Eltern stellen Schulwegsicherheit infrage

Von: Elisa Zander
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Engstelle: Ein Teil der Gracht
Engstelle: Ein Teil der Grachtstraße, wie hier von der Amstelbachstraße hin zum Bahnhof Kohlscheid, verfügt über keinen Gehweg, ist laut Angabe besorgter Eltern unter vier Metern breit. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Darüber, dass der Ortstermin Anfang Oktober von der zuständigen Fachbehörde der Polizei nicht wahrgenommen wurde, da diese nicht an öffentlichen, sondern nur an behördlichen Terminen teilnimmt, ärgern sich nicht nur einige Mitglieder des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur (BSK).

Vor allem viele Eltern sehen darin eine Verzögerung der möglichen Lösung der Schulweg-Problematik im Ortsteil Bank.

Hintergrund: Bis zu diesem Schuljahr wurde Kindern aus Bank, die die Grundschule Kohlscheid-Mitte besuchen, eine Busfahrkarte zu 50 Prozent von der Stadt finanziert. Schließlich war der Schulweg von der Polizei als „besonders gefährlich” eingestuft worden, da der Weg durch einen Verkehrstunnel führte, den „Banker Schlauch”. Der darin befindliche Fußweg ist schmal. Ebenso die Fahrbahn, die aufgrund dessen immer nur in eine Richtung befahren werden kann.

„Anlass zur Sorge”

Mittlerweile gibt es mit dem Fußgängertunnel am Bahnhof Kohlscheid eine Fußweg-Alternative. Die wurde von der Polizei als zuständige Fachbehörde und Herzogenraths Verkehrsingenieur ebenfalls auf besondere Gefährlichkeit hin überprüft und nicht bestätigt. Das hatte zur Folge, dass Eltern betroffener Kinder kurz vor den Sommerferien darüber informiert wurden, dass sich die offizielle Schulwegempfehlung der Stadt ändern werde. Da der neue Schulweg für viele Kinder unter zwei Kilometern lang und als nicht besonders gefährlich eingestuft ist, fällt auch der Zuschuss zur Fahrkarte gemäß Schülerfahrkostenverordnung weg (wir berichteten).

„Unser Ziel sollte sein, das wieder rückgängig zu machen”, sagte Anne Fink (Grüne). Die Gracht-straße mit den Kritikpunkten fehlender Gehsteig, nicht befestigte Randstreifen oder Regenläufe und mangelhafte Beleuchtung waren für Andreas Schmälter (SPD) „Punkte, die Anlass zur Sorge geben”. Der Verkehrsfluss sei „schwer einsehbar”, die Einbahnregelung werde „nicht immer eingehalten”. Hinzu käme, dass dieser Bereich „im Winter von der Stadt nicht geräumt oder gestreut wird”. Der Knotenpunkt Bach-/Gracht- und Amstelbachstraße - letztere „ist sogar als Landstraße ausgewiesen” - und die Verkehrssituation „ist für ein Kind schwer zu erfassen”, so Schmälter weiter.

Daran, dass es „bis zu den Herbstferien eine Lösung geben sollte”, erinnerte Christoph Pontzen (FDP). „Die Grachtstraße ist als Schulweg nicht zumutbar”, stimmte er Schmälter zu. Pontzen befürchtet außerdem, dass es mit der Fertigstellung des Gebiets Richtericher Dell zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen am empfohlenen Schulweg kommt.


„Der Argumentation der Eltern können wir an vielen Punkten folgen”, sagte Renate Gülpen (CDU). Die Fußgängerunterführung am Bahnhofsgelände sei „schön ausgeleuchtet, aber bei Dunkelheit habe ich, wenn ich da durch gehe, auch einen Kloß im Bauch”. Gülpen nannte auch die Roermonder Straße als „besondere Gefährdung bei einer Querung für Kinder im Grundschulalter”. In dem Zuge kündigte sie an, im Bau- und Verkehrsausschuss die Verwaltung zu beauftragen, alle Schulwege im Stadtgebiet, die an stark befahrenen Straßen entlang führen, zu prüfen und vorzustellen.

Kostenübernahme nicht zulässig

Den Fußgängertunnel am Bahnhofsgelände zu nutzen, ist in den Augen von Toni Ameis (Die Linke) keine Alternative. „Da treiben sich Leute rum, die eigentlich nicht auf den Bahnhof gehören.”

René Heeg, Sprecher der Grundschulen und Leiter der KGS Regenbogenschule, appellierte, „den Spielraum in der Rechtslage zum Wohle der Kinder zu nutzen”.

Die Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann erklärte auf Nachfrage, dass, wenn der Schulweg nicht unter „besonderer Gefährlichkeit” ausgewiesen ist, es für die Stadt „nicht zulässig” sei, Kosten für Busfahrkarten zu übernehmen. Grundlagen für eine Einstufung, die seitens der Polizei erfolge, seien sachverständige Auskünfte von der städtischen Verkehrsbehörde und der Polizei.

Die neu anberaumte Ortsbegehung mit der Polizei ist jedenfalls bereits terminiert, Birgit Froese-Kindermann wird daran ebenfalls teilnehmen.

Als „extrem unerfreulich” empfindet Mechthild Koch die Entwicklung. Die Mutter, deren Tochter die erste Klasse der Grundschule Kohlscheid-Mitte besucht, begleitet ihr Kind nun jeden Morgen zur Schule. Alleine will sie sie nicht gehen lassen. „Der Tunnel am Bahnhof ist zwar hell beleuchtet, aber total einsam.”

Und Ellen Pinsdorf, deren Kind ebenfalls die Grundschule Kohlscheid-Mitte besucht, bildet mit anderen Eltern Fahrgemeinschaften, um die Kinder sicher zur Schule zu bringen. „Dieser Weg ist in jeglicher Hinsicht völlig indiskutabel. Die Eltern fürchten, dass auf diese Weise versucht wird, der Schule Schüler streitig zu machen.”


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