggons, die früher für Transporte vom und zum Verbundbergwerk Anna genutzt wurden. Das Energeticon erstreckt sich über drei Gebäude der ehemaligen Grube Anna II. Schmiede, Fördermaschinenhaus und Kaue wurden für rund zwölf Millionen Euro umgebaut.

Über einen abschüssigen Weg gelangen die Gäste vom Außengelände wieder unter Tage. In allen Ecken klappert und scharrt es, in der Ferne rufen Männerstimmen; manchmal scheint es, als komme gleich ein kohleverschmierter Bergmann um die Ecke.

Durch den Schacht gelangen die Besucher in den letzten Teil der Ausstellung, der sich in der ehemaligen Kaue befindet. „Wenn ich das Bild sehe, bin ich gleich wieder unter Tage“, hallt es aus einem Lautsprecher. Im ersten Raum erzählen zahlreiche Fotografien die Geschichte des Bergwerks Anna. Zu einigen Bildern werden Tonaufnahmen von ehemaligen Bergmännern eingespielt, die von ihrer Arbeit in Alsdorf erzählen. Von hier aus geht es weiter in die ehemalige Schwarzkaue. In der großen Halle hängen immer noch dutzende Metallkörbe an schweren Ketten unter der Decke. Die Bergmänner verstauten hier ihre Arbeitskleidung.

Die Welt des Bergbaus endet hier. In der ehemaligen Waschkaue beginnt die Zeit der erneuerbaren Energien. Die Stimmung in diesem Ausstellungsbereich ist gleich eine andere: Die Einrichtung ist modern, die Farbgestaltung in hellen Gelb- und Orangetönen wirkt freundlich und einladend. Hier erinnert kaum noch etwas an die dunkle und dreckige Welt des Bergbaus.

In der Waschkaue veranschaulichen Karten der einzelnen Kontinente die klimatischen Veränderungen der Vergangenheit und Zukunft. Dazu zeigen Fotografien von Mathias Braschler und Monika Fischer Porträts von Menschen, die mit den Folgen des Klimawandels leben müssen.

In der ehemaligen Weißkaue erwartet den Besucher eine Art Energiespielplatz. An zahlreichen interaktiven Stationen kann man sich selbst ein Bild davon machen, wie Energie entsteht und was sie leisten kann. Eine Wärmebildkamera zeigt, an welchen Körperstellen man am meisten Wärme verliert, an Seilzügen mit Gewichten können Interessierte ihre körperliche Kraft testen, und in der Mitte des Raums demonstriert ein Fahrrad mit Propeller das Prinzip der Energieumwandlung, indem es fleißige Treter buchstäblich abheben lässt. Die Ausstellung endet mit einem Bereich zum Thema regenerative Energien: Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Sonnenlicht sowie Sonnen- und Erdwärme stehen hier im Fokus und können in kleinen Experimenten spielerisch erforscht werden.

Der Weg führt zurück in den Eingangsbereich des Energeticons. Wen nach dem Ausflug durch die Geschichte der Energiegewinnung der Hunger plagt, auf den wartet dort das „Eduard“. Mit moderner Einrichtung in gemütlichem Ambiente mit Industriecharakter lädt das Restaurant seine Besucher zum Verweilen ein. Die Crossover-Küche bietet hungrigen Gästen einen spannenden Mix aus italienischer und türkischer Kochkunst. Das Restaurant bietet wechselnde Mittagsgerichte, eine ausgewählte Abendkarte sowie eine umfangreiche Weinkarte.

Für wen sich ein Besuch im Energeticon lohnt? „Ich war neulich mit meinen Enkeln hier, die sind neun und sieben Jahre alt“, erzählt Hans-Georg Schardt. „Die waren total begeistert: Sie konnten ja ganz viel selbst ausprobieren. Das macht Kindern natürlich Spaß!“ Nichtsdestotrotz glaubt Schardt, dass auch Erwachsene im Energeticon auf ihre Kosten kommen: „Der Wechsel zu neuen Energien betrifft uns alle und ist deshalb für alle Altersklassen interessant“, meint er. Wer sich alles in Ruhe anschauen möchte, solle sich für seinen Besuch rund zwei Stunden Zeit nehmen.

Das Energeticon im Internet: www.energeticon.de

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