Würselen - „Einmal Blut geleckt und dabei geblieben”

„Einmal Blut geleckt und dabei geblieben”

Von: Jan-Christoph Poßberg
Letzte Aktualisierung:
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„Schenke Leben, spende Blut”: Margot Theilen lässt sich in Bardenberg zum 75. Mal Blut abnehmen. Foto: Poßberg

Würselen. Die gelben Transparente mit der Aufschrift „Spende Blut - Heute Blutspende” an der Einfahrt zur Dorfstraße sind kaum zu übersehen.

Auch das große Fahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vor dem Therapiezentrum Woll in Bardenbergs Einkaufsstraße zieht den Blick wahrlich auf sich. Die Zeichen sind eindeutig: Der Ortsverein Bardenberg des Wohlfahrtsverbands bittet wieder zum freiwilligen Aderlass.

Zehn ehrenamtliche Helfer opfern an diesem Nachmittag ihre Freizeit und helfen bei der Anmeldung, schmieren belegte Brote für die Spender und sorgen dafür, dass immer genug Getränke vor Ort sind. Sie ergänzen damit das professionelle Entnahmeteam des DRK-West, das in Bardenberg im Einsatz ist.

Ein solches Team besteht immer aus einem Arzt oder einer Ärztin sowie fünf medizinischen Fachkräften, darunter ausgebildete Sanitäter oder Arzthelferinnen. Sie fahren von einem Blutspendetermin zum nächsten und bringen dabei alle Geräte, Betten und sonstige Materialien mit, die für so einen Einsatz von Nöten sind.

„Wir planen unsere Blutspendetermine ein Jahr im Voraus, damit die Ortsvereine sich darauf einstellen können. Die sorgen dann für geeignete Räumlichkeiten und organisieren das ganze Drumherum”, sagt Jutta Lander-Kox, Leiterin der Abteilung Blutspende im Zentrum für Transfusionsmedizin des DRK in Breitscheid. Sie koordiniert die Arbeit von 18 solcher Teams.

Das meiste Blut wird für innere Erkrankungen an Herz und Kreislauf oder auch bei der Behandlung von Leukämie gebraucht. „Entgegen der landläufigen Meinung ist es nicht so, dass ein Großteil der Blutkonserven bei Unfallopfern zum Einsatz kommt. Das meiste geht tatsächlich in die Behandlung chronisch Kranker”, informiert Lander-Kox.

Duisburg hat Folgen

Im Frühjahr gab es beim DRK einen Einbruch der Spendebereitschaft, aber mittlerweile kommen wieder mehr Freiwillige. Die Mitarbeiter des DRK vermuten, dass das mit der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg und der daraus folgenden Betroffenheit in der Bevölkerung zusammenhängen könnte. Grundsätzlich herrscht beim DRK aber immer Blutmangel.

„Gerade bei seltenen Blutgruppen sind die Vorräte meist gering, und wir sind dann regelmäßig gezwungen, bei anderen Diensten nachzukaufen. Dabei ist Blutspenden überhaupt nicht ungesund. Im Gegenteil - für den Körper ist das wie Doping. Durch regelmäßiges Spenden steigt die Regenerationsfähigkeit des Organismus. Das Immunsystem bleibt fit”, erklärt Jutta Lander-Kox.

Volles Haus

„Blut wird für viele Operationen gebraucht”, weiß auch Heinrich Kaiser, Vorsitzender des DRK-Ortsverbands Bardenberg. Er ist bereits seit 44 Jahren dabei: „1966 habe ich beim Deutschen Roten Kreuz meinen Ersatzdienst gemacht. Dabei habe ich im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt und bin bis heute dabei geblieben.”

Zu Blutspendeterminen in Bardenberg kommen normalerweise zwischen 60 und 70 Spender. Aber an der langen Schlange vor der Entnahme lässt sich bereits erahnen, dass es diesmal erfreulicherweise auch ein paar mehr sein könnten. „Wir haben hier mehrere Personen im Ortsverein, die bereits weit über 100-mal gespendet haben. Das ist uns alle zwei Jahre dann natürlich auch eine besondere Ehrung wert.”

Auch Ralf Woll ist über den Ersatzdienst zum DRK gekommen. Er hat die Räume seiner Praxis für Ergotherapie für die Blutspende zur Verfügung gestellt, weil die Mehrzweckhalle der Bardenberger Grundschule zur Zeit renoviert wird.

Er hat daher auch versucht, seine Patienten zum Spenden zu motivieren: „Ich freue mich, dass einige von ihnen gekommen sind. Wenn der Andrang weiterhin so hoch ist wie momentan, dann werde ich ernsthaft darüber nachdenken, meine Praxis dauerhaft für die Blutspendetermine in Bardenberg zur Verfügung zu stellen.”

Man kennt sich

„Man darf aber auch nicht vergessen”, sagt Ortsvereinsvorsitzender Kaiser zum Abschluss, „dass die Blutspende hier in Bardenberg auch immer eine soziale Komponente hat. Wir kennen viele Spender schon seit Jahren und man freut sich, einander regelmäßig wiederzusehen. Am Imbiss finden dann auch die meisten die Zeit, um ins Gespräch zu kommen, und den Kontakt mit den anderen zu pflegen.”

Die nächste Gelegenheit zur Blutspende im Nordkreis ist am Mittwoch, 1. September, im Rathaus in Würselen von 15 Uhr bis 19. 30 Uhr.
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