Elektromüll bald wie Flaschen entsorgen

Von: Beatrix Oprée
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Die rasende technische Entwicklung lässt Computer, TV- und Mobilfunkgeräte nach immer kürzerer Zeit zu alten Schätzchen werden. Die Folge: Die Elektroschrottberge wachsen. Die Regio-Entsorgung stellt in Alsdorf, Baesweiler und Herzogenrath Container für Kleingeräte auf. Foto: dpa

Nordkreis. Ganz aktuell werden sie von Verbraucherschützern wieder angeprangert, angebliche Sollbruchstellen bei Elektrogeräten. Defekte Bestandteile von Toaster und Co, das allerdings ist Tatsache, sind meist nur schwer respektive kostenaufwändig zu reparieren.

Zudem lässt die rasende technische Entwicklung Computer, TV- und Mobilfunkgeräte nach immer kürzerer Zeit zu alten Schätzchen werden. Die Folge: Die Elektroschrottberge wachsen – und zwar dreimal so schnell wie der übliche Siedlungsmüll. Wenn sich Reparaturen in der Regel auch nicht mehr rechnen, so sind defekte Elektrokleingeräte aber keineswegs wertlos. Ihre Bestandteile lassen sich in bare Münze umwandeln, die verwendeten Rohstoffe neu nutzen.

„Man denke nur an die Diskussion um seltene Erden“, weist Stephanie Pfeifer, Sprecherin der Regio-Entsorgung, auf Inhaltsstoffe speziell von Mobiltelefonen hin. Laut Herstellerangaben ruhen in deutschen Schubladen mehr als 70 Millionen ausgemusterte oder defekte Handys – und mit ihnen wertvolle Rohstoffe wie Gold und Silber, Indium und Tantal und aus Mineralien (Erden) gewonnene Metalle wie Thulium und Lutetium.

Giftige Substanzen

Die ökonomischen und ökologischen Aspekte haben längst dazu geführt, dass Elektrogeräte per Gesetz nicht mehr über den Restmüll entsorgt werden dürfen, sondern separat über kommunale Abgabestellen erfasst werden müssen. Natürlich auch, um die vielfach enthaltenen giftigen Substanzen nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen zu lassen.

Die kostenlose Abgabe an den Wertstoffhöfen respektive Einsammlung im Zuge angemeldeten Sperrmülls sind seither in den Nordkreisstädten wohl geübte Praxis. Doch gerade die Abholung von Elektrogeräten bereitet Probleme, wie Stephanie Pfeifer auf Anfrage mitteilt. Nur rund 50 bis 60 Prozent der angemeldeten Objekte finden die Mitarbeiter tatsächlich vor, der Rest verschwindet in Kleintransportern kommerzieller Schrotthändler. Und das ist „Beraubung“, denn der vermeintliche Abfall wird von den Eigentümern zweckgebunden, sprich zum Abtransport durch die Regio-Entsorgung, auf die Straße gestellt.

Diebstahlsicher

Nun soll der Rückfluss alter Elektrogeräte in engere Bahnen gelenkt werden – mittels diebstahlsicherer Depotcontainer. Eine entsprechende Erhebung in den Städten und Gemeinden des Zweckverbands Entsorgungsregion West (ZEW) ist beendet, das Konzept in der Regel auf ein positives Feedback gestoßen. Mit dem Ergebnis werden sich im April die Gremien des ZEW befassen. Noch vor der Sommerpause sollen die so genannten „Elektroaltgeräte-Depotcontainer“ dann aufgestellt werden.

Die Idee: Die Bürger können den kaputten Fön, das alte Handy oder den durchgeschmorten Wasserkocher ähnlich wie bisher schon Einwegflaschen und Glas in Wohnortnähe in einen speziellen Container stecken. Was in eine handelsübliche Tragetasche passt, gilt als Elektrokleingerät – vom Anrufbeantworter über Game Boys, Handys, MP3-Player, Speiseeisbereiter bis zu Toaster, Ventilatoren und Zitruspressen. Alles bis 30 Zentimeter Kantenlänge zählte bisher dazu.

„Wahrscheinlich werden wir die Öffnung der neuen Container aber auf 50 Zentimeter bemessen“, verweist Stephanie Pfeifer auf eine möglicherweise bevorstehende Gesetzesänderung auf EU-Ebene. Keinesfalls in die neuen Depotcontainer gehören jedoch Fernseher und Bildschirme, sie könnten implodieren – und enthalten giftige Substanzen. Sie müssen weiterhin – wie Elektrogroßgeräte – zur Abholung angemeldet oder zum Wertstoffhof gebracht werden.

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