Eltern kämpfen um ihre Zwergschule

Von: Stefan Schaum
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Frische Farbe, strahlende Zukunft? Auch die Kinder wollen tatkräftig dafür sorgen, dass ihre Zwergschule erhalten bleibt. Foto: Stefan Schaum
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Frische Farbe, frischer Schwung: Auch die Kinder wollen tatkräftig dafür sorgen, dass ihre Zwergschule erhalten bleibt. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Den Gedanken daran, dass die hohe Eingangstür vielleicht schon bald für immer dicht sein könnte, kann Nicole Hahn nicht ertragen. Schließlich ist sie selbst schon hier in Beggendorf zur Schule gegangen. Und ihre Mutter. Und sogar die Oma, stolze 88 ist die Gute mittlerweile.

Derzeit besucht Nicole Hahns Tochter Isabel die erste Klasse – und hat dort exakt sechs Mitschüler. Sechs! Es ist halt eine Zwergschule. Ein Auslaufmodell. Aber eines, um das die Eltern jetzt mit allen Mitteln kämpfen wollen. „Nein“, sagt die 34-jährige Mutter, „diese Tür wird nicht verschlossen bleiben!“

Eine Elterninitiative haben sie vor ein paar Tagen gegründet, mit der sie jetzt das ganze Dorf aufscheuchen wollen, wenn es sein muss. „Viele hier wissen gar nicht wirklich, was passiert, wenn die Schule tatsächlich mal schließt“, sagt Hahn.

Dann müssen die Kinder nämlich raus aus dem Dorf und auf andere Schulen – und vielleicht ziehen ein paar Familien gleich ganz weg. Oder junge Familien entscheiden sich von vorneherein gegen ein Grundstück in Beggendorf. Derzeit sind ein paar Bauflächen im Angebot – aber noch gibt es die Schule ja.

Plakate wollen die Eltern überall aufhängen und vielleicht sogar von Haustür zu Haustür gehen und klingeln. „Die Menschen müssen einfach immer wieder darüber sprechen, dass Beggendorf dringend mehr Schüler braucht.“ Denn so können sie Werbung machen – auch in anderen Ortsteilen –, um dann womöglich den ein oder anderen Grundschüler von außerhalb zu gewinnen.

Jeder zählt, so viel steht fest. Aktuell hat die Schule 52 Kinder, nach den Sommerferien werden es 49 sein. Fällt die Zahl unter 46, ist die Schule dicht und kann nicht einmal mehr – wie seit wenigen Jahren – als Standort der Grengrachtschule erhalten bleiben. Zu wenig Schüler: Endstation – so will es das Landesschulgesetz.

„Aber das“, sagt Nicole Hahn, „passiert ja nicht“. Ist das Zweckoptimismus? Eher Mutterliebe. Sie selbst hat noch zwei jüngere Töchter – und auch die sollen mal lernen können, wo schon Uroma gebüffelt hat. „Das Dorf braucht seine Schule. Basta.“

Einen Silberstreif sieht sie am Horizont: Es gibt wieder mehr ganz kleine Kinder im Dorf. Aber bis die einmal zur Schule gehen, bleibt es wohl eine Zitterpartie. Denn die starken Klassen sind die derzeit dritten und vierten. Sind die weg – und kommen nicht genug Kinder nach – wird es düster.

Kräftig aufgehübscht

Auch deshalb wird das Gebäude, das in wenigen Tagen sein 100-Jähriges feiert, derzeit kräftig aufgehübscht. Mehrere Farbeimer und eine Malerin hatte die Stadt spendiert, um die Schulflure zu streichen. Einige Eltern haben dabei mitgeholfen. Alles soll gut aussehen, wenn am 3. Mai von 8 bis 11.30 Uhr der Tag der offenen Tür stattfindet.

Kräftig wollen sie dann die Werbetrommel rühren für die Schule und zeigen, dass es auch in Beggendorf seit diesem Schuljahr ein Betreuungsangebot gibt. Dass es Computer gibt und auch sonst alles, was Schulen so haben. Und dass man obendrein den Luxus hat, dass sich die Lehrer hier noch etwas mehr Zeit für jedes einzelne Kind nehmen können.

Die Farbe auf der Eingangstür ist kaum trocken. Ein kräftiges Weiß trägt sie jetzt. Der Flur dahinter strahlt leuchtend gelb. Diesen Flur sollen Schüler noch viele Jahre lang betreten können, sagt Nicole Hahn. „Für all das will ich gern kämpfen!“

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