Einzelhandel in Würselen: Der City fehlen die Kundenmagneten

Von: Karl Stüber
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Die Kaiserstraße hat auch Schwachpunkte: Sie habe keine sie begleitende und in die Tiefe der Bebauung gehende Struktur. Sie sei zudem langgezogen. Kunden müssten lange Wege zurücklegen, erklärt Rainer Schmidt-Illguth. Foto: W. Sevenich

Würselen. „Die Stadt Würselen verfügt mit Blick auf das Gewerbegebiet am Aachener Kreuz über grandiose Werte und steht im Vergleich zu anderen Städten im ehemaligen Kreis Aachen sehr gut da.” Das sagt ein Kenner und Analytiker der Städteregion Aachen: Dipl.-Geogr. Rainer Schmidt-Illguth.

Der Mann war maßgeblich an der Erarbeitung eines grundlegenden Werkes über den Einzelhandel nebst Handlungsempfehlungen namens „Städteregionales Einzelhandelskonzept - Strikt Aachen” beteiligt. Die Kernaussagen lauten: Dem Wettrüsten ein Ende setzen - Innenstädte stärken statt auf grüner Wiese bauen - Größere Projekte nur noch im regionalen Konsens umsetzen.

Nun könnten die Stadtmütter und -väter Würselens angesichts des Eingangssatzes die Hände getrost in den Schoß legen, aber bei Betrachtung der Details sieht Schmidt-Illguth noch viel Arbeit vor den Verantwortlichen liegen. Denn rechnet man das Gewerbegebiet Kaninsberg raus, so steht die Stadt mitnichten mehr so gut da, zum Beispiel bei der Relation von Einwohner zu Verkaufsfläche: Da sind es noch 0,9 Quadratmeter, im Bundesdurchschnitt aber 1,35 Quadratmeter pro Einwohner. Das mag auf den ersten Blick hin nur ein statistischer Wert sein.

Im Gespräch mit unserer Zeitung füllt Schmidt-Illguth dies mit Inhalten. So fehlten der Würselener Innenstadt „klassische Magneten” wie Innenstadtkaufhäuser und Filialisten, sehe man von kleineren von Inhabern geführten Geschäften ab. „Die Betriebsformen in Würselen sind sehr kleinteilig”, sagt Schmidt-Illguth, ohne jemanden auf die Füße treten zu wollen. „Den Standort prägende Geschäfte fehlen.”

Die Folge: Wer einkaufen will, neigt dazu, eher nach Aachen zu fahren, wo er garantiert besagte Ketten etwa im Bereich Bekleidung findet. Würselen werde da nicht nur von eigenen Bürgern, sondern auch von Bewohnern umliegender Kommunen links liegen gelassen.

Das Gegenmittel lautet: „Die City benötigt Filialisten, von denen die Leuten wissen, dass sie das, was sie auf jeden Fall suchen, und auch dort finden können.” Davon würden beim Shoppen bereits vorhandene Geschäfte im Umfeld profitieren. Kaufkraft werde gehalten und von außen angezogen.

Die auf den ersten Blick hin beeindruckende Kaiserstraße mit all ihren Geschäften beinhaltet in den Augen des Fachmanns ins Gewicht fallende Schwächen. „Diese Straße hat keine sie begleitende und in die Tiefe der Bebauung gehende Struktur. Sie ist zudem lang gezogen. Das ist für den Einzelhandel schwierig. Es müssen lange Wege zurückgelegt werden. Es gibt keinen Rundlauf”, sagt er.

Im Kreis zu gehen, dabei viele verschiedene Geschäfte frequentieren zu können und dabei wieder zum Ausgangspunkt, etwa den Parkplatz, zurückkehren zu können, ohne einen Weg zweimal gehen zu müssen, sei für Kunden viel komfortabler und attraktiver.

In einem konsequenten City-Marketing sieht er einen wichtigen Faktor für den Erfolg. „Da ist noch sehr viel möglich”, betont er. Mehr Selbstbewusstsein und Ausspielen vorhandener Stärken sollte die vorhandene Geschäftswelt zeigen. „Der Einzelhandel sollte sich Gedanken über mehr Identität machen”, empfiehlt er. Die City müsse sich ideenreicher darstellen.

Nach Aachen sei Eschweiler funktional die Nummer zwei in der Städteregion. Baesweiler habe eine hohe Identität. Würselen müsse da seine „Inhalte und die Stadtentwicklung besser kommunizieren”, so die Aussage.

Oder anders ausgedrückt: Würselen und seine Bürger wissen gar nicht, wie gut man ist und wie gut man noch sein kann.
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