Elfriede Kosch: „So ein gutes Team noch nirgends erlebt“

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Vor „ihrer“ Grundschule Kellersberg/Ost: Elfriede Kosch wird am Montag in den Ruhestand verabschiedet. Sie will ihrer Nachfolge vor allem eines mit auf den Weg geben: einen „barmherzigen Umgang mit den Schwächen der Menschen“. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Elfriede Kosch kann sich im Grunde entspannt zurücklehnen. Wenn sie zum Schuljahresende mit 65 Jahren und fünf Monaten in Ruhestand geht, hinterlässt sie ein gut ausgestattetes Schulgebäude mit einem schönen Außengelände und ein Lehrerkollegium, das im Team arbeitet und in dem sich auch Freundschaften gebildet haben.

Sogar – das muss man an dieser Stelle betonen – zwischen den ehemaligen „Rivalen“ der Grundschulen Ost und Kellersberg. Fusion gelungen, kann man vier Jahre nach dem Umzug in das neue, gemeinsame Schulgebäude also sagen.

Das zeige sich auch im Anmeldeverhalten der Eltern, berichtet Kosch. Nach einem kurzen Einbruch hätten sich die Zahlen wieder stabilisiert. Das ist auch Koschs Verdienst. Am Montag wird sie verabschiedet.

Im Interview mit Verena Müller erzählt die Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Alsdorf-Kellersberg/Ost nun, wie sie sich auf den Ruhestand vorbereitet.

Frau Kosch, wie hat sich Grundschule in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Kosch: Ich kann im Grunde nur für Kellersberg und Ost sprechen, aber ich würde sagen: Auf verschiedenen Ebenen hat sich vieles verbessert. Die Personaldecke ist dicker geworden, was es uns ermöglicht, öfter in Doppelbesetzung zu unterrichten. Weil wir hier in Ost ein wenig abseits vom Zentrum liegen, haben wir den Luxus kleinerer Klassen. Das ist für alle Beteiligten gut.

Spürt man die alten Vorbehalte noch zwischen Kellersberg und Ost?

Kosch: Ich würde sagen, inzwischen nicht mehr. Kurz nach der Fusion haben alteingesessene Kellersberger Familien ihre Kinder lieber nach Ofden als in die Siedlung Ost geschickt, das hat sich aber wieder geändert. Aber wir wollten ja über den Wandel der Grundschule im Allgemeinen sprechen...

Stimmt.

Kosch: Zu den Verbesserungen zähle ich auch den Offenen Ganztag. Im Vergleich zum Start im Jahr 2006 ist die finanzielle Ausstattung deutlich besser geworden, auch hier die Personaldecke und die Ausstattung.

Wie wird die OGS angenommen?

Kosch: Sehr gut. Fast zu gut. 83 Kinder sind für das neue Jahr angemeldet, das ist mehr als die Hälfte aller Schüler. Unser Pavillon wird da bald zu klein. So müssen wir zusätzlich einen Klassenraum nutzen. Wenn ich überlege, dass wir in Kellersberg in Kellerräumen begonnen haben, ist das schon eine deutliche Verbesserung.

Sie waren recht früh dran mit der Einführung der OGS.

Kosch: Wir gehörten in Alsdorf zur zweiten Auflage. Die ersten waren Ofden und Blumenrath, wenn ich mich recht entsinne. In dem Zusammenhang haben wir uns auch diese und andere Ganztagsschulen in Aachen angeschaut und dann ein eigenes Konzept entwickelt.

Wo sehen Sie an Ihrer Schule Verbesserungsbedarf?

Kosch: Ach, sicher kann man immer hier und da noch etwas verbessern. Vielleicht den Schulnamen? Aber im Großen und Ganzen kann ich überhaupt nicht meckern. Wir haben ein tolles Gebäude, vor allem das halbrunde Foyer finde ich sehr schön und einladend, wir haben ein großes Außengelände, hinten die Wiese für unser Sportfest und vor allem: So eine enge und gute Zusammenarbeit innerhalb eines Kollegiums habe ich noch nirgends erlebt.

Ihre Schule ist auch seit ein paar Jahren Euregio-Profil-Schule. Was heißt das?

Kosch: Die Kinder können elementar niederländisch und französisch lernen. Im Grenzraum finde ich das wichtig. Außerdem werden im Sachkundeunterricht die Nachbarländer stärker berücksichtigt. Letztens haben wir uns mit Schülern aus Brunssum getroffen und waren am Dreiländereck. Das war interessant zu sehen: Die Kinder haben sich mit ein paar Brocken Deutsch, Niederländisch und Englisch untereinander verständigt.

Wir sprachen eben über Wandel. Sind die Schüler eigentlich anders als die vor zehn, zwanzig Jahren?

Kosch: Ich glaube, es hat sich eher der Blick auf die Kinder verändert. Früher hat man es eher akzeptiert, wenn ein Kind besonders auffällig oder unruhig war: Das ist halt so, da müssen wir durch. Heute überlegt man viel schneller, ob nicht ein besonderer Förderbedarf besteht.

Individuelle Förderung wird ja groß geschrieben und das ist auch gut so. Da wären wir dann auch beim Stichwort Inklusion. Wir haben eine Sonderpädagogin an unserer Schule und auch eine sozialpädagogische Fachkraft für die Schuleingangsstufe. Diese kümmert sich vorwiegend um die Kinder aus den ersten beiden Schuljahren, die an irgendeiner Stelle einen Förderbedarf haben. Die Sonderpädagogin ist natürlich für alle Kinder mit Unterstützungsbedarf da.

Wieso nur der ersten beiden?

Kosch: In den ersten beiden Jahren werden die Grundlagen für alles spätere Lernen gelegt. Wenn die Kinder in die Schule kommen, bringen sie sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit, ein Förderantrag wird aber erst in der dritten Klasse gestellt. Hier ist also eine Unterstützung durch die Sonder-pädagogin und die Sozialpädagogin besonders wichtig. Denken Sie nur an den komplexen Leselernprozess.

Ihre Nachfolge ist bereits geregelt, auch wenn wir noch keine Namen nennen dürfen. Das muss beruhigend sein.

Kosch: Ja, das bin ich. Es gibt ja, wie man hört, viel zu wenig Grundschullehrer. Was ich gar nicht verstehen kann. Das ist im Allgemeinen ein schöner, abwechslungsreicher Beruf! Klar ist es manchmal stressig. Auf manches kann man auch gut verzichten! Man muss flexibel sein und schnell umswitchen können. Ich habe das aber immer gerne gemacht.

Wie bereiten Sie die Übergabe vor?

Kosch: (nimmt einen orange-farbenen Aktenordner in die Hand) Hiermit. Hier stehen die Jahresplanung drin, die Wünsche der Lehrer für den Stundenplan, die Informationen zum herkunftssprachlichen Unterricht, wer eine Weihnachtskarte bekommt, ...

Den Ordner haben sie extra zusammengestellt?

Kosch: Ja.

Und wie bereiten Sie sich auf Ihren Ruhestand vor?

Kosch: Ich glaube, ich werde ein paar alte Hobbys aus der Kiste kramen. Vielleicht male ich wieder. Das Chorsingen habe ich nie aufgegeben, das werde ich auch weitermachen. Ein paar Reisen sind schon geplant, die Enkelkinder,…

Was möchten Sie Ihrer Nachfolge mit auf den Weg geben?

Kosch: Einen barmherzigen Umgang mit den Schwächen der Menschen: den Schülern gegenüber, den Eltern, den Lehrern. Man muss lernen zu unterscheiden, ob jemand aufgrund seiner Persönlichkeit nicht anders handeln kann. Der Unterschied zwischen dem nicht anders handeln Können und dem nicht anders handeln Wollen ist ein schwieriger, aber wichtiger Unterschied. Wo muss ich nachsichtig sein und wo ist Druck angebracht? Auf der Seite des jeweils Schwächeren zu stehen, halte ich da nicht für verkehrt.

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