Energeticon: Ehemalige Bergleute führen durch den „schwarzen Teil“

Von: Karl Stüber
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Stolz wie Steiger: Zum Team der fachkundigen Führer durch den Bergbauteil des Energeticon gehören (v.l.n.r.) der einzige Nicht-Steiger Georg Schardt sowie die „Profi“-Kollegen Dieter Macko, Heinz Kniesch, Friedrich Ebbert, Hartmut Krämer, Werner Sprenker und Volkmar Mund. Foto: Pixelcowboys

Alsdorf. „Glück auf, der Steiger kommt“ – dieses legendäre Lied, das den Alltag der Bergleute beschreibt, kennen noch viele Bewohner des ehemaligen Wurmreviers. Aber hier im Nordkreis und auch anderswo werden es immer weniger.

Die Garde der alt gewordenen Kumpel tritt allmählich von der Bühne ab. Ihre Arbeitsstätten sind bis auf wenige schon historische Bauwerke abgerissen und verschrottet, auf die unterirdischen Schächte und Strebe kam der Deckel drauf. Sie sind längst mit Grundwasser gefüllt. Aber bis zuletzt halten einige Kumpel die Erinnerung an den Steinkohlenbergbau wach. Und so heißt es nun im Energeticon, der Dokumentationsstätte für historische und regenerative Energieformen: Der Steiger kommt wieder! Und diese fachkompetente Autorität übernimmt bei Führungen durch den „schwarzen Teil“ der Permanentausstellung wieder das Sagen im 1:1 nachgebauten Revier. Der Bereich regenerative Energien wird bei diesen Führungen nicht angesteuert.

So dürfte bei der Begegnung der Generationen endlich mal die saloppe Ansprache durch Jüngere, „Ey Alter“, bezüglich der Lebensjahre garantiert stimmen.

Die äußerst erfahrenen Steiger haben auch nach dem Aus für den Steinkohlenbergbau Ende 1992 nichts an Wissen und Einsatzfreude eingebüßt und freuen sich auf ihre Aufgabe. Sie wissen genau, wie man mit jungen Leute umzugehen hat, auf dass beide Seiten etwas davon haben. Volkmar Mund (63), Hartmut Krämer (78), Heinz Kniesch (78), Friedrich Ebbert (84) und Dieter Macko haben sich zudem akribisch auf die Führungen vorbereitet. Hinzu kommt noch der Archäologe Georg Schardt, Sohn eines Steigers. Die Besucherbegleitung („Steigerparcours“) ist in Wort und Bild exakt ausgearbeitet. Jetzt müssen nur noch die Besucher kommen.

An jedem dritten Donnerstag im Monat werden „offene Führungen“ angeboten, an denen auch Einzelpersonen teilnehmen können, wie Lea Erkens, Pädagogische Leiterin und Managerin für Fachveranstaltungen im Energeticon erläutert. Allerdings wird um Anmeldung über die üblichen Kontaktmöglichkeiten gebeten, da maximal 15 Personen an der Besichtigung teilnehmen können. Der Kontakt: Telefon 02404/59911-0 bzw. info@energeticon.de. Der Kostenpunkt liegt bei zwölf Euro inklusive Eintritt und Bergmannsschnaps bzw. Softgetränk im Bistro Eduard, ergänzt der Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, Harald Richter. Führungen für Schulklassen müssen natürlich jeweils wochentags organisiert werden,

Einige Steiger können bereits auf einschlägige Erfahrungen als Führer durch die Welt des Bergbaus zurückgreifen. Als noch der Bergbaumuseumsverein Grube Anna II auf dem Terrain des heutigen Energeticons den Hut aufhatte, wurden innerhalb von zehn Jahren rund 70.000 Besucher durch die vom Verein zusammengestellten Bereiche geführt, wie der Älteste unter den Senioren, Werner Sprenker (90), erzählt. Er wird sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf die rund eineinhalb Stunden lange Führung begeben, will aber mit Rat und Tat das neue Angebot Steigerführung unterstützen.

Der erläuternde Werbeslogan auf dem Begleitplakat lautet: „Ein ehemaliger Bergmann zeigt Ihnen seine Kull.“ Und gibt nachdenklich stimmende Einblicke in die Anforderungen des damaligen Arbeitslebens und der damit verbundenen Anforderungen. Wenn zum Beispiel Dieter Macko darüber berichten wird, schon mit zarten 13 Jahren als Lehrling angefangen zu haben. Heutzutage hieße es empört: Das ist doch Kinderarbeit! Und dann noch bei all‘ dem Dreck und Staub!

Dass erfahrene Senioren authentisch gegenüber gerade jungen Leute rüberkommen, wird von der Pädagogischen Leiterin Lea Erkens betont. „Schüler hängen den Senioren geradezu fasziniert an den Lippen.“ Das hat in der Vergangenheit schon mal dazu geführt, dass vergleichbare Führungen deutlich länger dauerten, ohne dass es langweilig wurde. Geschäftsführer Harald Richter ist sich sicher, dass das Konzept aufgehen und eine „Generationenbrücke“ gebaut wird.

Heinz Kniesch, der sich richtig in die komplizierte Materie Steinkohlenbergbau „hineingegraben“ und mehrere Bücher darüber geschrieben hat, sagt: „Die Führungen mit Schülern sind vielleicht die schöneren – wegen der vielen Fragen, die man beantworten kann.“ Wissen macht halt doch was, Nicht-Wissen ist langweilig.

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