Alsdorf - Energeticon: Fördermaschinenhaus wird immer interessanter

Energeticon: Fördermaschinenhaus wird immer interessanter

Von: Karl Stüber
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Das Fördermaschinenhaus des Energeticon: Die Einrichtung wird als Tagungsstätte immer bekannter und beliebter. Das Bild zeigt eine Veranstaltung des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik (Aachen), an der rund 150 Wissenschaftler und Firmenvertreter teilnahmen. Foto: Stefan Schaum
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Das Fördermaschinenhaus des Energeticon: Die Einrichtung wird als Tagungsstätte immer bekannter und beliebter. Das Bild zeigt eine Veranstaltung des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik (Aachen), an der rund 150 Wissenschaftler und Firmenvertreter teilnahmen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Zwei Tage lang haben jetzt rund 150 Teilnehmer aus Wissenschaft, Technik und Wirtschaft in der ehemaligen Fördermaschinenhalle, der Veranstaltungsstätte der Energeticon gGmbH, Referaten gelauscht und diskutiert – auf Einladung des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik. Es war der „2. Aachener Ultrakurzpuls Laser-workshop“.

Es ging um wichtige Entwicklungen, die industriell umgesetzt werden in den Bereichen Strukturieren, Bohren und Schneiden. Die Alsdorfer Tagungsstätte Energeticon am Rande des Annageländes hat sich mittlerweile in der internationalen Gemeinschaft der Forscher und Wissenschaftler „rumgesprochen“, freut sich der Geschäftsführer der gemeinnützigen Energeticon-Gesellschaft, Harald Richter.

So hatte zum Beispiel das nicht minder renommierte Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen in historischem Ambiente eine Tagung mit rund 300 Teilnehmern ausgerichtet. „Diese Form der Nutzung wollen wir jetzt noch intensiver ausbauen“, hat sich Richter zum Ziel gesetzt. Neben dem so weiter steigenden Bekanntheitsgrad werden wichtige Einnahmen aus der Vermietung erzielt, betont er. Bislang lag der Schwerpunkt auf Kulturveranstaltungen. Die sollen natürlich weiter gepflegt werden. So steht zum Beispiel das „Mai Klassik Festival“ vom 10. bis 12. Mai an, am 10. Juni folgt „Mein Parzival“ (Greta), am 19. Juli das Konzert „Signal X“.

Aber es gibt noch weitere Nutzer des Energeticon aus einem Bereich, mit dem Richter gar nicht gerechnet hatte, die aber genauso willkommen sind. Es geht um Film und Fernsehen. Produktionsfirmen haben die Bergbaurelikte als „Location“, also als Drehort entdeckt. So produzierte beispielsweise die Constantin Entertainment GmbH Szenen für die Vox-Reihe „Shopping Queen“ in Alsdorf. Da müssen Frauen auf Zeit und zu bestimmten Vorgaben einkaufen. Das so zugelegte Outfit wird von einem gewissen Guido Maria Kretschmer kommentiert, seines Zeichens Designer. „Die eigentliche Einkaufstour der Damen wurde in Aachen gedreht. Aber das Ergebnis wurde dann im historischen Umfeld präsentiert“, berichtete Richter.

Und auch für eine weitere Reihe wird jetzt von Constantin in Alsdorf gedreht: „Extrem schön! Endlich ein neues Leben“. Die Sendung wird von rtl 2 ausgestrahlt. Hierbei verhilft ein Team aus Ärzten, Psychologen, Fitnesstrainern und Ernährungsberatern „Mauerblümchen“ zu Traumaussehen und neuem Selbstwertgefühl, wie der Sender meint. „Mindestens acht Wochen Entbehrungen und Schmerzen“ sind der Preis. „Doch die überschäumende Freude nach den Verwandlungen ist überwältigend“, heißt es weiter in der Eigenwerbung.

Naja, „Reality-TV“ ist nicht jedermanns Sache ... Aber auch hierfür wird schließlich Miete ans Energeticon bezahlt. Und die „sanierte Person“, die in oder vor alten Industriegebäuden gezeigt wird, erscheint um so effektvoller als runderneuert.

Bei so viel Glamour wird aber die Kernaufgabe des Energeticon seitens der Gesellschaft nicht vergessen. Es geht um den Ausbau zum Dokumentationszentrum Energie. In den letzten Monaten waren keine großen Aktivitäten auf dem Gelände zu erkennen, wenn man mal von dem Umräumen der vom Bergbaumuseum Grube Anna zusammengetragenen Zeugnisse aus der Zeit des Steinkohlebergbaus absieht. Die meisten Arbeiten fanden hinter den Kulissen statt. In der ehemaligen Schmiede und der Kaue lief der Rohbau, wurden Wände eingerissen oder versetzt.

Die Gebäude sollen vorbereitet werden, um die Ausstellungselemente für historische (fossile) und regenerative Energieformen aufzunehmen. „Wir liegen voll im Bauzeitplan“, freut sich Geschäftsführer Richter. Jetzt gingen die Ausschreibungen für Heizung, Sanitär, Lüftung und Aufzüge raus. Der Fahrplan ist eng gefasst, soll doch das Dokumentationszentrum, das auch als außerschulischer Lernort dient, Ende August 2014 seine Pforten öffnen.

Die Besitzverhältnisse sind zwischenzeitlich glatt gezogen worden. So wurde der Erwerb des Hauptgrundstücks von der Landeseinrichtung NRW.Urban durch die Stadt vollzogen und ins Grundbuch eingetragen. Die Finanzierung erfolgte aus Mitteln des Energeticon Fördervereins, der seit August vergangenen Jahres den Namen Pro Energeticon e.V. trägt, um seine neue Rolle als Förderer noch deutlicher zu machen.

In der gedeckelten, also nach oben nicht ausbaufähigen Finanzierung musste die Energeticon gGmbH allerdings eine erhebliche Belastung auffangen. Rund 500.000 Euro verschlingt die Sicherung des Kauengebäudes – eine Erblast des großen Grubenunglücks von 1930. Das Gebäude war damals zu eilig neu errichtet worden, um die Kohleförderung zu gewährleisten.

Das ging auf Kosten der Qualität und Standfestigkeit bzw. der Statik. Diese Ausgaben wurden durch Umschichten im Etat aufgefangen, wie jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung zu erfahren war. Auch die Stadt Alsdorf räumt ein: „Die zur Verfügung stehenden Mittel von circa 4,5 Millionen Euro für Gebäudesanierung, gebäudetechnische Anlagen und Außenanlagen sowie circa 3,4 Millionen Euro für die Kernausstellung sind ein sehr knappes Budget und verlangen vom Bauherrn eine sehr kostenbewusste Projektsteuerung.“

Dennoch ist Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter zuversichtlich, dass alles ohne Einbußen beim geplanten Dokumentationszentrum realisiert wird.

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