Würselen - „Electro Deluxe“ lässt Publikum tanzen

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„Electro Deluxe“ lässt Publikum tanzen

Von: Stefan Schaum
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Eine „Rampensau“ im besten Sinne: James Copley zeigte außerordentliche Präsenz. Foto: Stefan Schaum
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Mit Lichteffekten und Bühnennebel wurde der feurige Auftritt der französischen Formation „Electro Deluxe“ in Szene gesetzt. Foto: Stefan Schaum
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Partystimmung auf Burg Wilhelmstein: Schon nach wenigen Minuten hielt es die Besucher nicht mehr auf den Bänken. Foto: Stefan Schaum

Würselen. James Copley ist einfach eine „Rampensau“. Und weil der Vergleich früher oder später ohnehin fallen muss, kann man es auch gleich sagen: Ja, dieser Herr gibt ziemlich gerne den französischen Robbie Williams. Zwar ist der Frontmann der Pariser Nu-Jazz-Band „Electro Deluxe“ noch kein Superstar wie Williams.

Aber bei dessen Gestik und Mimik hat er offenbar ganz gut hingeschaut, daran sollte es also schon mal nicht scheitern. Keine zehn Minuten steht Copley auf der Bühne der Burg Wilhelmstein und – zack – hat er das Publikum voll im Griff. Alles steht. Alles tanzt und klatscht. Alles ist glücklich.

Selbstverständlich ist das nicht. Zwar haben die Jungs von „Electro Deluxe“ es mit ihren schicken Anzügen sogar als einzige auf das Titelblatt des aktuellen Programmheftes der Burg Wilhelmstein geschafft, aber anders als in ihrer Heimat Frankreich sind sie hierzulande eher noch ein Geheimtipp. Doch diese Musiker verstehen schlicht und ergreifend ihr Handwerk! Und so ist die Burg zwar nicht randvoll, kocht aber stellenweise beinahe über. Er hat halt Schmackes, dieser Sound. Und wie. Mittlerweile zu siebt unterwegs, liefert die 2001 gegründete Band eine durch und durch heiße und energetische Mischung aus Funk und Soul – und lässt jazzige Momente vereinzelt auch noch aufblitzen. Elektronisch, wie es der Bandname nahelegt, ist daran jedenfalls kaum etwas.

Virtuose Musiker

Nur hier und da wird die ansonsten fehlende Gitarre per Sample dazugeholt oder es huscht ein kleiner Soundfetzen durch, ansonsten bleibt alles handgemacht. Und das virtuos. Jeder hier hat sein Instrument im Griff, und jeder darf es zeigen. Da ist zum Beispiel Jérémie Coke, der mit Hosenträgern und Dreadlocks den Bass bedient und Läufe rausperlen lässt, die geschmeidig und druckvoll zugleich sind. Oder Keyboarder Gaël Cadoux, dessen Soli einige der Höhepunkte des Abend bilden. Gleiches gilt für Schlagzeuger Arnaud Renaville und die Bläser: Saxophonist Thomas Faure, Trompeter Vincent Payen und Posaunist Bertrand Luzignant. Eben einfach: für alle.

Für James Copley natürlich auch, der sich durch die Songs knurrt, stöhnt und schmachtet und dabei mit oft weit aufgerissenen Augen jeden einzelnen im Publikum im Blick zu haben scheint. Vollgas ist hier die Devise, nur im Mittelteil nehmen „Electro Deluxe“ mal kurz den Druck raus und holen Hocker auf die Bretter. Ein kleiner, nahezu balladesker Teil, bevor es schmissig weitergeht und erneut eine Menge Kunstnebel auf die Bühne gepustet wird.

Die stärksten Momente sind womöglich die, in denen es die einzelnen Musiker einfach mal ein wenig länger laufen lassen, sich starke Solopartien gönnen und in denen man deutlich hören kann, dass sie nicht bloß vom Funk, sondern vom Jazz kommen. Verspielt sind sie, aber nicht zu sehr. Hier wird an keiner Stelle verkopfter Jazz gemacht, sondern einer, der eher auf die Beine zielt. Wie so ziemlich alles an diesem Abend. Mit Songs wie „Keep my baby dancing“, der genau so und nicht anders auch dem jungen Stevie Wonder eingefallen sein könnte. Oder der jüngsten Single „Oh, no“ die es durchaus verdient hätte, sich auch hierzulande zum Hit zu entwickeln.

Bei alle seiner Präsenz auf der Bühne – für großes Gerede zwischen den Songs ist James Copley nicht der richtige Mann. Da bleibt der Franzose eher wortkarg und lässt lieber die Musik für sich sprechen. Bloß einen Satz wiederholt er ziemlich oft, es ist eine Botschaft an die Zuschauer, die im letzten Drittel des Abend dicht bis an die Bühne herandrängen: „You are Electro Deluxe!“ Ja, auch der Hörer gehört hier mit zur Band, so etwas schweißt zusammen. Dann noch eine heftige Zugabe, mit weltbekanntem Coversong zum Finale: „Staying Alive“, die Tanzhymne der Bee Gees. Nach 100 Minuten steht die Band dann zwar nicht mehr auf der Bühne, doch viele tanzen noch weiter zum Beat, der nun vom Band kommt. In Sachen Entertainment gilt hier wohl: alles richtig gemacht!

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