Ellen Muriel: Arbeit in der Flüchtlingshilfe künstlerisch verarbeitet

Von: Nadine Tocay
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Die britische Schauspielerin Ellen Muriel bei ihrem Solo-Theaterstück im Soziokulturellen Zentrum. Foto: Nadine Tocay

Herzogenrath. Mit britischem Humor, Selbstreflexion und Tiefsinn hat die aus der Nähe von Brighton stammende Schauspielerin Ellen Muriel am Samstagabend im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen ihr Publikum mit ihrem autobiografischen Theaterstück „You, me and the distance between us“ (Du, ich und die Distanz zwischen uns) begeistert und berührt. Initiiert wurde die Aufführung vom Bistum Aachen.

Eine bunte Mischung aus Monologen, Poetry Slam, Schatten- und Puppenspiel – allesamt in Muriels Muttersprache Englisch – bannte über eine Stunde lang das Publikum. Nach ihrer Ausbildung zur Schauspielerin half die 23-Jährige von Oktober 2015 bis April 2016 als Volontärin in Flüchtlingscamps auf Lesbos, in Idomeni und dem sogenannten Dschungel von Calais. Ihre ursprünglichen Erwartungen und das Erlebte verarbeitete sie danach auf künstlerische Art.

Ohne Kostümierung, barfuß und mit nur wenigen Requisiten fokussierte sie die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf das Wesentliche: die im Titel angesprochenen Distanz zwischen den Menschen. Diese beziehe sich auf unterschiedliche Dinge, erläuterte Muriel. „Es ist die Entfernung zwischen meiner Meinung und der meiner Familie und Freunde, der Unterschied zwischen Leuten, die als Flüchtlingshelfer vor Ort aktiv waren und denen, die die Camps nur im Fernsehen gesehen haben, und vor allem die Distanz zwischen meinem Leben und dem der Geflohenen.“ In diese unterschiedlichen Perspektiven gab Muriel bei ihrer „One-Woman-Show“ einen Einblick.

Mit Hilfe eines ausgeleuchteten Zeltes und dem Spiel mit Licht und Schatten ließ sie die Zuschauer in die Gedanken der Flüchtlinge eintauchen. Tag für Tag stünden die Flüchtlinge hinter dem geschlossenen Grenzzaun, warteten und hofften, dass er sich endlich öffnet, beschrieb die junge Frau. Häufig hätten Krankheit und Verzweiflung die Bewohner der Camps geplagt. Mit a capella gesungenen Liedern untermalte sie ihre traurigen Geschichten. Bei einem selbstironischen Rollenspiel, einem nachgestellten Interview, zeigte sie ihre damaligen Erwartungen an ihre Reise auf und stellte die Schwierigkeiten dar.

Überall hätten chaotische Zustände geherrscht. Sie wollte helfen, sei jedoch im ersten Moment mit der Situation vor Ort heillos überfordert gewesen. Menschen hätten sich in die Zelte gedrängelt. Sie hätte Familien anweisen müssen, im Freien zu schlafen. Warme Kleidung und andere Dinge zum Überleben standen zwar zur Verfügung, aber die Flüchtenden hätten ihr gesagt: „Wir wollen nicht nur am Leben sein, wir wollen leben!“ Das habe ihr zu schaffen gemacht.

Den Abschluss und Höhepunkt der Aufführung bildete ein Puppenspiel. Darin stellte Muriel Schicksale nach, nannte symbolisch Namen, Geschichten und Todesarten von Verfolgten und Geflohenen.

Was das Prägendste an ihrer Arbeit gewesen sei, wollte im Anschluss ein Zuschauer wissen. „Die Verletzung der Menschenrechte mit eigenen Augen sehen zu müssen“, antwortete sie. Dass solche menschenunwürdigen Zustände in Europa herrschen konnten und es aktuell noch tun, dies berühre sie am meisten. Mit ihrem Stück trat die junge Schauspielerin seit Mai letzten Jahres unter anderem in Prag, Berlin und London auf. Neben einigen anderen Stationen in der Aachener Region spielte Muriel bereits am Donnerstag im Gymnasium Herzogenrath vor den Oberstufenschülern.

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