Einkaufszentrum : „Ausrottung des Gewerbes“ droht nicht

Von: mas
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Die alte Bürgermeistervilla an der Mariastraße ist mittlerweile Vergangenheit: Sie wurde abgerissen, dort soll der Kindergarten (derzeit Am Kirchwinkel) neu gebaut werden. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Wichtige Themen brannten den Bürgern zur Einwohnerversammlung im Pädagogischen Zentrum Baesweiler auf den Nägeln. Verkehrslenkung, Parkraumbewirtschaftung oder mögliche Lärmbelästigungen im Zusammenhang vor allem mit dem geplanten Einkaufszentrums Am Feuerwehrturm standen im Mittelpunkt.

Detaillierte Antworten lässt der Planungsstand in einigen Fällen aber (noch) nicht zu. Das ist verfahrensabhängig, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens und Technischer Beigeordneter Peter Strauch erklärten. Pläne seien eingereicht, nun erfolge die Erstellung von Gutachten, um wiederum Bedenken und Anregungen einfließen zu lassen. Das Ziel der Maßnahme unterstrich Linkens zu Beginn: „Hier soll eine Stärkung des zentralen Versorgungsbereiches erfolgen“. Dazu ist beabsichtigt, einen Vollsortimenter in der Größenordnung von etwa 2300 Quadratmetern (Edeka) ebenso wie einen Lebensmitteldiscounter (Aldi, etwa 1200 Quadratmeter) im Gebiet Am Feuerwehrturm entstehen zu lassen. Linkens bemerkte, „eine Vielzahl von kleinen Einzelhändlern am neuen Standort ist nicht erwünscht und wird auch nicht erfolgen“. Linkens äußerte die Sorge, dass 14 Millionen Euro jährlich an Kaufkraft aus dem Lebensmittelsektor in Nachbarstädte abfließt. Er warnte eindringlich: „Tun wir nichts, schwächen wir unser Zentrum langfristig.“ Erste konkrete Entwürfe eines architektonischen und städtebaulichen Konzeptes, um dem zu begegnen, stellte Peter Strauch vor. Um die Voraussetzungen für einen Neubau zu schaffen, wird der Kindergarten Am Kirchwinkel ausgelagert. Mit dem Neubau im Gebiet Mariastraße/Ecke Peterstraße wurde bereits begonnen. Auf die neuen Marktgebäude wird im Bereich des Kirchwinkels eine Wohnbebauung aufgesattelt. Größenordnung: „Etwa 10 bis 12 Einheiten“, erklärte Strauch.

Nach Offenlegung eines Vorhabenbezogenen Bebauungsplanes geht das Projekt erneut in die Bürgerbeteiligung unter Berücksichtigung aller Stellungnahmen, dann folgt ein zweistufiges Beteiligungsverfahren. Die vertraglichen Vereinbarungen mit dem Investor sind festzulegen und Fachgutachten einzuholen. „Ganz am Schluss entscheidet der Stadtrat, ob das so geht oder nicht“, bemerkte Linkens. CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Puhl: „Die CDU hat dieses Projekt von Beginn an unterstützt.“ Die Kontrollfunktion ihrer Partei hob SPD-Chefin Gabi Bockmühl heraus: „Wir werden nicht dafür sein, dort einen Betonklotz hinzustellen.“ FDP-Vorsitzender Hans-Dieter Reiprich räumte ein, anfangs Probleme mit diesen Planungen gehabt zu haben, „doch nach vielen Prüfungen sind auch wir überzeugt vom Konzept“. Rolf Beckers nannte die Position der Grünen sonnenklar: „An den Plänen sieht man, das Ganze lebt. Da sind viele Ideen eingeflossen.“

Offengelegt wird das Konzept ab Dienstag, 28. Mai. Bis zum 28. Juni können weitere Einlassungen eingereicht werden. Gerieben hatten sich einige Bürger bei der anschließenden „Fragestunde“ an möglichen Zufahrten für die Lkw. Dabei wurde die Sorge geäußert, Fahrzeuge könnten in den frühen Morgenstunden übermäßigen Lärm erzeugen. Weitere bedenken von Anwohnern: Lkw, die die Mariastraße schwerpunktmäßig nutzen, weniger Parkplätze, ein zu kleiner Kreisel am Rathaus. Peter Strauch versuchte zu beruhigen, verwies auf die noch zu erstellenden Gutachten, in die Anregungen einfließen.

Baubeginn schon dieses Jahr?

Zum Thema Parkplätze am Feuerwehrturm räumte der Technische Beigeordnete ein, „der größte Teil des Parkplatzes bleibt öffentlich, ein in Teilen zeitlich begrenztes Parken kann aber auch dort möglich sein“. Aufgrund der Erfahrungen des Lkw-Verkehrs in der Frings- und Antoniusstraße (Zufahrt zum jetzigen Edeka-Markt an der Kirchstraße) kritisierte ein Anwohner: „Das sind Sattelzüge und keine Sprinter.“ Vorschriften seien das Eine, die Praxis etwas Anderes.

Linkens rechnet mit dem Baubeginn noch in diesem Jahr. Über die Dauer der Bauzeit könne noch keine Angabe gemacht werden. Drastisch formulierte ein Anwohner, der eine „Ausrottung des Gewerbes in der Innenstadt“ sieht und die Pläne Baesweilers mit Zentren anderer Kommunen verglich. Der Bürgermeister dazu: „Unser Projekt ist nicht mit anderen vergleichbar.“ Hier sieht er „keine Schaffung eines zweiten oder dritten Zentrums, wie das in anderen Städten der Fall ist“. Am Ende konnte der Versammlung entnommen werden, dass 90 Prozent der etwa 100 geschätzten Teilnehmer mit den bisherigen Planungen einverstanden sind.

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