Energeticon: Dem Elektroantrieb gehört die Zukunft

Von: Rolf Hohl
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Die Einladung zur Probefahrt wurde gern angenommen: das hochmoderne E-Fahrzeug von Tesla vor der altehrwürdigen Dampflok Anna 8 auf dem Außengelände des Energeticons in Alsdorf. Foto: Energeticon/Krottenmüller
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Die Fachleute diskutierten: (v.l.) Theo Jansen vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg, Lothar Stanka, Vertriebsleiter für Elektromobilität bei Innogy, Christian Steinborn von e.GO Mobile, Matthias Dürr von der Landesinitiative Elektromobilität NRW und der Vorsitzende der HyCologne Wasserstoff Region Rheinland, Albrecht Möllmann. Foto: Energeticon/Krottenmüller

Alsdorf. Es sind schon viele an dem Versuch gescheitert, die Zukunft zuverlässig vorauszusagen. Das Auto wurde einst als kurzlebige Modeerscheinung verschrien, Erdöl als völlig unbrauchbarer Rohstoff gehandelt, und lange hielt sich die Behauptung, dass Maschinen, die schwerer sind als Luft, niemals fliegen könnten.

Vielleicht steht eine solche Entwicklung auch in der Elektromobilität an. Einen eher vorsichtigen Blick in die Zukunft wagten deshalb fünf Experten der Branche beim Forum „Nachhaltige Mobilitätsentwicklung“ im Energeticon.

Als ein Teil der Energiewende, erklärte Theo Jansen vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg, müsse man die „Verkehrswende“ verstehen. Gerade in Nordrhein-Westfalen seien die Probleme in Gestalt von kaputten Straßen, Staus, hoher Abgasbelastung und überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich sichtbar. „Es führt in Zukunft kein Weg daran vorbei, sich frühzeitig auf ein Verbot von Verbrennungsmotoren in Innenstädten vorzubereiten“, mahnte er.

Derzeit sei der politische Druck für solche Maßnahmen aber noch zu gering, da die deutsche Industrie stark von der Automobilproduktion abhängig sei. „Da melkt man die Kuh solange wie möglich, mit all den negativen Effekten, die das mit sich bringt.“ Dabei grenze etwa der Umgang mit dem Dieselskandal bereits an organisierte Kriminalität, so Jansen.

Weil insbesondere jüngere Leute immer weniger bereit seien, diesen Preis zu zahlen, sei geradezu mit einer Revolution im Mobilitätssektor zu rechnen, sagte Matthias Dürr von der Landesinitiative Elektromobilität NRW. Es werde künftig viel mehr darum gehen, den Menschen attraktive Dienstleistungen anzubieten, etwa in Form von Car-Sharing oder intelligenten Systemen im ÖPNV.

Es herrschte insgesamt Einigkeit darüber, dass diese Entwicklungen hauptsächlich davon abhängig seien, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen würden. „Wenn Verbrenner in Innenstädten verboten werden, wird man sehen, wie schnell die Nachfrage nach Elektroautos ansteigt“, sagte Dürr.

Bisher waren die hohen Preise für elektrisch betriebene Fahrzeuge noch für viele ein Hindernis. Seit das Aachener Unternehmen e.GO Mobile aber mit seinem vergleichsweise kostengünstigen „e.GO Life“ auf dem Markt ist, wächst der Druck auf die konventionellen Autobauer. Christian Steinborn ist von e.GO Mobile, die ab 2019 jährlich 10 000 der kleinen Elektroflitzer in Aachen produzieren will. Neben dem Preis seien die Reichweite und ökologische Kriterien wie Lärm und Emissionen entscheidend für den Erfolg eines solchen Autos beim urbanen Zielpublikum, sagte Steinborn.

Dass die Elektromobilität in Deutschland noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist, hängt auch mit dem zögerlichen Ausbau der Lade-Infrastruktur zusammen. Das dürfte sich jedoch bald ändern, sagte der Vertriebsleiter für Elektromobilität bei der RWE-Tochter Innogy, Lothar Stanka. Die sinkenden Kosten für die Batterien der Elektroautos und die damit einhergehende Nachfrage mache Investitionen in Ladestationen zunehmend rentabel.

Dennoch: „Heute ist der Ausbau von Lade-Infrastruktur noch kein gewinnbringendes Geschäftsfeld – es ist eine Investition in die Zukunft.“ Mit rund 5400 Ladestationen ist Innogy europaweit der größte Anbieter in diesem Bereich.

Etwas in den Hintergrund gerückt sind in jüngster Zeit die Wasserstoff-Brennstoffzellen. Diese könnten für die Region deshalb interessant sein, weil Wasserstoff in der rheinischen Chemieproduktion bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse als Nebenprodukt anfällt, erklärte der Vorsitzende der HyCologne Wasserstoff Region Rheinland, Albrecht Möllmann.

„Bei der sicheren Speicherung von Wasserstoff wird derzeit viel geforscht, und es ist noch nicht absehbar, wie sich das entwickeln wird.“ Er rechne damit, dass Brennstoffzellen vor allem bei den größeren Fahrzeugen des ÖPNV verstärkt zum Einsatz kommen werden.

Die Diskussionsrunde, geleitet von unserer Redakteurin Verena Müller, konnte auf die meisten Fragen der Besucher Antworten geben. Manches aber, etwa die Frage nach der künftigen Leistungsfähigkeit und Ausdauer neuer Batterie-Generationen oder der Bezahlmöglichkeiten an den Ladestationen, wird erst die Zukunft zeigen müssen.

Wie es sich jedoch dereinst anfühlen könnte, sich fast geräuschlos aber dennoch kraftvoll fortzubewegen, konnten die Interessenten vor dem Energeticon ausprobieren. Noch bis in den späten Abend wurden dort Probefahrten gemacht und über die Zukunft der Elektromobilität diskutiert.

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