Eltern eines behinderten Jungen liegen mit Schulamt über Kreuz

Von: Karl Stüber
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Aufgeben gilt nicht: Trotz des Ärgers mit dem Schulamt der Städteregion Aachen haben Mattis Wagner und seine Eltern Helga Wagner und Robert Zopp das Lächeln nicht verlernt. Foto: Karl Stüber

Herzogenrath/Baesweiler. Mattis Wagner ist traurig, verärgert und kränkelt. Nur selten ist dem Elfjährigen ein Lächeln zu entlocken. Ihn hat es arg mitgenommen, dass er auch weiterhin nicht mehr an seiner gewohnten Gemeinschaftsgrundschule in Herzogenrath-Pannesheide unterrichtet werden und mit seinen Schulkameraden zusammen sein darf. Das hat das Schulamt der Städteregion verboten.

Das Verwaltungsgericht Aachen (VG) hat jetzt den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung von Mattis‘ Eltern, Helga Wagner und Robert Zopp aus Baesweiler, zurückgewiesen, ihn bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache für das laufende Schuljahr in Pannesheide zu belassen und „mit allen Rechten und Pflichten eines zieldifferent zu fördernden Schülers im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zu beschulen“ – also so, wie in den vergangenen fünf Jahren.

„Wo bleibt das Wohl des Kindes?“

Der Besuch der Pannesheider Einrichtung für ein weiteres Jahr ist den Erziehungsberechtigten aber sehr wichtig, um diese Zeit zu nutzen, um für ihren Sohn eine adäquate weiterführende Schule zu finden. Denn Mattis ist ein „Downie“, wurde also mit dem Down-Syndrom geboren, und bedarf einer gezielten und weiterführenden Förderung unter Gleichaltrigen ohne Handicap. Ganz im Sinne des Auftrags der UN-Behindertenrechtskonvention zur inklusiven Bildung an allgemeinen Schulen in NRW, wie sie sagen.

Bislang waren die Eltern davon ausgegangen, dass Mattis auch noch ein sechstes Jahr in Pannesheide bleiben kann. Aus ihrer Sicht viel zu spät wurde ihnen mitgeteilt, dass aufgrund einer ergänzenden Ausbildungsverordnung dies nicht mehr möglich ist. Ersatzweise wurde seitens der Städteregion darauf verwiesen, Mattis könne an der Rodaschule in Herzogenrath oder der Gemeinschaftshauptschule an der Aretzstraße in Aachen unterkommen.

Der Verbleib in Pannesheide sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich und unter pädagogischen Aspekten nicht sinnvoll. Würde man ihn dort bis zur Entscheidung in der Sache weiter beschulen, würden gegebenenfalls Tatsachen geschaffen und bei den Eltern möglicherweise falsche Erwartungen hervorgerufen.

Die Vorschläge des Schulamtes sagten den Eltern aber auf Grund der größeren Entfernung nach Aachen und den Schulkonzepten nicht zu. „Wo bleibt da das Wohl des Kindes“, kritisiert Helga Wagner das Schulamt der Städteregion. „Die kennen Mattis doch gar nicht. Die haben sich noch nie mit uns direkt auseinandergesetzt.“

Über ihren Anwalt erfuhren Wagner und Zopp nun die neueste Wendung in Sachen Mattis. „Jetzt wird ein Platz in der Realschule Setterich angeboten, obwohl wir dort schon mal abgelehnt worden waren und uns geraten wurde, uns an die Realschule in Geilenkirchen zu wenden“, berichtet Wagner. Zudem seien die Eltern seitens der Städteregion auf die Einhaltung der Schulpflicht hingewiesen worden. Sie wollen nun die Lage mit ihrem Anwalt durchsprechen. Erwogen wird eine Beschwerde gegen den Entscheid des Aachener Gerichts vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster.

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