Alsdorf - Elisabethschule steht auch vor dem Aus

Elisabethschule steht auch vor dem Aus

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Eine wertvolle Einrichtung für junge Menschen mit Förderbedarf: Die Elisabethschule in Alsdorf (hier ein Archivbild) zählt zurzeit 132 Schüler. Foto: Stüber

Alsdorf. Die Elisabethschule ist von der Schließung bedroht. Sie ist Förderschule für Kinder und Jugendliche mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf (Schwerpunkte Lernen, Soziale und Emotionale Entwicklung, Sprache). Das Aus droht nicht sofort, aber in absehbarer Zeit, war jetzt im Ausschuss für Schulen, Sport und Kultur zu hören.

Wenn das 9. Schulrechtsänderungsgesetz, das als Entwurf vorliegt, von der rot-grünen Landesregierung zur Lesung und Genehmigung in den Landtag eingebracht wird und – wie angekündigt – im Frühjahr im wesentlichen unverändert verabschiedet wird, sieht es mit dem Bestand der Schule schlecht aus. Und das ausgerechnet in Folge und Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die ja eigentlich dem Wohl der Behinderten bzw. Menschen mit Handicap und Förderbedarf gilt, also auch der bestmöglichen Beschulung heranwachsender Behinderter. Wer will der anerkannt sehr gut arbeitenden Elisabethschule und ihrer Lehrerschaft ernsthaft unterstellen, diesem Auftrag nicht gerecht zu werden?

Da kann ja nur wieder mal bei der Bildungspolitik an diversen Schrauben gedreht worden sein. Und in der Tat: Galt bislang als der rechte Weg die gezielte Förderung Behinderter in hierfür speziell ausgestatteten und ausgerichteten Schulen, so wird dies mittlerweile als nicht mehr zeitgemäße Etikettierung, ja Ausgrenzung angesehen – auch und gerade mit Blick auf die besagte UN-Konvention. Der aktuelle Trend lautet Inklusion, also die möglichst gemeinsame Beschulung von nichtbehinderten bzw. zu fördernden und behinderten bzw. nicht besonders zu fördernden Kindern in einer Regelschule bei entsprechender Förderung, bei denen es notwendig ist. Einbeziehen, nicht Ausschluss also.

Alle stehen zur Disposition

Schulamtsdirektor Norbert Greuel, der großen Wert darauf legt, Landesbediensteter und nur „Gast“ bei der Städteregion Aachen zu sein, unternahm den Versuch, Kompliziertes den Ausschussmitgliedern näher zu bringen, wie er es zuvor schon in der Bürgermeisterrunde betroffener Kommunen im ehemaligen Kreis Aachen getan hatte. Greuel machte deutlich, dass alle Förderschulen im Kreis „zugunsten eines inklusiven Angebots“ zur Disposition stehen, nicht nur die Elisabethschule, wenn das 9. Schulrechtsänderungsgesetz ohne wesentliche Änderungen verabschiedet wird. Anstelle von Förderschulen würde ein Unterstützungsschwerpunkt im Kreisgebiet eingerichtet werden, in dem es um Schüler mit Verhaltensauffälligkeit geht, die zeitweise aus dem normalen Unterrichtsumfeld herausgenommen werden müssen, um sie für die Rückkehr genau dorthin fit zu machen.

Hinzu kommt, dass es mit Ausnahmegenehmigungen für Förderschulen bei Unterschreiten von Mindestgrößen vorbei ist. Die entsprechende Verordnung aus dem Jahre 1978 ist überholt. „Dies betrifft vor allem Förderschulen wie die Elisabethschule. Für diese Schulen soll mit Inkrafttreten des Gesetzes die Schulgröße 144 Schüler gelten. Die Elisabethschule zählt zurzeit 132 Schüler“, schreibt die Verwaltung in der Beratungsunterlage. Förderschulen, „die unterhalb der Mindestgröße liegen, sind auslaufend aufzulösen bzw. durch Schulentwicklungsplanung zu stabilisieren“. Das klingt, als ob die Stadt Alsdorf die Elisabethschule doch noch retten könnte.

„Alsdorf kann nicht allein handeln. Sie müssen sich mit den anderen Kommunen abstimmen“, machte Greuel den Ausschussmitgliedern klar. Für geistig bzw. körperlich Behinderte soll es nach Vorstellungen des Gesetzgebers in den Kommunen, also auch in Alsdorf, je eine Schule im Primarbereich (Grundschule) und im Sekundarbereich (mit drei Abschlüssen, also Hauptschule, Realschule und Abitur) geben. Unter den vorhandenen Schulen kann der Stadtrat die entsprechenden Schulen entsprechend wählen. In Alsdorf käme im Sekundarbereich nur die Gesamtschule Am Klött in Frage, war als Reaktion aus Reihen der Fraktionen zu hören.

Gemeinsame Lösung finden

Und wie sieht es mit der Elisabethschule und den anderen Kindern mit anerkannten Förderschwerpunkten aus? Zu den Szenarien, die Greuel, entwarf, gehört die Dependance-Lösung, also die formale Aufgabe der Eigenständigkeit der Elisabethschule und die Kooperation mit anderen „Niederlassungen“, sprich Förderschule in Umfeld so in Herzogenrath die Roda-Schule, in Würselen die Albert-Schweitzer-Schule oder in Baesweiler die Martinusschule.

Die Position der Schulräte beschrieb Greuel so: Es sollte ein separates Angebot für auffällige Schüler im ehemaligen Kreisgebiet geben. Schüler mit Förderschwerpunkten wie Lernen und Sprache sollten in Regelschulen unterrichtet werden. Die Schulräte würden eine „gemeinsame Lösung“ im Rahmen des Schulentwicklungsplans begrüßen. Bei Schließung der Elisabethschule als Förderschule sollte anstatt dessen ein Schwerpunktförderstützpunkt eingerichtet werden inklusive Beratung und Schulung für Schulen und Lehrer im Umfeld.

Greuel machte deutlich, dass die Schulträger, so auch die Stadt Alsdorf, verpflichtet seien, in enger Zusammenarbeit Inklusion zu betreiben. Greuel verschwieg keineswegs, dass Städteregionsrat Helmut Etschenberg die Förderschulen möglichst erhalten möchte. Am 2. Mai sind alle Kommunen zur Sitzung bei der Städteregion eingeladen, um die Weichen für eine inklusive Schulentwicklungsplanung zu stellen – in der Hoffnung, dass bis dahin als Grundlage des Schuländerungsgesetz beschlossen ist. „Das Treffen halte ich für richtungweisend“, sagte Greuel.

Der Schulausschuss beauftragte die Verwaltung, bei Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung (SEP) das Thema Inklusion aufzugreifen und mit der Arbeitsgruppe SEP „weiter zu entwickeln“. Nach Klärung der gesetzlichen Grundlagen sollen „geeignete Schulen im Primar- und Sekundarbereich als Schwerpunktschulen festgelegt werden“. Die müssten dann behindertengerecht ausgestattet werden. SPD und Grüne brachten zum Thema Inklusion eigene Anträge ein, die in den weiteren Beratungen sicherlich eine Rolle spielen werden.

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