Elektromobilität: Was Experten sagen

Von: Verena Müller
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An einer Stromtankstelle: Das Netz mit Ladepunkten ist einer der Knackpunkte der Elektromobilität. Themen wie diesem widmet sich das Forum „Nachhaltige Mobilitätsentwicklung“ im Energeticon. Foto: dpa

Alsdorf. Für wen lohnt sich die Anschaffung eines Elektroautos? Welche Grenzen und Hürden hat die Technik nach wie vor? Und wie grün ist der Strom, den man an Ladestationen tanken kann? Fragen wie diesen will sich das Forum „Nachhaltige Mobilitätsentwicklung“ im Energeticon widmen.

Auch wenn der Titel etwas sperrig wirken mag, so richtet sich die Veranstaltung doch an den „Otto Normalverbraucher“, dem der Ottomotor vielleicht immer noch näher steht als ein elektromechanischer Wandler. Vielleicht aus gutem Grund, vielleicht aus Ressentiments.

Fünf Fachleute wollen am Dienstag, 23. Mai, ab 14 Uhr nach kurzen Vorträgen mit dem Publikum in den Dialog treten, Fragen beantworten und sich der Kritik stellen. Danach haben die Besucher die Möglichkeit, sich in einer Ausstellung verschiedene Elektroautos anzuschauen, mit Experten der Automobilbranche zu sprechen und gegebenenfalls auch eine Probefahrt zu unternehmen. Verkaufsgespräche finden wohlgemerkt nicht statt.

Verkehrswende

Veranstalter sind das Energiemuseum Energeticon und die IRR (Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH), eine Initiative für das Zeitalter nach der Kohle. „Wir sind mit der Elektromobilität auf dem richtigen Weg, aber es gibt berechtigte Kritik und Fragen“, findet Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter, der den Stein für die Veranstaltung mit ins Rollen gebracht hat. Deren Thema habe sich sozusagen aus dem seines Hauses fast zwangsläufig ergeben: „Der Schritt von der Energiewende zur Verkehrswende ist naheliegend“, sagt Richter. Und da das Energeticon Mitglied des IRR ist, hatte sich eine Kooperation angeboten.

„Wir wollen keine Expertenrunde zu technischen Details der neuesten Speichertechnik, sondern ein Forum für normale Leute anbieten. Warum überhaupt Elektromobilität? Wo kommt der Strom her und welche Fahrzeugmodelle sind auf dem Markt?“ – das sei der inhaltliche Rahmen, sagt Richter.

Aus regionaler Produktion

„Im Fokus der Veranstaltung stehen Themen mit besonderer Relevanz für unsere Region“, ergänzt Nora Robertz-Peters, Projektkoordinatorin Nachhaltige Mobilität der IRR. „Während die Bereitstellung der Energie für Fahrzeuge mit rein elektrischem oder Brennstoffzellenantrieb als globales, dringliches Thema auch bei uns nach einer regional umsetzbaren Lösung sucht, bietet die Region beispielsweise mit dem Standort Aachen im Speziellen eigene innovative und nutzerorientierte Ansätze in der Elektromobilproduktion. Es werden elektrisch betriebene Fahrzeuge aus regionaler Produktion, die spezifisch auf die Anforderungen von Kunden zugeschnitten werden können, zu bezahlbaren Preisen angeboten.“ Die interkommunale Zusammenarbeit sei darüber hinaus eine wesentliche Voraussetzung zur erfolgreichen Umsetzung der Verkehrswende im Wirtschafts-, Pendler- und Privatverkehr innerhalb der gesamten Region.

Die fünf Fachleute auf der Bühne werden sein: Theo Jansen, Leiter des Mobilitätsmanagements des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS), der über das Zukunftsnetz Mobilität NRW informiert, Dr. Matthias Dürr, Leiter von Elektromobilität.NRW, Lothar Stanka, Leiter Vertrieb für Elektromobilität von Innogy, Dr. Albrecht Möllmann, Vorsitzender von HyCologne und Dr. Christian Steinborn, CSO der e.Go Mobile AG in Aachen.

„Wenn wir Orte für Menschen statt für Autos wollen, dann brauchen wir ein kommunales Planen und Handeln, das den Menschen attraktive Alternativen anbietet“, lautet eine der zentralen Thesen von Theo Jansen. Sein Schwerpunkt sind Mobilitätskonzepte für Kommunen, die eine geschickte Vernetzung von ÖPNV, Carsharing, Fahrrad- und Fußverkehr beinhalten und auf Information des Bürgers setzen. Jansen ist Fachmann für Verkehrssicherheit und Mobilitätsmanagement.

NRW als Vorreiter

Matthias Dürr will nicht weniger, als NRW „zu einem Vorreiter der Elektromobilität in Deutschland machen“. Er geht auf den Status quo ein und will als Leiter des Dachverbands Elektromobilität Handlungsempfehlungen an Entscheidungsträger aussprechen. Dürr hat Energie- und Verfahrenstechnik studiert, sein Spezialgebiet sind Brennstoffzellen und Batteriesysteme.

Lothar Stanka vertritt die RWE-Tochter Innogy, die mit 5700 Ladepunkten heute eines der größten Ladenetze in Europa betreibt. Gemeinsam mit 140 Stadtwerkepartnern bietet das Unternehmen deutschlandweit sogar das größte öffentliche Ladenetz an. „Ziel ist es, Elektrofahrzeuge jederzeit leicht zu laden. Eine Kombination aus öffentlicher und privater Ladeinfrastruktur macht die Parkzeit zur Ladezeit“, sagt Stanka. Als öffentliche Ladepunkte würden Ultra-Schnellladesysteme in Zukunft auch an Bedeutung gewinnen. „Weiterer wichtiger Bestandteil sind die privaten Ladeboxen zu Hause und Ladepunkte beim Arbeitgeber. Dank innovativem Energiemanagement können Hausbesitzer selbst erzeugten Sonnenstrom zum Fahren nutzen.“

Auf dem Werksgelände ermögliche das „smart charging“ von Innogy den Unternehmen ein aktives Lademanagement. „Dies vermeidet Lastspitzen im Firmenstromnetz“, so Stanka weiter.

Und für bezahlbare nutzerfreundliche Fahrzeuge wirbt Christian Steinborn von der e.Go Mobile AG. Er wird über den „e.Go Life“ berichten, ein Elektroauto, das auf dem Campus der RWTH Aachen marktreif gemacht wird. Es ist ausgerüstet mit einem 48-V-Antriebssystem von Bosch, einer Basis-Batteriekapazität von 14,4 Kilowattstunden sowie zwei Sitzen und wurde kürzlich auf der Cebit in Hannover vorgestellt. In derselben „Schmiede“ ist übrigens auch der Streetscooter, der für die Post als Zustellungsfahrzeug in Serie ging, entstanden.

Zukunft des Wasserstoffs

Albrecht Möllmann ist Experte für Wasserstoff, Brennstoffzellen und Null-Emissions-Technologie. Im Chemiepark Hürth-Knapsack vor den Toren Kölns erzeugte die Industrie als ein Nebenprodukt von Chemieprozessen Wasserstoff, der keinen weiteren Anwendungen zugeführt wurde. Aus der Idee, dieses Gas zu nutzen, entstand die Initiative HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland e.V.. Heute tragen 28 öffentliche und private Mitglieder die Projekte wie Null-Emission im öffentlichen Nahverkehr oder die Wasserstofftankstelle am Chemiepark Knapsack.

Darüber und über die Zukunft des Wasserstoffs berichtet Möllmann gerne.

Es dürfte also ein spannender Nachmittag werden.

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